Nach Beschwerden über Lärm greifen die Städte in NRW durch Straßenmusiker mit Verstärker sind ungern gesehen

Bielefeld/Paderborn/Minden/Gütersloh (WB). Belebung oder Ärgernis? An Straßenmusikern scheiden sich die Geister. In den Innenstädten müssen sie sich an Vorgaben halten. Beschweren sich Passanten oder Geschäftsleute über Lärm, greifen die Kommunen durch.

Von Dietmar Kemper
Die meisten Passanten hetzen achtlos vorbei, zwei Kinder werfen dem Straßenmusiker einen Blick zu, der als Dankeschön für die Kleinkunst auf ein bisschen Kleingeld hofft. Im Frühling werden Straßenmusiker wieder die Innenstädte bevölkern.
Die meisten Passanten hetzen achtlos vorbei, zwei Kinder werfen dem Straßenmusiker einen Blick zu, der als Dankeschön für die Kleinkunst auf ein bisschen Kleingeld hofft. Im Frühling werden Straßenmusiker wieder die Innenstädte bevölkern. Foto: imago

Die Stadt Köln hat gerade Straßenmusikern verboten, Verstärker einzusetzen. Dortmund plant darüber hinaus eine »straßenmusikfreie Zone«. Die Landeshauptstadt Düsseldorf wiederum hat besonders laute Instrumente wie Schlagzeug und Dudelsack untersagt.

»Die spielen uns die Kunden weg«

Und wie sieht es in Ostwestfalen-Lippe aus? Bielefeld, Gütersloh und Paderborn schreiben Straßenmusikern vor, wie lange sie an einer Stelle bleiben dürfen. In Paragraph 8 Absatz 1 der Ordnungsbehördlichen Verordnung der Stadt Gütersloh heißt es: »Straßenmusiker oder -schauspieler müssen den Standort ihrer Darbietungen auf Verkehrsflächen nach 30 Minuten so verändern, dass ihre Darbietungen am ursprünglichen Ort nicht mehr hörbar sind, mindestens jedoch 150 Meter weitergehen.« Wer das ignoriere, erhalte einen Platzverweis, betont die Verwaltung.

In Paderborn kontrollieren die Mitarbeiter des Büros für Ordnung, Schutz und Sicherheit (B.O.S.S.) die Einhaltung der Vorgaben, sagte Jens Reinhardt, der Sprecher der Stadt, dem WESTFALEN-BLATT. Er berichtete von Beschwerden von Anliegern und Geschäftsleuten (»Die spielen uns die Kunden weg«).

Stadtwache greift bei zu hoher Lautstärke ein

So wie in Köln sind auch in der ostwestfälischen Domstadt Verstärker nicht gestattet. In Bielefeld gibt es dieses Verbot zwar nicht, aber wenn es zu laut wird, hört der Spaß auch dort auf. »Straßenmusik muss so verträglich sein, dass niemand gestört wird – wenn es durch Ghettoblaster oder andere Dinge zu laut wird, greift die Stadtwache ein«, sagt Friedhelm Feldmann, der Leiter des Ordnungsamtes. Eine Vorgabe, wie viele Straßenmusiker sich zeitgleich in der City aufhalten dürfen, gibt es hier nicht.

Anders als in Bochum: Dort werden nur drei Genehmigungen pro Tag vergeben. Wer fünf Tage in der Stadt von Herbert Grönemeyer bleiben möchte, muss 25 Euro bezahlen. Nebenan in Essen dürfen Straßenmusiker keine CDs mit ihrer Musik verkaufen.

In Minden wird nach Angaben der Stadt für das Spielen in der Innenstadt keine Genehmigung benötigt. Drei bis fünf verschiedene Gruppen beziehungsweise Musiker unterhalten jeden Tag die Passanten mehr oder weniger gut. Falls das Wetter gut ist, versteht sich – jetzt, in der Eiseskälte, würden den Musikern die Finger abfrieren. Auch in Minden müssen sie nach einer halben Stunde den Standort wechseln.

»Innenstädte müssen Erlebnisqualität haben«

Während einige Bürger sich von Straßenmusikern genervt und unter Druck gesetzt fühlen, Geld zu geben, empfängt Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke sie mit offenen Armen. »Innenstädte müssen Erlebnisqualität haben«, sagt er. Musiker können in Wuppertal jetzt einfach so in die Innenstadt kommen und loslegen – ohne Verstärker allerdings. Mucke: »Wir wollen damit Bürokratie abbauen und es gleichzeitig den Musikern einfacher machen, mit ihrer Musik unsere Innenstädte zu beleben.«

Um Ärger mit Geschäftsleuten zu vermeiden, empfiehlt Backstage Pro, ein Netzwerk für die Musikerszene, den meist jungen Leuten, sich nicht zu dicht vor große Schaufenster zu stellen, keine Zugänge zu versperren und nicht in ein Kaufhaus zu gehen. Denn dort handle es sich nicht um einen öffentlichen Platz, sondern um eine Gewerbefläche. Straßenmusik wird in der Szene übrigens »Busking« genannt. Die Kleinkunst bringe durchaus ordentlich Kleingeld, heißt es. Vor allem dann, wenn Hits, die jedermann bekannt sind, ungewöhnlich interpretiert werden. Kreativität werde von den Passanten belohnt. Straßenmusikfeste, die einige Kommunen regelmäßig organisieren, sind bei den Gitarristen und Geigern besonders gefragt.

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