Bielefelds größte Begräbnisstätte bleibt nach Sturm Friederike weiter gesperrt Aufräumen auf dem Sennefriedhof

Bielefeld (WB). Ein Monat nach Sturmtief Friederike bleibt der Sennefriedhof weiterhin gesperrt. Zwar finden Bestattungen auf Bielefelds größter Begräbnisstätte wie geplant statt, Grabbesuche sind noch mindestens eine Woche lang nicht möglich.

Von Peter Bollig
Uwe Gronert vom Umweltbetrieb arbeitet auf dem Sennefriedhof vom Hubsteiger aus in den Baumkronen. Durch den Rückschnitt verhindert er, dass angebrochene Äste später abstürzen und bringt die Statik der Bäume wieder in Ordnung.
Uwe Gronert vom Umweltbetrieb arbeitet auf dem Sennefriedhof vom Hubsteiger aus in den Baumkronen. Durch den Rückschnitt verhindert er, dass angebrochene Äste später abstürzen und bringt die Statik der Bäume wieder in Ordnung. Foto: Bernhard Pierel

Gut 10.000 Bäume geben dem Sennefriedhof, mit 104 Hektar Fläche einer der größten Friedhöfe Deutschlands, seinen Waldcharakter, spiegeln damit den Zeitgeist um das Gründungsjahr 1912 wider, als der Wald ein Sehnsuchtsort war – ganz im Sinne der Epoche der Romantik. Dieser Charakter wird immer dann zur Herausforderung, wenn das Wetter zuschlägt. So war der Friedhof Anfang 2011 wochenlang gesperrt, weil die Schneelast viele Kiefern beschädigt hatte und viele Äste abzubrechen drohten. Etwa 1000 Bäume mussten damals bearbeitet werden.

Diesmal hat der Sturm Spuren im Bewuchs hinterlassen. »450 Bäume sind umgestürzt oder mussten gefällt werden, 130 bis 150 weitere kommen noch hinzu«, sagt Friederike Hennen, Leiterin der Abteilung Friedhöfe im städtischen Umweltbetrieb (UWB). Außerdem wurden bereits 150 Kronenabbrüche bearbeitet, etwa 200 stünden noch aus.

Naturdenkmäler sind nicht betroffen

Auf den meisten anderen Bielefelder Friedhöfen reichten Teilabsperrungen, um Besucher zu schützen. Der Waldfriedhof in Sennestadt war zwar komplett gesperrt, ist aber inzwischen wieder freigegeben worden bis auf ein Stück, wo umstürzende Bäume einen Weg beschädigt haben. Alle Grabstätten sind Hennen zufolge dort aber erreichbar. Beim Sennefriedhof hat sich der UWB angesichts der massiven Baumschäden zur Vollsperrung entschlossen, auch damit die Mitarbeiter effektiver vorgehen können, ohne auf Besucher achten zu müssen.

Die Arbeiten seien ohnehin nicht ungefährlich, weil umgestürzte Bäume teilweise gegen andere lehnen und jederzeit der Absturz droht. »Wir haben alles zusammengetrommelt und arbeiten unter Hochdruck«, betont Friederike Hennen, teilweise auch samstags. Bis zu 25 Männer und Frauen arbeiten die Baumschäden ab – eigene Leute der Friedhofsverwaltung, aber auch Verstärkung der Grünunterhaltung des UWB und ein Subunternehmer. Vier Kolonnen arbeiten mit Hubsteigern im Kronenbereich, zwei Kolonnen fällen Bäume, die nicht mehr zu retten sind, zwei weitere räumen auf, was an Stämmen und Geäst am Boden liegt. Zudem sind zwei Baumkontrolleure unterwegs, die die Bäume begutachten und über die notwendigen Maßnahmen entscheiden.

Betroffen seien, sagt Friederike Hennen, vor allem Nadelbäume. Prägende Gewächse – auf einigen Friedhöfen in Bielefeld stehen auch Naturdenkmäler – seien durch den Sturm nicht zerstört worden. Der Charakter des Sennefriedhofs hat sich durch die notwendige Rodung und die umgestürzten Bäume indes an manchen Stellen verändert, etwa im Bereich der muslimischen Gräber. »Dort gibt es jetzt größere baumlose Flächen«, bedauert Friederike Hennen. Verlorene Laubbäume sollen allerdings durch Neuanpflanzungen ersetzt werden, bei Nadelbäumen werde geschaut, ob an ihrer Stelle andere, klimaverträglichere Sorten neu gesetzt würden.

Der enorme Aufwand bei der Beseitigung der Schäden kommt den Mitarbeitern des UWB alles andere als gelegen: »Eigentlich wären sie jetzt mit dem Pflanzenrückschnitt beschäftigt«, erzählt Hennen – eine Arbeit, die vor der Brutsaison der Vögel erledigt sein sollte. Beerdigungen, rund 800 sind es pro Jahr, finden unterdessen wie gewohnt statt. UWB-Mitarbeiter geleiten Trauergesellschaften auf sicheren Strecken über den Friedhof. Weil Januar und Februar die Monate mit den meisten Bestattungen sind, bedeutet dies einen zusätzlichen Zeitaufwand für die Mitarbeiter.

Einige Grabstätten beschädigt

Trotzdem ziehe man sich den Unmut mancher Menschen zu, die ein Grab besuchen möchten. »Wir können nur an die Geduld der Bevölkerung appellieren«, sagt die Friedhofschefin. In der kommenden Woche werde der Sennefriedhof für Besucher gesperrt bleiben, am Freitag wolle man entscheiden, ob er wieder geöffnet werden kann. Es blieben in jedem Fall Restarbeiten. Bis Ostern, wenn viele Angehörige die Gräber neu bepflanzen, »wollen wir fertig sein«, hofft Friederike Hennen.

Durch herabstürzende Bäume und Äste sind auch Gräber auf Bielefelds Friedhöfen beschädigt worden. »Das hält sich aber in Grenzen«, sagt Friederike Hennen. »Wir sammeln und dokumentieren die Fälle«, betroffene Angehörige würden angeschrieben und auf die Schäden hingewiesen. Deren Beseitigung sei Sache der Angehörigen. »Ein Sturm ist höhere Gewalt«, erklärt die Leiterin der Friedhofsabteilung. Nur wenn die Schäden Folge der Aufräumarbeiten seien, etwa Fahrspuren im Boden, bringe der UWB das wieder in Ordnung.

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