Vorfall im Familienbad Heepen: Bielefelder Familie klagt BBF an Bademeister sollen Ertrinkenden übersehen haben

Bielefeld (WB). Drei Schwimmmeister des Familienbades Heepen sollen ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt und den drohenden Ertrinkungstod eines Rentners nicht ernst genommen haben. Diesen schweren Vorwurf erhebt Teresa Skrzybski. Die 64-Jährige und Ihr Enkel Alexander (9) zogen den Kopf des Seniors aus dem Wasser und hielten ihn so lange fest, bis Hilfe kam.

Von Jens Heinze
Teresa Skrzybski (links) und ihr Enkel Alexander haben im Familienbad Heepen einem Rentner vermutlich vor dem drohenden Ertrinkungstod gerettet. Rechts Alexanders Mutter Edyta Dymowski.
Teresa Skrzybski (links) und ihr Enkel Alexander haben im Familienbad Heepen einem Rentner vermutlich vor dem drohenden Ertrinkungstod gerettet. Rechts Alexanders Mutter Edyta Dymowski. Foto: Thomas F. Starke

Wie die Ersthelferin und die Bielefelder Bädergesellschaft übereinstimmend bestätigten, ereignete sich der Vorfall am Samstag gegen 10.20 Uhr im großen Schwimmbecken. Die Darstellungen darüber, was bei Hochbetrieb im Familienbad Heepen tatsächlich passiert ist, gehen aber weit auseinander (siehe Artikel »Das sagt die Bädergesellschaft«).

Die Schildescherin Teresa Skrzybski begleitet ihren Enkel Alexander seit Jahren regelmäßig zum Schwimmtraining nach Heepen. Der Neunjährige ist Wettkampfschwimmer und Vereinsmeister des Schwimm-Teams Bielefeld. Was sich am vergangenen Samstag aber im Familienbad ereignete, das hat der 64-Jährigen eine schlaflose Nacht und ihrem Enkel viel Aufregung bereitet.

Während Alexander im großen Becken seine Bahnen zieht, schaut die Oma vom Rand aus zu. »Plötzlich hat mich mein Enkel darauf aufmerksam gemacht, dass am Beckenrand ein älterer Mann mit dem Gesicht nach unten im Wasser liegt und sich mit einer Hand noch an ein Seil klammert«, erinnert sich die 64-Jährige an die dramatischen Minuten. Oma und Enkel eilen sofort zu Hilfe. Der Neunjährige taucht ab, um den Körper des offenbar im Wasser kollabierten Opfers zu fassen und nach oben zu schieben. Dort steht Teresa Skrzybski: »Ich habe den Mann am Arm gepackt und hochgezogen. Er hat mich mit offenem Mund und verdrehten Augen angeschaut. Seine Nase und Finger waren bereits violett angelaufen. Im ersten Moment dachte ich, der Mann ist tot.«

Retter erhalten keine Auskunft

Langsam kommt der orientierungslose Rentner wieder zu sich. Teresa Skrzybski sieht sich nach professioneller Hilfe um und winkt aufgeregt drei BBF-Mitarbeitern zu. Was die Schildescherin dann erlebt, macht sie fassungslos: »Die Bademeister waren ins Gespräch vertieft und hatten keinen Blick für den Betrieb im vollen Schwimmbecken.« Vor lauter Aufregung habe sie keinen Ton heraus gebracht, berichtet die 64-Jährige. Als endlich die Schwimmmeister die Situation erkannt hätten, »sind zwei Mitarbeiter in aller Ruhe auf mich zugekommen.« Ein Schwimmmeister habe den beinahe Ertrunkenen schließlich aus dem Becken gezogen.

Was dann passiert, macht die Ersthelferin völlig fassungslos. »Ich habe drei Mal gesagt, dass Angehörige verständigt werden sollen und ein Krankenwagen kommen muss. Das haben die Schwimmmeister abgelehnt. Stattdessen bekam der Gerettete ein Glas Cola und konnte gehen«, erzählt Teresa Skrzybski. Als ihre Tochter Edyta Dymowski sich zwei Stunden später im Bad telefonisch nach dem Gesundheitszustand des Opfers erkundigt, erhält sie keine Auskunft. »Im barschen Ton wurde mir gesagt, dass mich das nichts angeht«, sagt Edyta Dymowski.

Das sagt die BBF

Yvonne Liebold, Sprecherin der Bielefelder Bädergesellschaft BBF, nimmt zu dem Vorfall im Familienbad Heepen wie folgt Stellung: »Am Samstagvormittag erlitt ein Mann im Schwimmbecken einen Schwächeanfall. Eine Besucherin informierte sofort den Bademeister. Dass der Badegast mit dem Gesicht unter Wasser gelegen hat, ist der BBF nicht bekannt. Der Herr befand sich am Beckenrand und war ansprechbar. Der Bademeister bot ihm seine Hilfe an, um das Becken zu verlassen. Diese nahm er dankend an. Nach einer Ruhepause und einem Glas Cola – das ist ein bewährtes Mittel, um den Körper mit Elektrolyten zu versorgen – ging es dem Badegast gleich besser und er lehnte eine ärztliche Betreuung ab. Auch sollte niemand informiert werden, der ihn abholt. Ein Bademeister hat ihn dann begleitet, bis er das Bad verlassen hat. Von zu Hause hat sich der Herr noch mal gemeldet und mitgeteilt, dass es ihm gut gehe. Die BBF bedankt sich bei den beiden Ersthelfern für ihren schnellen Einsatz.«

Kommentare

Badeunfall

Ich fasse es nicht , da sind Schwimmmeister zu dritt in einer Unterhaltung und bekommen trotz Aufforderung nichts mit , reden sich nachher raus , am ende wollen sie es nicht gewesen sein , was passieren muß Abmahnung oder sofortige Entlassung

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