Angeklagte auf freiem Fuß – Verfahren ans Amtsgericht verwiesen – Staatsanwaltschaft kritisiert Entscheidung Tödliche Tritte: Beschwerde beim OLG

Bielefeld (WB/sb). Um ein Gewaltverbrechen mit tödlichem Ausgang im Bielefelder Drogenmilieu gibt es jetzt ein juristisches Gezerre. Ein schwerverletzter 37-Jähriger war im Mai 2017 auf einem Gehweg an der Gustav-Winkler-Straße in Hillegossen gefunden worden. Später starb der Mann. Angeklagt war eine 32-jährige Bekannte des Mannes wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die Frau ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Spurensuche: An der Gustav-Winkler-Straße wurde im Mai 2017 der Schwerverletzte gefunden, der später starb
Spurensuche: An der Gustav-Winkler-Straße wurde im Mai 2017 der Schwerverletzte gefunden, der später starb Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Weil das Landgericht keinen hinreichenden Tatverdacht sah, habe das Schwurgericht das Verfahren an das Amtsgericht verwiesen, berichtete Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg. Die Staatsanwaltschaft kritisierte die Entscheidung und legte Beschwerde gegen die »Nichteröffnung des Verfahrens beim Landgericht« ein. Darüber muss jetzt das Oberlandesgericht in Hamm entscheiden.

Ein Passant fand am 10. Mai den lebensgefährlich verletzten Mann auf dem Bürgersteig. Obwohl der 37-Jährige direkt nach dem Auffinden medizinische Hilfe erhielt, starb er einige Stunden später im Krankenhaus. Die Todesursache: innerliches Verbluten nach massiver, stumpfer Gewalteinwicklung gegen den Körper. Eine achtköpfige Mordkommission ermittelte. Die Angeklagte soll den Ermittlungen zufolge in ihrem Haus massiv auf den 37-Jährigen eingetreten haben und ihn später auf den Gehweg gelegt haben. Das Motiv ist aber unbekannt.

Angeklagte und ihr Ehemann schweigen

Man könne auch nicht ausschließen, dass der Ehemann der Angeklagten der Täter war, hieß es vom Landgericht. Denn bis heute steht nicht fest, ob der 44-Jährige auf das Opfer eingetreten hat oder zumindest geholfen hat, den 37-Jährigen auf den Gehweg zu zerren. Auch der Ehemann war direkt nach dem Vorfall an der Gustav-Winkler-Straße festgenommen, aber später freigelassen worden. Die Angeklagte und der Ehemann schweigen zu den Vorfällen. Nach Auffassung von Alexander Klemme, Anwalt der 32-Jährigen, kommen auch weitere Personen im Umfeld des Ehepaars als Täter in Frage.

»Es fehlen insgesamt die belastenden objektiven Beweise«, berichtet Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg. Zudem gebe es keine Augenzeugenberichte. Auch das Gutachten zu den Faserspuren im Haus der Angeklagten sei »unergiebig«. Das Schwurgericht prüfte auch den Tatvorwurf der Tötung durch Unterlassen sowie den Tatbestand der Aussetzung mit Todesfolge, aber verneinte beides schließlich.

Jetzt werde vor dem Amtsgericht nur noch wegen unterlassener Hilfeleistung verhandelt. Mit der Verweisung des Verfahrens an das Amtsgericht sei im November auch der Haftbefehl gegen die 32-Jährige aufgehoben worden, berichtet Eisenberg. Denn da die vor dem Amtsgericht »erwartete Strafe« relativ gering sei, bestehe kein Haftgrund mehr.

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