Greifvogel wird nach hundert Jahren zum museumsreifen Prachtstück im Namu Ein Geier macht was her

Bielefeld (WB). Er gehört zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt, hat aber einen denkbar schlechten Ruf. Im Naturkundemuseum Namu wird der Bartgeier jetzt von seiner besten Seite gezeigt: als Präparat.

Von Burgit Hörttrich
Tier-Präparator Carsten Grobek investierte 75 bis 80 Arbeitsstunden in die Restaurierung des Bartgeiers.
Tier-Präparator Carsten Grobek investierte 75 bis 80 Arbeitsstunden in die Restaurierung des Bartgeiers. Foto: Thomas F. Starke

Bislang fristete der buchstäblich ausgestopfte Bartgeier sein Dasein in der Biologie-Sammlung der Elly-Heuss-Knapp-Realschule in Gütersloh. Die Schule überließ das Tier, das wohl vor mehr als 100 Jahren gelebt hat, dem Namu. Der Zustand war jedoch alles andere als präsentabel: Der Bartgeier bestand in Teilen noch aus mumifiziertem Fleisch, aus rostigen Drähten und Holzwolle.

Das jedenfalls stellte Tierpräparator Carsten Grobek (Auetal, Schaumburger Land) fest, nachdem ihn das Namu beauftragt hatte, den Greifvogel möglichst lebensecht zu restaurieren. Dass das Museum diesen Auftrag überhaupt erteilen konnte, verdankt es der Sparkassen-Aktion »Bielefeld zeigt Herz«. Stephan Priemer, Leiter der Filialen der Sparkasse in der Innenstadt und in Gadderbaum, sagte, dass 2200 Euro zusammengekommen seien. Die Sparlotterie des Geldinstitutes habe im vergangenen Jahr 133.000 Euro an 179 Vereine und Projekte ausgeschüttet.

Noch viele Greifvögel-Präparate

Museums-Leiterin Dr. Isolde Wrazidlo sagt, das Museum arbeite bereits seit Jahren mit Präparator Carsten Grobek zusammen. Gerade bei den Greifvögeln gebe es noch viel Präparate, die dringend restauriert werden müssten – Habichte, Bussarde oder Schlangenadler zum Beispiel, aber auch Kolibris, die noch aus den Anfängen des Museums stammen. Aber: »Das, was nötig wäre, gibt unser Etat nicht her.« Umso mehr freue sie sich, jetzt den Bartgeier mit seinen 2,80 Metern Flügelspannweite zeigen zu können. Der Greifvogel sei wohl zwei Jahre alt geworden, bevor er gejagt, getötet und zum Anschauungsobjekt verarbeitet worden sei. Im Alpenraum galt der Bartgeier bereits über Jahrzehnte als ausgestorben, bis es gelang, ihn in den 1980er Jahren wieder anzusiedeln. Inzwischen leben 220 Bartgeier in den Alpen.

Carsten Grobek sagt, er habe zwischen 75 und 80 Stunden an dem Tier gearbeitet. Er habe den Geier in seine Einzelteile zerlegen und diese wiederum 48 Stunden in ätherischen Ölen einweichen müssen. Das Körperinnere habe er aus feinporigem PU-Schaum modelliert. Das Federkleid des Bartgeiers sei jedoch noch komplett erhalten gewesen. Um die genauen Körpermaße eines zweijährigen Bartgeiers zu erfahren, habe er Kollegen in der Schweiz, die mit dem Greifvogel Erfahrung haben, kontaktiert.

Kein Jäger

Und der miese Ruf des Bartgeiers? »Nichts dran,« winkt Isolde Wrazidlo ab. Der Vogel heiße in den Pyrenäen »Knochenbrecher«, in der Schweiz »Lämmergeier«, weil er angeblich Lämmer von der Weide hole und er werde in Sagen sogar beschuldigt, sich Kinder als Beute zu holen. Das alles sei begründet in der ungewöhnlichen Nahrungsvorliebe des Tieres: Er sei kein Jäger, sondern ernähre sich von Aas, genauer: von Knochen und dessen Mark.

Wo der Bartgeier seinen festen Platz im Namu finden wird, steht noch nicht genau fest. Wer jedoch, so Isolde Wrazidlo, dem Museum helfen will, seine Tierpräparate auszuarbeiten, könne eine Patenschaft übernehmen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.