Mängel beim Betrieb des Teutoburger-Wald-Netzes – Verkehrsunternehmen muss zum Rapport Eurobahn wird morgen abgemahnt

Bielefeld (WB). Verspätungen, Zugausfälle: Der Start der Eurobahn im Teutoburger-Wald-Netz war im Dezember, wie berichtet, mehr als holprig. Dafür bekommt das Unternehmen des französischen Keolis-Konzerns am Mittwoch die Quittung: Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen wird die Eurobahn vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) mit Sitz in Unna abgemahnt.

Von Elmar Ries und Bernd Bexte
Die Eurobahn, hier ein Zug im Bielefelder Hauptbahnhof, steht erneut massiv in der Kritik.
Die Eurobahn, hier ein Zug im Bielefelder Hauptbahnhof, steht erneut massiv in der Kritik. Foto: Christian Köster

Das ist der erste Schritt auf einer mehrstufigen Eskalationsskala, an deren Ende der Entzug der Konzession stehen könnte. Beobachter gehen aber nicht davon aus, dass es der NWL, der für die Streckenvergabe zuständig ist, zu einer Vertragsauflösung kommen lässt. »Denn die Frage ist: Wer fährt dann?«, sagt Kurt Kalkreuter, Vorsitzender der Verbandsversammlung des VVOWL (Bielefeld), einer der fünf Verkehrsverbünde in Westfalen, die im NWL zusammengeschlossen sind.

Es gibt unterschiedliche Po­sitionen: Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen ist der Druck aus der Politik, hart gegen die Eurobahn durchzugreifen, wesentlich höher als von der NWL-Geschäftsführung. Der NWL betont, der verlässliche, reibungslose Bahnbetrieb habe Priorität.

Androhung von Sanktionen

Bereits vor einem Jahr stand die Eurobahn am Pranger und kurz davor, verwarnt zu werden. Damals reichte dem NWL die Androhung von Sanktionen. Der Eurobahn auch. Danach fuhren die Züge pünktlicher und mit deutlich weniger Ausfällen. Darüber hin­aus kündigte das Eisenbahnunternehmen ein eigenes Ausbildungsprogramm für Lokführer an und erklärte, man werde in neues Personal investieren.

Im Dezember übernahm das Unternehmen dann für 15 Jahre das Teutoburger-Wald-­Netz: fünf Linien (RB 61 Bielefeld-Bad Bentheim-Hengelo; RB 66 Münster-Osnabrück, RB 65 Münster-Rheine, RB 72 Herford- Altenbeken-Paderborn; RE 78 Bielefeld-Minden-Nienburg) und 5,3 Millionen Zugkilometer jährlich.

Probleme mit dem Holland-Zug

Das Fass zum Überlaufen brachte die Nachricht, dass der Grenzübertritt der RB 61 von Osnabrück ins niederländische Hengelo nicht problemlos funktioniert. Die Eurobahn stellte den Zugverkehr ein und setzt bis heute auf Busse. Außerdem gab es wegen Streckensperrungen nach dem Orkan »Friederike« auf der RB-72-Linie Paderborn-Herford erhebliche Probleme im Ersatzverkehr mit Bussen.

Der NWL hat deshalb eine Sondersitzung der Verbandsversammlung einberufen. In ihr sitzen Politiker aus der Region. Parallel wurden Juristen mit der Prüfung möglicher Sanktionen beauftragt. Eine denkbare Variante: Außer der Abmahnung, die angeblich schon unterschrieben vorliegt, ziehen die NWL-Vertreter die Karte einer sogenannten Auferlegung. Das ist ein juristisches Instrument der unmittelbaren Einflussnahme, quasi die Pistole auf der Brust, um Vorgaben zu erzwingen. Adressat wird morgen in Unna ein Vertreter der Eurobahn sein. Das Unternehmen hat bereits Versäumnisse eingeräumt: »Die Fahrzeugverfügbarkeit und Fahrgastinformation müssen besser werden.«

Kommentare

Gehört in staatliche Hand!

Der Bahnverkehr gehört in staatliche Hand, wo es eben nicht ausschliesslich um Gewinnmaximierung geht.

Überall wo der Staat es den Privaten überlässt, klappt es nicht. Siehe Bahn, Post, Müll, Straßenbau.

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