Bedarfsplan macht klar, dass die bisherigen Plätze nicht ausreichen Stadt plant fünf weitere Kitas und baut die Tagespflege aus

Bielefeld (WB). Sechs neue Kitas hat die Stadt für das Jahr 2018/2019 an den Start gebracht. Sie sind in Bau oder stehen kurz davor. Dieses Paket reicht allerdings bei weitem nicht aus, den Bedarf zu decken. Daher plant die Stadt den Bau von fünf weiteren Kindergärten bis 2019/2020.

Von Peter Bollig
Die Zahl der Kinder in Bielefeld steigt und mit ihr der Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen in Kindergärten und in der Tagespflege.
Die Zahl der Kinder in Bielefeld steigt und mit ihr der Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen in Kindergärten und in der Tagespflege. Foto: dpa

Es sind die steigenden Kinderzahlen und die zunehmende Nachfrage nach Plätzen für eine Betreuung der Kinder unter drei, selbst der ein bis zwei Jahre alten Kinder, die das Sozialdezernat der Stadt auf den Plan ruft. Für Dezernent Ingo Nürnberger ist die jährliche Vorlage der Kindergartenbedarfsplanung denn auch »eine der wichtigsten Planungen, die das Dezernat produziert«. Nürnberger: »Es geht um ein familienfreundliches Bielefeld, das wir sein wollen.«

Kurzfristige Überbelegung von Gruppen

Seit 2014 steigt die Zahl der Kinder in Bielefeld unter sechs Jahren kontinuierlich. Im aktuellen Kita-Jahr sind es 18.339. Vier Jahre zuvor waren es 1500 Jungen und Mädchen weniger, bereits im Kita-Jahr 2018/2019 werden es noch einmal 373 Kinder mehr sein. Die Zahl der Betreuungsplätze steigt im gleichen Zeitraum um 388. Den Rechtsanspruch auf einen Platz könne die Stadt nach wie vor erfüllen, sagt Ingo Nürnberger. Damit das so bleibt, baut die Stadt kurzfristig die Kapazitäten durch verschiedene Maßnahmen aus:

In den 198 Bielefelder Kitas (darunter 42 städtische) mit insgesamt 690 Gruppen werden rund 325 zusätzliche Plätze geschaffen, indem bestehende Gruppen vergrößert werden. Nürnberger spricht von einer »Überbelegung« im gesetzlichen Rahmen – und von einer Übergangslösung voraussichtlich bis 2019, wenn weitere Kitas gebaut sind. »Das geht, weil nicht alle Plätze in allen Gruppen jeden Tag belegt sind«, sagt der Dezernent. Aber 27 Kinder in einer Gruppe sollen die Ausnahme bleiben.

Suche in Dornberg ist schwierig

Zudem würden bestehende Kitas um insgesamt sieben Gruppen erweitert. Das sind in Mitte die Jakobus-Kita, in Baumheide die Einrichtungen an der Donauschwaben- und Seidenstickerstraße, in Schildesche die Matthäus-Kita (mit zwei zusätzlichen Gruppen) und das Spatzennest sowie in Stieghorst die Kita an der Stralsunder Straße.

Fünf neue Kitas sollen in Dornberg, Senne, Mitte (im Bereich Herforder Straße), Quelle und Sennestadt gebaut werden. Verhandlungen mit Grundstückseigentümern und Investoren kämen gut voran. Lediglich die Situation in Dornberg sei kritisch, weil es dort kaum geeignete städtische Flächen gebe und bezahlbare private schwer zu finden seien.

Einen Ausbau plant die Stadt auch im Bereich der Kindertagespflege. Die derzeit 850 Plätze sollen um 35 fürs Betreuungsjahr 2018/2019 ausgebaut werden.

Der Druck ist laut Sozialdezernat derzeit besonders hoch im Stadtbezirk Mitte, unter anderem durch neue Baugebiete und die noch nicht bezogenen neuen Kitas in den Außenbezirken. Sobald die fertig seien, soll sich in Mitte die Lage wieder verbessern.

Betreuung kostet 112,5 Millionen Euro

Dass die Kinderzahlen insgesamt steigen, liegt nach Einschätzung des Sozialdezernenten an gestiegenen Geburtenraten, einem Anstieg der Bevölkerung insgesamt und der Aufnahme von Flüchtlingen. Zugleich kämen mehr Kinder unter drei Jahren in die Betreuung, weil Eltern schneller wieder in den Beruf zurückkehren wollten.

Die Versorgungsquote der über Dreijährigen liegt bei 101,2 Prozent, die der unter Dreijährigen bei 42,7. Gerade diese rund 43 Prozent seien in Zukunft nicht mehr ausreichend, sagt Nürnberger. Die Kinderbetreuung, einer der größten Einzelposten im städtischen Haushalt, kostet 112,5 Millionen Euro. Davon trägt die Stadt 47,5 Millionen, der Elternanteil liegt bei weiteren 11,5 Millionen. Vor drei Jahren lagen die Kosten unter 100 Millionen Euro. Allein die sechs neuen Kitas, die nun gebaut werden – Eickumer Straße in Jöllenbeck, Schäferkamp in Quelle, Welfenstraße in Baumheide, Am alten Bauhof in Heepen, Greifswalder Straße in Stieghorst und Elbeallee in Sennestadt – erhöhen die Betriebskosten um 3,5 Millionen Euro.

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