Sichergestellte Millionen als mögliche Entschädigung – Razzia in Sofia »One Coin«-Anleger hoffen

Bielefeld/Sofia (WB). Nach der gerichtlich verfügten Sicherstellung von drei Millionen Euro aus Verkäufen der dubiosen Kryptowährung »One Coin« hoffen Anleger, die sich um ihr Geld gebracht sehen, jetzt auf Entschädigung.

Von Bernd Bexte
Die bulgarische »One Coin«-Zentrale in Sofia.
Die bulgarische »One Coin«-Zentrale in Sofia.

Dabei geht es um zum Teil erhebliche Summen. Allein der Nürnberger Anwalt Wolfgang Wittmann vertritt 65 Mandanten. »Sie haben bis zu 250.000 Euro investiert.« Wie berichtet, ermittelt die Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen gegen ein Unternehmen aus dem münsterländischen Greven , das die virtuelle Währung »One Coin« verkauft hatte – von Dezember 2015 bis August 2016 für insgesamt 360 Millionen Euro. Dafür hatte das Unternehmen knapp drei Millionen Euro Provision eingestrichen.

Das Oberlandesgericht Hamm hatte die Sicherstellung dieser Summe jetzt für rechtens erklärt. Das Geld kann im Falle einer späteren strafrechtlichen Verurteilung eingezogen werden, um etwaige Gläubiger zu befriedigen. »Dies könnte eine Möglichkeit sein, dass meine Mandanten wieder an ihr Geld kommen«, sagt Wittmann. Dies sei aber »ein steiniger und langer Weg«.

29 Millionen Euro auf Konten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte 2017 Geschäfte mit »One Coin« in Deutschland untersagt. Die BaFin sperrte die Konten des Unternehmens aus Greven, auf denen sich noch 29 Millionen Euro befanden. Denn für den Handel mit Kryptowährungen – die bekannteste ist »Bitcoin« – brauchen Anbieter eine Erlaubnis nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG).

Über diese verfügte das Grevener Unternehmen nicht. Dabei spiele es keine Rolle, erklärte das OLG, dass die GmbH aus Greven zwischenzeitlich eine Zulassung beantragt habe. Eine solche Erlaubnis hat die BaFin dem Unternehmen übrigens bis heute nicht erteilt.

Hinter »One Coin« stehen Firmen aus Dubai, Belize und Bulgarien

Wohl aus gutem Grund: Nach einem Rechtshilfeersuchen der Bielefelder Staatsanwaltschaft hatten die bulgarischen Behörden in der dritten Januar-Woche die bulgarische »One Coin«-Zentrale in Sofia sowie Büros von Partnerunternehmen in Bulgarien durchsucht. Auch Europol soll an der Razzia beteiligt gewesen sein.

Hinter »One Coin« stehen Firmen aus Dubai, Belize und Bulgarien. Die Unternehmensführung ist nun empört: »Zurzeit erleiden das Unternehmen und seine Partner wegen der laufenden Untersuchungen unermessliche finanzielle Verluste«, teilt »One Coin« mit. Unter anderem seien »aus den Büros unserer Partner technische Ausrüstungen beschlagnahmt worden, deren Verlust nicht nur zu finanziellen Schäden, sondern auch zum Konkurs dieser Unternehmen führen kann«.

Während der Razzia der Büros im Januar hätten Mitarbeiter nach dem Grund für die Durchsuchungen gefragt. Eine Antwort hätten sie nicht bekommen. Der Anwalt des Grevener Unternehmens wollte sich auf Anfrage zu den aktuellen Entwicklungen nicht äußern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.