Bielefelder starten neue Internet-Plattform – Umsatz 3,4 Prozent erhöht EK nimmt Herausforderung von Amazon & Co. an

Bielefeld (WB). Ein Umsatzplus von 3,4 Prozent im vergangenen Jahr ist angesichts der Lage im Einzelhandel nicht schlecht. Doch die Bielefelder EK-Servicegruppe will mehr. Vor allem will sie einen höheren Anteil am Onlinegeschäft.

Von Bernhard Hertlein
Der EK-Vorstand präsentierte am Freitag den Mitgliedern bei der Messe EK Live die neue Internet-Plattform Eres (von links): Martin Richrath, Steve Evers, Susanne Sorg und der Vorstandsvorsitzende Franz-Josef Hasebrink.
Der EK-Vorstand präsentierte am Freitag den Mitgliedern bei der Messe EK Live die neue Internet-Plattform Eres (von links): Martin Richrath, Steve Evers, Susanne Sorg und der Vorstandsvorsitzende Franz-Josef Hasebrink. Foto: Thomas F. Starke

»Omnichannel« heißt das Zauberwort. Gemeint ist, dass der Händler seine Kunden online wie offline finden muss. EK-Vorstandschef Franz-Josef Hasebrink verwies am Freitag darauf, dass große Online-Händler bis hin zu Amazon umgekehrt nun auch stationäre Geschäfte eröffnen.

Neue Plattform Eres

Für den Händler bedeutet es einen hohen Personal- und Kostenaufwand, einen eigenen Onlineshop zu unterhalten. Vor vier Jahren hat die Einkaufsgenossenschaft darum den Beschluss gefasst, eine neue gemeinsame Lösung für möglichst alle Mitglieder zu erarbeiten. Nach einem Pilotversuch mit einigen Spiel & Spaß-Händlern im Dezember 2017 beginnt die EK jetzt mit der Umsetzung. Vom Start weg wollen nach Angaben des zuständigen Vorstandsmitglieds Susanne Sorg bereits 82 Händler dabei sein.

Sorg stellte die neue Plattform Eres beim Unternehmerkongress vor, der zu Beginn eines Jahres in Bielefeld traditionell der Händlermesse EK Live vorausgeht. Der Verbraucher wird, wenn er eine Ware sucht, auf eine Seite geleitet, die nicht EK heißt, sondern zum Beispiel Spiel & Spaß oder ein anderer Name, der auf ein Geschäftsfeld Living (Haushalt, Geschenkartikel, Glas, Porzellan), Comfort (Küchen, Elektrogeräte, Licht), und Fashion (Mode) zugeschnitten sind. Dort erscheinen Name, Adresse und individuelle Angebote des nächstplatzierten EK-Geschäfts. Der Kunde kann bestellen oder sich die Ware zur Begutachtung im Laden zurücklegen lassen. Er sieht, ob sie dort vorrätig ist. Will er Preise vergleichen, kann er auch zu anderen EK-Händlern durchklicken.

»Das gesamte Warenwirtschaftssystem wird über diese Plattform geführt werden«

Eres ist allerdings weit mehr als ein Onlineshop. »Das gesamte Warenwirtschaftssystem wird über diese Plattform geführt werden«, erklärte Sorg. Auch die Abrechnungen werden zentral vorgenommen. Je nach Sortiment kann sich der Händler über Eres an mehreren Onlineshops beteiligen. Für die EK bedeutet die Internet-Initiative nach Aussage Hasebrinks, dass sie ihre IT-Abteilung personell aufstocken wird. Dafür müsse der Händler kein Personal aufbauen, könne sich stattdessen auf den Verkauf konzentrieren. Im Laden führe kein Weg daran vorbei, dass die Kunden beim Shoppen heute mehr wollten, als nur ihren Bedarf zu decken. Wie das geht, sollte der Titel des EK-Kongresses verdeutlichen: »Ergebnis braucht Erlebnis«.

Mit dem Umsatzplus von 3,4 Prozent auf 2,439 (Vorjahr: 2,359) Milliarden Euro ist die EK im vergangenen Jahr sogar etwas langsamer als die Branche gewachsen. »Das liegt daran, dass bei den 4,7 Prozent Zuwachs im Nicht-Lebensmittel-Handel das deutlich stärker wachsende Onlinegeschäft eingeschlossen ist«, sagte Hasebrink. Rechne man nur den Ladenhandel, habe die EK überdurchschnittlich zugelegt. Eine genaue Vergleichszahl nannte er allerdings nicht. Die Mitgliederzahl sei mit 2130 (2136) fast stabil geblieben. 87 Zu- standen 93 Abgänge gegenüber.

Die EK wurde 1925 als Einkaufsgenossenschaft gegründet. Heute beliefert und betreut sie 4000 Läden. Von 800 Beschäftigten arbeiten 400 am Stammsitz Bielefeld.

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