Gestamp reagiert auf angebliche Beleidigungen Mutmaßlicher Salafist erhält Kündigung

Bielefeld (WB). Automobilzulieferer Gestamp Umformtechnik, einer der größten Industriebetriebe in Bielefeld mit 1500 Beschäftigten, hat einen Mitarbeiter wegen angeblicher antisemitischer Äußerungen fristlos entlassen. Dieter Kühnel, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes der Metallindustrie Bielefeld, bestätigte den Vorgang auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage.

Das Unternehmen Gestamp hat einen mutmaßlich salafistischen Mitarbeiter entlassen.
Das Unternehmen Gestamp hat einen mutmaßlich salafistischen Mitarbeiter entlassen.

Der muslimische Mitarbeiter türkischer Herkunft soll auf Facebook Juden als »Müll« bezeichnet haben, der verbrannt werde. Das Unternehmen Gestamp frage eigentlich nicht nach den religiösen Hintergründen ihrer Mitarbeiter und danach, was sie in ihrer Freizeit machten. »Aber diese Äußerungen wollte es nicht dulden«, sagt Kühnel. Denn der entlassene Mitarbeiter gelte als islamistisch, sei in der Salafistenszene kein Unbekannter. Dem Vernehmen nach soll er unter anderem in Herford Korane verteilt und für den Verein Ansaar International gesammelt haben, der angeblich bedürftigen Menschen in Syrien hilft, der aber unter Verdacht steht, radikal-islamische Kräfte zu unterstützen.

Dieter Kühnel spricht von einer »Beunruhigung« innerhalb der Gestamp-Belegschaft, zu der die Äußerungen des Mitarbeiters geführt haben sollen. Eltern, deren Kinder dort eine Ausbildung absolvieren, hätten sich besorgt geäußert, dass die Azubis durch den Mitarbeiter islamistisch beeinflusst werden könnten. Rund 100 Auszubildende sind bei Gestamp in Brackwede beschäftigt, etwa die Hälfte hat ausländische Wurzeln, stammt aus rund 15 verschiedenen Ländern. Weil junge Leute mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln nebeneinander an der Werkbank stehen und dieser Mix gelebte Normalität ist, war die Gestamp-Ausbildungswerkstatt 2013 mit dem Bielefelder Integrationspreis ausgezeichnet worden.

Der Betriebsrat hat der Kündigung widersprochen.

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