SGSB-Gruppe will sich den Bielefelder Nähmaschinenhersteller Dürkopp Adler ganz einverleiben Chinesen stopften Löcher in der Bilanz

Bielefeld (WB/in). Industrienähmaschinen aus Deutschland haben international noch immer einen hervorragenden Ruf. Jetzt soll der Marktführer, die Bielefelder Dürkopp Adler AG, ganz in chinesischen Besitz übergehen. Schon seit 2005 hält die Schanghaier SGSB-Gruppe die Mehrheit der Aktien. Aktuell sind es 94,01 Prozent. Nun sollen es 100 Prozent werden. Am 22. September 2017 hat die SGSB angekündigt, ein »Squeeze out« zu beantragen.

Dürkopp Adler steht neben der Schwesterfirma Pfaff für Industrienähmaschinen made in Germany.
Dürkopp Adler steht neben der Schwesterfirma Pfaff für Industrienähmaschinen made in Germany. Foto: dpa

Damit würde Dürkopp Adler vollständig auf den Hauptaktionär verschmolzen. Die Minderheitsaktionäre werden gegen eine Barabfindung zwangsweise ausgeschlossen. Augenblicklich ist das Unternehmen dabei, zu ermitteln, welche Höhe für eine Abfindung angemessen ist. Danach muss das »Squeeze out« auf einer Hauptversammlung beschlossen werden. In anderen Fällen gab es Klagen von Minderheitsaktionären, die aber in der Regel nicht dazu führten, dass die Übernahme verhindert wurde. Offen ist im Fall von Dürkopp Adler der Zeitplan.

Im Jahr 2005, als die Shang Gong Europe Holding als Tochter der SGSB-Gruppe die Aktienmehrheit am Bielefelder Indus­trienähmaschinen-Hersteller von der FAG Kugelfischer AG übernommen hat, steckte das Unternehmen gerade in einer Krise. Das Konzernjahresergebnis war im Jahr davor mit 4,2 Millionen Euro tiefrot. Der Umsatz inklusive des später abgegebenen Bereichs Fördertechnik war von 173,5 Millionen Euro 2001 auf 133,3 Millionen 2004 zurückgegangen. Während das Ergebnis 2005 wieder leicht positiv ausfiel, sank der Umsatz noch auf 126,6 Millionen Euro.

Wer erwartet hatte, dass der chinesische Mehrheitsaktionär nur Know-how abziehen wolle, wurde eines Besseren belehrt. Ohne die Fördertechnik (2005: 26,9 Millionen Euro) erzielte Dürkopp Adler im vergangenen Jahr einen Umsatz von 148,8 Millionen und selbst nach Steuern ein positives Ergebnis von 21,7 Millionen Euro. Dürkopp Adler beschäftigt heute 1344 Mitarbeiter. 2005 waren es, wieder inklusive Fördertechnik, 1772 Mitarbeiter.

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