Pita Taufatofua wird in Bielefeld für Olympia vermessen Von Tongas Sandstrand in den Schnee Koreas

Bielefeld (WB). »Ich möchte etwas tun, was eigentlich unmöglich ist«, sagt Pita Taufatofua. Der 34-Jährige aus dem Inselkönigreich Tonga nimmt als Skifahrer an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teil. Ausgerüstet wird er von der Bielefelder Firma Fast52 Gmbh.

Von Dietmar Kemper
Bekleidungstechniker Thomas Wende und Modedesignerin Kathrin Hillmann vermessen Tongas Modellathleten Pita Taufatofua. Dessen sportliche Chancen sind in Korea gering, aber das ist für den jungen Mann zweitrangig.
Bekleidungstechniker Thomas Wende und Modedesignerin Kathrin Hillmann vermessen Tongas Modellathleten Pita Taufatofua. Dessen sportliche Chancen sind in Korea gering, aber das ist für den jungen Mann zweitrangig. Foto: Thomas F. Starke

Rugby ist die beliebteste Sportart auf Tonga, einer Ansammlung von Inseln im Südpazifik mit 103.000 Bewohnern. Auf die Idee, Ski zu fahren, kommen die allerwenigsten, zumal es dort Schnee nur in Naturfilmen im Fernsehen gibt.

Schon als Taekwondo-Kämpfer bei den Sommerspielen dabei

»In bin 34 Jahre alt, aber erst vor zwei Jahren habe ich Schnee kennengelernt«, erzählt Pita Taufatofua am Freitag, nachdem er nach Bielefeld gekommen war, um sich für die Sportbekleidung vermessen zu lassen.

Weil er Natur und Herausforderungen liebt, stürzte er sich als einer von mittlerweile fünf Athleten des Skisportverbandes von Tonga in den Schnee. Mit Erfolg: Bereits im vergangenen Jahr machte er bei der Nordischen Ski-WM im finnischen Lahti mit, im Februar folgt der bisherige Höhepunkt: die Teilnahme am 15-Kilometer-Langlauf bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang vom 9. bis 25. Februar.

Die Olympischen Sommerspiele hat er bereits erlebt – als Taekwondo-Kämpfer 2016 im brasilianischen Rio. Damals trug Taufatofua bei der Eröffnungsfeier stolz die Fahne seines Königreiches.

Im Sommer auf Rollski in Australien, im Winter im Schwarzwald-Schnee

Vom Kampfsport in der warmen Halle zum Ausdauerwettbewerb im kalten Schnee ist es nicht gerade ein logischer Weg. »Sport bedeutet für mich, neue Herausforderungen zu finden«, sagt Taufatofua dem WESTFALEN-BLATT.

Für Korea trainierte er im Sommer in Australien auf Rollski, von November an im Schwarzwald in echtem Schnee. 15 Kilo nahm der durchtrainierte, 1,89 Meter große Athlet in den letzten Monaten ab.

Als er nach seinem sportlichen Ziel in Südkorea gefragt wird, schmunzelt er: »Wenn ich eine Goldmedaille bekäme, wäre ich sehr glücklich – aber das wäre ich auch schon, wenn ich überhaupt noch am selben Tag im Ziel ankommen würde.« Auf jeden Fall wolle er alles geben, beteuert der 34-Jährige, der mit seinem Sport »verheiratet ist«.

»Wir wollen Skisport auf Tonga populärer machen«, sagt der Geschäftsführer des dortigen Skiverbandes, Steve Grundmann. Er und die Generalsekretärin suchten jemanden mit Vorbildcharakter und fanden Pita Taufatofua: »Er ist eine super Persönlichkeit, und man kennt ihn auf Tonga.«

Pita Taufatofua bei der Nordischen Ski-WM im finnischen Lahti. Foto: dpa

Erinnerung an »Eddie the Eagle«

Dass der Inselstaat überhaupt einen Skiverband hat, hängt mit dem Königshaus zusammen. Der vorletzte Monarch war begeisterter Skifahrer und träumte von einem Nationalteam. Zu den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi hatte Tonga einen Rennrodler geschickt.

Jetzt also wird Taufatofua in Korea als Exot in die Langlaufloipe gehen. Ein Exot, wie es früher der englische Skispringer Michael Edwards (»Eddie the Eagle«), war, der 1988 im kanadischen Calgary mit dicken Brillengläsern von der Schanze abhob – wenn auch nicht besonders weit.

Auch die Bobmannschaft aus Jamaika sorgte damals für belustigte und bewundernde Blicke. Der Kinofilm »Cool Runnings« erzählt ihre Geschichte.

Firma Fast52 GmbH stattet Skiverband aus

Ausstatter des Skiverbandes von Tonga ist die auf Sport- und Funktionsbekleidung spezialisierte Firma Fast52 GmbH in Bielefeld (30 Mitarbeiter). Taufatofua erhalte Kleidung für das Training, den Wettbewerb und die Freizeit, sagt Geschäftsführer Ralf Kelber.

Es handele sich um nachhaltig produzierte Textilien aus Polyester und Polyestermischmaterial, schnell trocknend, isolierend, mit Windschutzmembran.

Weil das Interesse an dem ungewöhnlichen Sportler groß sei, hofft Kelber, dass das Logo seiner Firma bei den Berichten während der Winterspiele oft zu sehen sein wird. Und nicht nur Kelber wünscht Pita Taufatofua dann »Ski heil!«.

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