Messwerte zeigen Stickoxid-Reduzierung – weitere Maßnahmen nötig Dicke Luft wird etwas besser

Berlin/Bielefeld/Paderborn(dpa/WB/OH). Die Schadstoffe vor allem aus älteren Diesel-Autos sollen schnell reduziert werden, um Fahrverbote zu vermeiden. Eine Auswertung des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt, dass sich die Luftbelastung 2017 leicht verringert hat. In rund 70 Städten – darunter Bielefeld und Paderborn – sei das aber nicht ausreichend.

An einer Hauptverkehrsader wird mit verschiedenen Messeinrichtungen die Stickstoffdioxidbelastung der Luft gemessen. In vielen der 91 beobachteten Städte haben sich die Werte reduziert – sie lagen trotzdem aber häufig noch über dem Grenzwert.
An einer Hauptverkehrsader wird mit verschiedenen Messeinrichtungen die Stickstoffdioxidbelastung der Luft gemessen. In vielen der 91 beobachteten Städte haben sich die Werte reduziert – sie lagen trotzdem aber häufig noch über dem Grenzwert. Foto: dpa

Das UBA veröffentlichte gestern einen ersten Vergleich zur Luftbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2) in 91 vor allem größeren Städten für die Jahre 2017 und 2016. Für 47 Orte liegen konkrete Daten aus Messcontainern vor. Demnach lagen die Werte in 37 Städten definitiv über dem von der EU zum Gesundheitsschutz vorgegebenen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Die höchste Belastung gab es trotz Verbesserungen in München (78 Mikrogramm), Stuttgart (73) und Köln (62). Auf der anderen Seite wurde der Grenzwert nun in zehn Städten eingehalten, die 2016 noch über dem Grenzwert lagen.

Im Durchschnitt reduzierte sich in diesen 47 Städten der ermittelte Stick­oxidwert gegenüber dem Vorjahr um 3,38 Mikrogramm. Damit setzte sich der Trend vergangener Jahre fort. Die Rückgänge werden – allen Diskussionen zum Trotz – vor allem auf eine verbesserte Effizienz neuerer Verbrennungsmotoren und Abgassysteme zurückgeführt.

In 44 weiteren Städten werden die Werte mit Passivsammlern ermittelt, die im Labor ausgewertet werden müssen. Für diese Messpunkte liegen daher noch keine Ergebnisse vor. Das UBA erwartet, dass in 29 Städten der Grenzwert auch 2017 überschritten wurde, darunter in Bielefeld und Paderborn. Am Bielefelder Jahnplatz waren 2016 noch 49 Mikrogramm des giftigen Reizgases gemessen worden. In Paderborn waren zuletzt an der Bahnhofstraße 50 Mikrogramm gemessen worden, in der Friedrichstraße 48 und in der Residenzstraße in Schloß Neuhaus 42 Mikrogramm.

Aktuelle Daten liegen derweil vor für die Messpunkte an der Detmolder Straße in Bielefeld, wo der NO2-Jahresmittelwert von 33 auf 32 Mikrogramm sank sowie für Bielefeld-Ost, wo sich die Belastung von 26 auf 22 Mikrogramm verringerte.

In Halle indes, wo 2016 ein Mittelwert von 41 Mikrogramm ermittelt worden war, wird – wie in bundesweit 14 weiteren Städten – nun mit einem Unterschreiten des Grenzwertes gerechnet.

Mehr Pkw der modernsten Abgasnorm auf den Markt bringen

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger spricht von einer Entwicklung in die richtige Richtung. »Wir sind aber noch längst nicht am Ziel.« Es zeigten sich erste Wirkungen kommunaler Maßnahmen, die durch die Diesel-Debatte angestoßen wurden – etwa Tempolimits oder Straßen-Verengungen. Von Bund und Autoindustrie vereinbarte Maßnahmen wie neue Abgas-Software für ältere Diesel und Prämien für den Kauf sauberer Neuwagen reichten nicht. Gebraucht würden auch Umbauten am Abgassystem. »Nur so können wir die Gesundheitsbelastungen schnell und vor allem dauerhaft senken«, betont Krautzberger. Auch der Deutsche Städtetag fordert zusätzliche Anstrengungen. Wenn die Software-Updates nicht reichen, »muss es eine Hardware-Nachrüstung geben«, sagt Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy.

Aus Sicht des Autofahrerclubs ADAC zeigt sich indes, dass Grenzwerte ohne Fahrverbote für Diesel erreicht werden könnten. Um die positive Entwicklung zu stützen, müssten die Hersteller aber mehr neue Pkw der modernsten Abgasnorm Euro 6d auf den Markt bringen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte die bundesweite Einführung einer Blauen Plakette, um pauschale Fahrverbote und einen Flickenteppich kommunal unterschiedlicher Regelungen zu vermeiden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.