Der erste Bewohner spricht von einem »Glücksfall« Stadtwerke-WG als Anreiz für Azubis in spe

Bielefeld (WB). Um Nachwuchs zu gewinnen, bieten die Stadtwerke künftig Auszubildenden ein besonderes »Bonbon«. Wer »Fachkraft im Fahrbetrieb« werden möchten, hat die Möglichkeit, ein Zimmer in einer frisch renovierten Azubi-WG zu beziehen.

Von Burgit Hörttrich
Für Dr. Arash Rezaeian (rechts) ist die Möglichkeit, in der WG zu wohnen, ein Glücksfall. Wolfgang Gerlich, Leiter der Ausbildung bei den Stadtwerken, hofft darauf, durch das »Schmankerl« Azubi-WG ausreichend Nachwuchs für den Fahrdienst zu finden.
Für Dr. Arash Rezaeian (rechts) ist die Möglichkeit, in der WG zu wohnen, ein Glücksfall. Wolfgang Gerlich, Leiter der Ausbildung bei den Stadtwerken, hofft darauf, durch das »Schmankerl« Azubi-WG ausreichend Nachwuchs für den Fahrdienst zu finden.

Die Vier-Zimmer-Wohnung liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtwerke-Gelände an der Schildescher Straße. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. September können dort drei Lehrlinge einziehen. Gedacht sind die WG-Zimmer für junge Nachwuchskräfte, die nicht aus Bielefeld, nicht aus der Region, sondern aus anderen Gegenden Deutschland kommen und zum ersten Mal weg sind von daheim.

Ausbildungsleiter Wolfgang Gerlich sagt, dass sich schon in der Vergangenheit immer wieder junge Menschen bei den Stadtwerken beworben hätten, deren Heimatort jedoch weit weg von Ostwestfalen-Lippe liege: »Leider hat dann am Ende bei einigen doch der Mumm gefehlt, zu Hause auszuziehen. Sie haben den Ausbildungsplatz dann oft in letzter Sekunde abgesagt.«

Bewerbungen »aus dem tiefsten Bayern«

Es habe schon Bewerbungen »aus dem tiefsten Bayern« gegeben und, so Gerlich, »das ist für 17-, 18-Jährige natürlich nicht einfach, so weit weg von zu Hause auf eigenen Füßen stehen zu müssen.« Deshalb sei man auf die Idee gekommen, eine Stadtwerke-Azubi-WG zu gründen.

Bis die angehenden Fachkräfte im Fahrdienst einziehen, wohnt ein neuer Mitarbeiter in der künftigen WG-Wohnung, der ebenfalls neu nach Bielefeld von Berlin umgezogen ist. Dr. Arash Rezaeian ist seit Jahresbeginn im Bereich Portfoliomanagement des Versorgungsunternehmens tätig. Der 36-Jährige hat im Umwelt- und Energiemanagement promoviert und stammt aus dem Iran. Er lebt seit 2011 in Deutschland, hatte zuerst ein Stipendium der EU, um seine Doktorarbeit schreiben zu können, inzwischen ein Arbeitsvisum.

Arash Rezaeian sagt, die WG-Wohnung sei für ihn ein Glücksfall. Er erzählt: »Ich hatte mein Vorstellungsgespräch am 15. Dezember und bin gefragt worden, ob ich schon am 1. Januar anfangen könnte. Als ich Bedenken hatte, so kurzfristig eine Wohnung zu finden, haben mir die Stadtwerke die WG angeboten.« In Bielefeld beworben habe er sich, weil »die Stelle sehr attraktiv sei: »Ich arbeite nicht nur mit Zahlen, sondern habe viel Kontakt zu anderen Menschen.«

Auch die Lage ist wichtig

Das sei ihm wichtig – auch nach Feierabend. Deshalb sagt Rezaeian. »Ich würde mich schon jetzt über Mitbewohner freuen.« In Bielefeld habe er sich schon ein bisschen eingelebt. Er habe das Historische Museum besucht und viel erfahren über die »beeindruckende Industriegeschichte«: »Ich bin überrascht, vor allem aber begeistert.«

Die Wohnung an der Schildescher Straße wurde von Industriemechaniker-Azubis der Stadtwerke fertiggestellt. Ausbildungsleiter Wolfgang Gerlich hofft, insgesamt zehn Azubi-Stellen im Bereich »Fachkräfte im Fahrbetrieb« besetzen zu können: »Es ist inzwischen nicht leicht, Nachwuchs zu finden.« Das gelte zum Beispiel auch für den Beruf des Elektronikers.

Die Möglichkeit, die WG-Wohnung beziehen zu können, sei jetzt ein weiteres Argument für eine Ausbildung bei den Stadtwerken, hofft Gerlich. Auch die Lage sei wichtig: »Direkter Stadtbahnanschluss.« Die Azubis sollen ein Jahr lang in der WG wohnen, als Extra böte ihr Arbeitgeber einen Mietpreis, der der Ausbildungsvergütung angepasst sei.

Die Stadtwerke bilden zur Zeit rund 170 Azubis aus.

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