Gesundheitsamt: »alle Altersgruppen betroffen« – Ärzte raten zu Impfungen Die Grippewelle erreicht Bielefeld

Bielefeld (WB). »Seit Montag zieht es an. Die Zahl der Grippekranken nimmt deutlich zu«, sagt Dr. Hans-Ulrich Weller, Sprecher der Initiative Bielefelder Hausärzte. Sich vorsorglich impfen zu lassen, lohnt sich dennoch: »Man baut noch einen gewissen Impfschutz auf.«

Von Sabine Schulze
Wenn die »echte« Grippe zuschlägt, fühlt man sich sehr schnell sehr krank. Außerdem steigt das Fieber rasch.
Wenn die »echte« Grippe zuschlägt, fühlt man sich sehr schnell sehr krank. Außerdem steigt das Fieber rasch. Foto: dpa

Auch die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Institutes meldet, dass seit der fünften Kalenderwoche akute Atemwegserkrankungen bundesweit auf dem Vormarsch sind. Im Nationalen Referenzzentrum Influenza wurden in 66 Prozent der Proben, die Patienten entnommen wurden, Viren identifiziert, in der absoluten Mehrzahl Grippeviren. Die Influenza-Aktivität in Nordrhein-Westfalen wird als »deutlich erhöht« bezeichnet, im Westen des Landes sogar als stark erhöht. Auch der »Praxisindex« steigt – die Messlatte für Erkältungs- und Grippekrankheiten. Der Wert von 115 steht für »normale« Aktivität, derzeit liegt der Wert bei 165.

»Im Vergleich zur V0rwoche sind jetzt alle Altersgruppen betroffen«, sagt Dr. Peter Schmid vom Bielefelder Gesundheitsamt. Die Krankheit kommt in Wellen, und derzeit gehe die Wellenbewegung nach oben. Ist im Labor ein Grippenachweis erfolgt, muss der gemeldet werden. »Aber die Dunkelziffer ist hoch: Nicht jeder geht zum Arzt, und nicht jeder Arzt macht einen Abstrich«, sagt Schmid.

Grippe fordert Todesopfer

Die Grippe hat auch bereits Todesopfer gefordert, gerade ältere Menschen haben im Krankheitsfall zu kämpfen. Die Impfempfehlung lautet daher auch, dass sich jeder jenseits der 60 zu »Saisonbeginn« impfen lassen sollte, zudem alle, die immungeschwächt oder chronisch krank sind. »Kinder stecken die Krankheit in der Regel gut weg. Aber sie sind Überträger«, sagt Schmid. Besonders nach Ende der Ferienzeit gingen Erkrankungszahlen – ob nun Grippe, Norovirus oder anderes – deshalb in die Höhe.

Tatsächlich, sagt Weller, haben ihm Kinderärzte vor zwei bis drei Wochen gesagt, dass sie in Grippefällen regelrecht ertrunken seien. »Nun zieht es bei den Erwachsenen an.« Frankreich habe vor gut drei Wochen platt gelegen, sagt Weller, und er habe gehört, dass es auch die Niederlande erwischt habe. »Mein subjektiver Eindruck: Wir bekommen mehr zu tun. Ich bin gespannt, wie es bei uns in zwei, drei Wochen aussieht.« Der Mediziner erwartet einen überdurchschnittlichen Verlauf.

Ärzte geben Tipps

Eine Influenza kommt, anders als grippale Infekte, nicht schleichend, sondern prompt und massiv daher: »Klassisch ist, wenn man in ganz kurzer Zeit ganz hohes Fieber hat und sich ganz krank fühlt. Typisch ist, dass die Patienten sagen, dass sie etwa gestern Nachmittag wie angeknipst 40 Grad Fieber hatten«, sagt Hausarzt Weller.

Sein Rat an alle Betroffenen: »Sie sollten wirklich zuhause bleiben, keine öffentlichen Veranstaltungen und auch keinen Supermarkt aufsuchen, sondern sich versorgen lassen.« Das tut dem eignen Körper gut und verhindert, dass die Krankheit weiter getragen wird. Ältere sollten zügig einen Arzt konsultieren, jüngere Patienten spätestens nach drei, vier Tagen. »Dann gilt es, eine Lungenentzündung auszuschließen.« Bei hohem Fieber ist ein Hausbesuch durch einen Arzt angeraten.

»Bielefelder Kinderärzte sind sehr vorsichtig mit der Gabe von Antibiotika«

Daneben gilt: Viel trinken, sich ruhig verhalten, »bei Fieber über 39 Grad die Temperatur etwas herunterholen. Dafür gibt es Mittel in der Apotheke«, rät Weller. Und auch gegen die Glieder- und Muskelschmerzen kann man ein leichtes Schmerzmittel nehmen. Essen ist nicht so wichtig. Sinnvoll und hilfreich aber sind alte Hausmittel wie Hühnersuppe und Ingwer. »Gesunde Menschen stecken die Grippe dann gut weg. Bei Vorschädigungen aber wird der Arzt ein Blutbild machen, um zu sehen, ob auch Bakterien da sind.« Dann, aber auch nur dann, kann ein Antibiotikum sinnvoll sein.

Bei der Grippe selbst aber hilft es nicht, denn sie wird durch Viren übertragen. Ein Antibiotikum zu geben, hätte also keinen Sinn, es würde nicht helfen »die Bielefelder Kinderärzte sind sehr vorsichtig mit der Gabe von Antibiotika, die Hausärzte und Gynäkologen ziehen nach«, stellt Weller zufrieden fest.

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