G9 beschert ein Jahr ohne Abschluss – Eltern müssen jetzt anmelden 2026 fallen die meisten Abi-Partys aus

Bielefeld (WB). In vier Wochen beginnen die Anmeldungen für Bielefelds Gymnasien. Die Eltern werden dann noch immer nicht wissen, ob ihre Kinder in der ausgewählten Schule nach acht oder neun Jahren Abitur machen werden.

Von Michael Schläger
Der Wechsel von 8 zu G 9 an Bielefelds städtischen Gymnasien gilt als wahrscheinlich.
Der Wechsel von 8 zu G 9 an Bielefelds städtischen Gymnasien gilt als wahrscheinlich. Foto: dpa

»Machen Sie Ihre Entscheidung nicht davon abhängig«, rät Jörg Neumann, Chef des Heeper Gymnasiums und Sprecher der Bielefelder Gymnasialdirektoren. Wichtiger sei das Profil der einzelnen Schule, die Wohnortnähe oder die angebotene Fächervielfalt, meint der Pädagoge. Eltern hätten meist eine sehr klare Vorstellung davon, welche Schule sie sich für ihr Kind wünschten. Und davon sollten sie auch in der aktuell unsicheren Gemengelage nicht abweichen.

Die Wahrscheinlichkeit jedoch ist groß, dass mindestens die sieben städtischen Gymnasien am Ende wieder G 9, also den Abschluss nach neun Jahren, anbieten werden. Der soll nach dem Willen der Landesregierung zur Regel werden. Entsprechend hoch sind die Hürden für einen Verbleib bei G 8 gelegt. Nur wenn sich eine Schulkonferenz mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit plus einer Stimme dafür ausspricht, kann ein Gymnasium an G 8 festhalten. In den Schulkonferenzen sind Lehrer, Eltern und Schüler zu gleichen Teilen vertreten. Keine Gruppe kann also überstimmt werden.

Kirchliche und freie Träger entscheiden selbst

Für Marienschule, Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen, Georg-Müller-Schule und Hans-Ehernberg-Gymnasium gelten besondere Regelungen. Sie sind Schulen in kirchlicher oder freier Trägerschaft. Dort entscheiden nicht die Schulkonferenzen, sondern die Träger, in welcher Zeit sie die Kinder zum Abitur führen wollen.

Noch ist völlig offen, was auf die Stadt zukommt, wenn die die Schulzeitverlängerung am Gymnasium greift. »Kosten können wir noch nicht beziffern«, sagt Dr. Udo Witthaus, Schuldezernent im Rathaus. Klar ist, dass es mehr Raumbedarf geben wird. Jörg Neumann hat die Zusage, dass er die inzwischen leer stehende Hauptschule Heepen nutzen darf. Doch am Heeper Gymnasium herrscht schon jetzt Platzmangel. Vor allem an den Innenstadtgymnasien gibt es auch kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten. Deren Grundstücksflächen sind ausgereizt.

Personalprobleme absehbar

Dann ist da das Personalproblem, das letztlich vom Land gelöst werden muss. Neumann hat ausgerechnet, dass allein an seiner Schule vom Schuljahr 2026/27 zwölf Lehrer zusätzlich benötigt würden, um ein angemessenes Unterrichtsangebot machen zu können. Darin ist der Ersatz für pensionierte Kollegen nicht einmal eingerechnet. »Diese Lehrer müssten alle jetzt schon ihr Studium aufgenommen haben«, sagt Neumann.

Spätestens in acht Jahren dürfte es also eng werden in Bielefelds Gymnasien. Personal ist auch noch knapp. Und 2026 wird ein Jahr sein, wo die allermeisten Abi-Partys ausfallen werden, weil die G 9- Schulen dann gar keinen Abi-Jahrgang entlassen werden. Der letzte G 8-Jargang verlässt die Schulen 2025, der erste G 9- Jahrgang zwei Jahre später. Ein guter Tipp auch für alle, die ein zulassungspflichtiges Fach studieren möchten. 2026 dürfte der NC sinken – mangels Nachfrage.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.