Das Trio »Frau Rotkohl« aus Berlin gewinnt den 21. Bielefelder Kabarettpreis Pudding für Katzenhasser

Bielefeld (WB). Rapunzel lässt seinen Bart herunter, Samtpfoten sind schuld am Klimawandel und verdienen die Katzenklappen-Guillotine und der Solo-Bohrer spielt Lieder, die Welthits sein könnten wenn sie auf Englisch verfasst oder einfach nur besser wären. Das selbst ernannte »Boygroup-Phänomen der Slamszene«, die drei Berliner Jonas, Jon und Natze alias »Frau Rotkohl« spielten und ersangen sich am Wochenende beim 21. Bielefelder Kabarettpreis mit ihren archaisch-anarchischen Liedern die Gunst der Zuschauer und der Jury.

Von Kerstin Panhorst
Die drei Berliner (von links) Jonas, Jon und Natze alias »Frau Rotkohl« holten sich den Sieg bei 21. Bielefelder Kabarettpreis.
Die drei Berliner (von links) Jonas, Jon und Natze alias »Frau Rotkohl« holten sich den Sieg bei 21. Bielefelder Kabarettpreis.

Mit spätbarocken Gangster-Raps über das schwere Schicksal der Mittelstandskinder, mehrgleisigen Liebesliedern (»Benny mag Züge«) und Ritalin-Lobgesängen holte sich das Trio mit seinem herrlich brachialen Musikkabarett sowohl den Publikums- wie auch den mit insgesamt 2.500 Euro und einem Komplettauftritt im Bielefelder Zweischlingen dotierten Jurypreis und damit auch die begehrte Trophäe - den an die Wand genagelten Pudding.

Bereits am Freitag konnten sich in der Vorrunde die Finalisten Quichotte, Pascal Franke und das Trio »Frau Rotkohl« gegen ihre Mitstreiter Konstantin Korovin, Mattias Engling und Micha Marx durchsetzen. Im Finale am Samstag versuchten sie mit ihren Kurzprogrammen erneut zu überzeugen.

Leicht machten es die Finalisten den 200 Besuchern aber nicht bei ihrer Entscheidung. Als erster durfte der Kölner Quichotte auf die Bühne des Zweischlingen, wo seit 1998 der von der Kabarettgemeinschaft Bielefeld e.V. veranstaltete jährliche komische Streit um den Pudding ausgetragen wird. Mit Ausschnitten aus seinem Programm »Optimum fürs Volk« und einer Mischung aus Poesie, Gesang und Stand-up legte der bekennende Rehliebhaber (»Ich bin ein Bambist«) und frühere Pädagoge auf hohem Niveau vor und belegte am Ende den zweiten Platz. Die Frage »Was darf Satire?« ist für ihn längst überholt, inzwischen heißt es »Was darf Realität?« für Quichotte, der in Donald Trump »ein fünfjähriges kleines Mädchen im Körper einer sehr großen Orange« sieht. Zum Glück hat er die passende Handlungsanweisung für nervigen Nachwuchs parat: »Gib die Kinder ins Heim«.

Der am Schluss Drittplatzierte Pascal Franke schlug am Klavier danach liebliche Töne an, die er textlich mit schwarzem Humor paarte. Der Reimpoet aus Frankfurt besang seine Liebe zu »Schnecken« in Frauengestalt, Tierform und als Gebäck, dichtete für einen Geschichtsexkurs Brutus eine tödliche Samba-Leidenschaft und Cleopatra eine Hieroglyphen-Sammlung an und lieferte eines der unromantischsten Liebeslieder mit einer der schönsten Zeilen ab: »Sie trägt ihr Beinhaar nicht rasiert sondern gelockt, es wiegt sich sanft im Abendwind«.

Doch gegen das Dreigestirn am Kabaretthimmel mussten sich am Ende beide geschlagen geben, mit Gitarre und Ukulele holten sich »Frau Rotkohl« souverän den Sieg. Im Rahmenprogramm des Kabarettpreises zeigte zudem Jakob Heymann dass auch eine Niederlage bei diesem Wettstreit kein Karriereknick ist. Der im letzten Jahr bereits in der Vorrunde ausgeschiedene Musikkabarettist unterhielt während der Auszählung und Jury-Beratung das Publikum mit therapeutischem Pfeifen, depressiven Freundinnen und Naturidyllen, bei denen die Plastiktüten im Wind schweben während die Coladose im Bach lieblich davon treibt.

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