WDR-3-Jazzfest im Theater Gütersloh: Publikum bekommt viel Abwechslung Brettharter Blues zur späten Stunde

Gütersloh (WB). Zum zweiten Mal in Folge und insgesamt schon zum dritten Mal gastiert das WDR-3-Jazzfest an diesem Wochenende im Theater Gütersloh. Zum Auftakt standen am Donnerstag das Cologne Contemporary Jazz Orchestra, das Alan Pasqua Trio und selbstverständlich die WDR-Big-Band auf dem Programm. Zum Abschluss rockte ab Mitternacht US-Gitarrist Jean-Paul Bourelly mit seinem neuen Trio und bretthartem Chicago-Blues die Studiobühne.

Von Collin Klostermeier
Jean-Paul Bourelly aus den USA hat am Donnerstag den Schlusspunkt der langen WDR-3-Jazz-Nacht gesetzt.
Jean-Paul Bourelly aus den USA hat am Donnerstag den Schlusspunkt der langen WDR-3-Jazz-Nacht gesetzt. Foto: Collin Klostermeier

Das erste Konzert des Festivals war dem musikalisch ebenso versierten wie vielfältigen Cologne Contemporary Jazz Orchestra (CCJO) unter der Leitung von Marko Lackner vorbehalten. Diese Big Band hatte mit dem Pianisten Jürgen Friedrich einen WDR-Jazzpreisträger aus dem vergangenen Jahr in seinen Reihen, der im Anschluss an das Konzert für eine Premiere sorgte. Er musste nämlich im Eiltempo nach Bielefeld in den Bunker Ulmenwall, wo im Rahmen des WDR-3-Jazzfests in diesem Jahr ebenfalls Konzerte stattfinden und im Radio gesendet werden. Nach seinem Auftritt mit dem CCJO präsentierte Jürgen Friedrich dort sein Quartett-Projekt Nautilus.

Zuvor stand im Gütersloher Theater allerdings der Auftritt des Alan Pasqua Trios auf dem Programm. In diesem klassischen Jazztrio fanden mit Pianist Alan Pasqua und Schlagzeuger Peter Erskine zwei alte Freunde zuein­ander. »Peter und ich haben uns schon im College das Zimmer geteilt«, erklärte der Pianist dem Publikum. »Und jetzt spielen wir seit mehr als 40 Jahren immer wieder zusammen.«

Alan Pasqua sorgt für den Höhepunkt

Und das kann man hören. Die beiden Freunde offenbarten auf der Bühne ein geradezu blindes Verständnis füreinander, in das sich auch der dritte im Bunde, Bassist John Goldsby, mühelos einfügen konnte. Das Ergebnis war ergreifend: Feiner, kammermusikalischer Jazz, angenehm reduziert und ohne Kraftmeierei – dafür aber mit wunderschönen Melodien. Kein Zweifel: Dies war der musikalische Höhepunkt des gesamten Abends.

Nach dem Konzert schaltete WDR 3 live in den Bunker Ulmenwall zu Jürgen Friedrich, während sich das Alan Pasqua Trio auf seinen zweiten Auftritt vorbereitete. Denn im dritten Konzert des Abends standen die drei Musiker zusammen mit der WDR-Big-Band unter der Leitung von Vince Mendoza auf der Bühne. Was sich zunächst spannend anhört, konnte jedoch in der Praxis nicht überzeugen: Lediglich der nun robuster aufspielende Peter Erskine konnte sich gegen die klanggewaltigen Bläser der Big Band behaupten, während das feine Klavierspiel von Alan Pasqua kaum noch zur Geltung kam.

Sei’s drum. Zum Abschluss der langen Jazznacht wartete ja noch Gitarrist Jean-Paul Bourelly mit seinem neuen Trio »Kiss The Sky«. Die drei Amerikaner brachten mit ihrem elektrisch aufgeladenen Blues die Studiobühne zu später Stunde mühelos zum Kochen.

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