Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als »frechen Juden« bezeichnet Prozess wegen Volksverhetzung

Bielefeld (WB). Im mittlerweile dritten Anlauf soll sich am Donnerstag der Vorsitzende der neonazistischen Partei »Die Rechte« in OWL, Sascha Krolzig, wegen Volksverhetzung und Beleidigung vor dem Amtsgericht Bielefeld verantworten.

Von Bernd Bexte
Sascha Krolzig steht am Donmnerstag vor Gericht.
Sascha Krolzig steht am Donmnerstag vor Gericht. Foto: Thomas F. Starke

Der 30-Jährige hatte den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, den emeritierten Musikprofessor Matitjahu Kellig (68), im August 2016 auf der Website der Partei als »frechen Juden« bezeichnet. Kellig zeigte den mehrfach vorbestraften Krolzig an. Nach zweimaliger Terminverschiebung soll es nun am Donnerstag von 8.30 Uhr an zum Prozess kommen.

Kellig: »Dieses Gefühl, dass ich mich wehren muss, kannte ich bisher nicht.«

»Ich kannte Angst eigentlich nur als Lampenfieber, als Angst vor dem Podium«, sagt der Detmolder Pianist, der in der ganzen Welt konzertierte. »Dieses Gefühl, dass ich mich wehren muss, kannte ich bisher nicht.«

Sein Anwalt Thomas Walther – er vertrat vor zwei Jahren die meisten Nebenkläger im Detmolder Auschwitz-Prozess – wird Kellig heute begleiten. Denn der ist nur als Zeuge geladen. »Das Gericht hat es abgelehnt, ihn als Nebenkläger anzuerkennen«, kritisiert Walther. Entsprechende Anträge – sowohl von ihm als von der Staatsanwaltschaft – habe das Gericht abgelehnt, zuletzt am Montag.

»Frecher Jude« aus dem Nazi-Jagon

Der Begriff »frecher Jude« sei typischer Hetz-Jargon der Nazis, sagt Walther. »Dieser Begriff taucht in ›Mein Kampf‹ oder im ›Stürmer‹ auf. Das ist eine klassische antisemitische Formulierung.« Er habe angeregt, dass ein Sprachwissenschaftler der TU Berlin dazu ein Gutachten vorlege. »Das hat das Gericht aber nicht für nötig befunden.« Krolzig, der wegen seiner Vorstrafen und seiner verfassungsfeindlichen Gesinnung kein Volljurist werden durfte, sieht sich als »Dissident«, der für die Rede- und Meinungsfreiheit streitet.

Seine rechtsextreme Partei hat Gesinnungsgenossen aufgerufen, heute zum Prozess zu erscheinen. Auch ein Solidaritätsbündnis für Matitjahu Kellig appelliert, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold heute durch Anwesenheit im Gericht den Rücken zu stärken. Das Amtsgericht hat wegen der Brisanz deshalb besondere Einlasskontrollen angekündigt. Außerdem werden zwei Justizwachtmeister im Sitzungssaal sitzen, kündigte ein Gerichtssprecher gestern an.

Der Prozess hatte bereits im Sommer und dann im November stattfinden sollen. Zuletzt war er verschoben worden, weil Krolzigs Anwalt einen Autounfall hatte.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.