Tim Bennett zeigt im ZiF Säulen und Wandbilder Der Reiz des Zerstörten

Bielefeld (WB/sas). Die fünf farbigen Säulen scheinen übrig geblieben: übrig geblieben nach dem Abriss eines Hauses. Eine jede steht auf vielen verbogenen Riffel­stahl-»Beinchen«, Reste von Armierungen, die irgendwann einmal Stabilität gegeben haben. Tatsächlich aber sind diese Säulen eine fünfteilige Installation des Münchner Künstlers Tim Bennnett, eigens geschaffen für das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität.

Tim Bennett inmitten seiner fünfteiligen Installation »Trophies«.
Tim Bennett inmitten seiner fünfteiligen Installation »Trophies«. Foto: Thomas F. Starke

Dort wird an diesem Freitag, 18 Uhr, die Bennett-Ausstellung »Trophies« – Trophäen – eröffnet. »So wie ein Großwildjäger sich die Köpfe der von ihm erlegten, quasi zerstörten Tiere an die Wand hängt, will ich ebenfalls Zerstörtes ästhetisieren«, erläutert der gebürtige Brite. Allerdings ist das Zerstörte bei ihm Fake, vorgetäuscht.

Denn die Säulen sind in einem aufwendigen Prozess aus verschiedenen Materialien entstanden. Gips, Polymergips, Armierungen, Glasfaser und Fassaddenfarbe, die pudrig wirkt, hat er benutzt. Der obere Teil seiner Säulen ist hohl, der untere ist massiv. Denn dort hat Bennett Material abgeschlagen, um den Akt des Zerstörens vorzutäuschen.

Ergänzt wird seine Säulen-Installation durch drei Wandarbeiten aus dem Jahr 2016. Für sie hat er Tapete auf Gipskarton gezogen, den Karton auf den Boden gelegt, von hinten ein Loch hineingeschlagen und flüssigen Gips hindurchgegossen. »Wohin der geflossen ist, war dann reiner Zufall. Aber beim Auseinanderfließen hat dieser Gips Müll und Schuttreste auf dem Boden meines Ateliers eingeschlossen«, erläutert Bennett den Entstehungsprozess dieser wolkigen Arbeiten unter Glas.

Der Brite, 1973 in Rochdale geboren, lebt und arbeitet seit 15 Jahren in München. Dort hat der gelernte Koch auch Malerei und Bildhauerei studiert, bevor er den Master of Fine Arts in London absolvierte.

Die Ausstellung »Trophies« ist bis zum 27. April zu sehen. Das ZiF ist montags bis donnerstags von 9 bis 15.30 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

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