Richard Wagners Oper »Das Rheingold« kommt im Stadttheater eigenständig-isoliert auf die Bühne Die Banalität des Bösen

Bielefeld(WB). Nach der preisgekrönten Inszenierung der Oper »Charlotte Salomon« im vergangenen Jahr im Stadttheater ist das selbe Regieteam rund um die junge Regisseurin Mizgin Bilmen mit der Inszenierung von Richard Wagners Oper »Das Rheingold« betraut worden. Ungeachtet von Traditionen, wirft die 1983 in Duisburg geborene Bilmen einen unverbrauchten Blick auf das Werk.

Von Uta Jostwerner
Die drei Rheintöchter werden von Hasti Molavian (von links), Nohad Becker und Nienke Otten verkörpert. Im Hintergrund lauert Alberich (Yoshiaki Kimura), der das Gold stiehlt.
Die drei Rheintöchter werden von Hasti Molavian (von links), Nohad Becker und Nienke Otten verkörpert. Im Hintergrund lauert Alberich (Yoshiaki Kimura), der das Gold stiehlt. Foto: Bettina Stöß

Dazu hebt sie es zunächst einmal aus dem Gesamtzusammenhang der Ring-Tetralogie heraus und betrachtet es isoliert. Des Weiteren nimmt sie eine Entmythologisierung vor. Götter, Riesen, Nibelungen, Rheintöchter – sie alle werden bei Bilmen zu Menschen. In Rheingold sieht sie ein »Wiegenlied über die Welt« sowie den »Ursprung und Urschmerz der Welt«.

Dystopie trifft auf Gegenwart

Übertragen auf die Gegenwart, bilden die Personen eine Gesellschaft ab, die sich bar mitmenschlicher Regungen dem Kapitalismus und der Gier verschrieben hat. »Eine zutiefst urmenschliche Eigenschaft«, sagt Bilmen, die in diesem Zusammenhang auch von »der Banalität des Bösen« (Hannah Arendt) spricht. Sie möchte mit ihrer Inszenierung dem Publikum einen Spiegel vorhalten, ein Bewusstsein schaffen für die Ausbeutung der Menschen und der Ressourcen durch den Menschen selbst. »Die Verantwortung«, sagt die deutsch-kurdische Regisseurin, »liegt bei uns. Wir könnten die Welt ändern, aber wir tun es nicht.«

Gemäß dieser Dystopie hat Cleo Niemeyer ein Bühnenbild erschaffen, das als Gegenteil einer lebenswerten Welt gesehen werden kann. Der karge Aufbau ist vom Architekturstil des Brutalismus inspiriert, die Kostüme (Alexander Djurkov Hotter) sind Popadaptionen mit kleinen versteckten Hinweisen auf die ursprünglichen mythologischen Figuren. Pate für einen extravaganten Kleidungsstil standen die Sängerinnen Nicki Minaj und Lady Gaga. »Wir stellen Wagners mythologische Welt einer verpoppten Welt entgegen«, sagt Bilmen.

Große Besetzungliste

Auf musikalischer Seite setzt Alexander Kalajdzic auf Klarheit statt auf schwülstige Übersättigung. »Rheingold ist ein Konversationsstück, man muss es erzählen«, sagt Bielefelds GMD, der einen auf orchestraler Seite für einen »knappen, erzählenden Stil« steht. Gespielt wird nach einer Fassung von Alfons Abbass, einer Bearbeitung, die speziell auf die räumlichen Begebenheiten von Stadttheatern und somit von kleineren Orchestergräben zugeschnitten ist. Gleichwohl, so Kalajdzic, sei die Besetzungsliste so groß wie nie.

Das trifft auch auf die Besetzung der Sängerdarsteller zu. Beteiligt ist das gesamte Musiktheater-Ensemble mit Frank Dolphin Wong (Wotan), Evueniy Alexiev/Olaf Haye (Donner), Lianghua Gong (Froh), Yoshiaki Kimura (Alberich), Lorin Wey (Mime), Moon Soo Park (Fasolt), Sebastian Pil­grim (Fafner), Melanie Kreuter (Freia), Sarah Kuffner (Fricka), Katja Starke (Erda), Nienke Otten (Woglinde), Hasti Molavian (Wellgunde) und Nohad Becker (Floßhilde). Als einziger Gast ist der österreichische Tenor Alexander Kaimbacher als Loge zu erleben, der in Bielefeld bereits in »Tod in Venedig« reüssierte.

Gemäß der Tradition wird die Oper in zweieinhalb Stunden ohne Pause durchgespielt. Restkarten für die Premiere am Samstag, 3. März, 19.30 Uhr, im Stadttheater sind an der Theater- und Konzertkasse, Altstädter Kirchstraße 14, erhältlich.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.