Zeitschrift »Finanztest« sieht Hinweise für groß angelegten Anlagebetrug Adresse Bielefeld, Bahnhofstraße

Bielefeld (WB). Zieht Ostwestfalen-Lippe Anlagebetrüger an? Die Bielefelder Unternehmen Firmenwelten AG, Wurstwelten und Halbstrom stehen im Zen­trum eines groß angelegten Geflechts. Die Zeitschrift »Finanztest« spricht von Abzocke.

Von Bernhard Hertlein
Hier in der Bielefelder Bahnhofstraße sollen die Unternehmen Firmenwelten AG, Wurstwelten und Halbstrom ihren Sitz haben oder zumindest gehabt haben.
Hier in der Bielefelder Bahnhofstraße sollen die Unternehmen Firmenwelten AG, Wurstwelten und Halbstrom ihren Sitz haben oder zumindest gehabt haben. Foto: Oliver Schwabe

Den Anlegern sei das Blaue vom Himmel versprochen worden, berichtet »Finanztest« in der aktuellen Ausgabe: sieben Prozent für 90 Tage auf eine Einlage von zum Beispiel 25.000 Euro, 15 Prozent für 180 Tage. Rainer von Holst und sein Team von Familienmitgliedern und »Anlageberatern« sollen zig Millionen eingetrieben haben. Die Zahl der Geschädigten soll in die Hunderte gehen, heißt es in dem Bericht.

Haftebefehl gegen Rainer von Holst

»Finanztest« zufolge liegt gegen Rainer von Holst (62) ein Haftbefehl vor. Allerdings sei er seit 2015 in den USA untergetaucht. Hierzulande vertraten ihn zuletzt unter anderem der Sohn Alexander von Holst sowie Anne von Holst und Antonia von Holst.

Die Firmenwelten AG, um die herum der Holst-Clan laut »Finanztest« ein Geflecht von etwa 200 Unternehmen aufgebaut haben soll, hatte bis zum Insolvenzantrag im April 2017 ihren Sitz in einem Geschäftshaus in der Bielefelder Bahnhofstraße – genauso wie die wenige Monate später ebenfalls in Insolvenz gegangene Wurstwelten GmbH. Das dritte Unternehmen aus der Firmengruppe, die Halbstrom GmbH, gibt die gleiche Adresse in Bielefeld an, ebenso die Unternehmensberatung ifs Institut für Steuern GmbH. Ein Klingelschild und einen Briefkasten aber sucht man in allen Fällen vergebens.

Wurstwelten: Unerlaubt betriebene Einlagengeschäfte

Im Fall von Wurstwelten kam die Ende September 2017 ergangene Anordnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), das unerlaubt betriebene Einlagengeschäft rückabzuwickeln, für die Anleger zu spät. Das seit Ende 2015 von Antonia von Holst geführte Unternehmen hatte als Zweck den Betrieb von Handelsfirmen im Lebensmittelbereich, insbesondere mit Wurst- und Fleischwaren, angegeben.

Die auch zur Unternehmensgruppe gehörende Firma Halbstrom behauptete, Geräte entwickelt zu haben und zu vertreiben, mit der Käufer ihre Stromrechnung halbieren könnten. Dafür sollen gezielt auch Anleger angeworben worden sein, die schon bei der Pleite der Firma EEV in Papenburg Geld verloren hatten und hofften, diesmal mit Gewinn abschließen zu können.

Rainer von Holst soll sich trotz einer erfolgreichen Unterlassungsklage des Bielefelder Anwaltvereins als Rechtsanwalt ausgegeben haben, berichtet »Finanztest«. Zum Firmenverbund soll laut mehreren Medienberichten auch das umstrittene Onlinemagazin »Gerlachreport« gehören.

Keine Erkenntnisse über Betrugsvorwürfe

Obwohl unter anderem die Firmenwelten AG ihren Sitz in Bielefeld hatte, lagen gestern bei der hiesigen Staatsanwaltschaft noch keine Erkenntnisse über Betrugsvorwürfe vor.

»Bislang haben Geschädigte wenig erreicht«, schreibt »Finanztest«. Ermitt­lungs­verfahren, die nach Angaben von »Finanztest« von mehreren Staatsanwaltschaften gegen Rainer von Holst eröffnet wurden, seien im Laufe der Jahre »wegen Abwesenheit des Beschuldigten« einge­stellt worden. Ermittelt werde von der Staatsanwaltschaft Augsburg und der Abteilung Cyberkriminalität der General­staats­anwalt­schaft Bamberg. Zum Stand der Ermitt­lungen aber wollte sich die Behörde gegenüber »Finanztest« nicht äußern.

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