Land und Stadt regeln neu, wo Pferde unterwegs sein dürfen – weniger Verbote Mehr Reitvergnügen im Wald

Bielefeld (WB). Wer zu Pferd die Natur genießen will, war in Bielefelds Wäldern bislang auf ausgewiesene Reitwege beschränkt. Eine Neufassung des Landesnaturschutzgesetzes öffnet die Wälder jetzt den Reitern. Um Konflikte mit anderen Nutzern zu verhindern, will die Stadt nun die Regeln fürs Reiten im Wald neu festlegen.

Von Peter Bollig
Wer in den Wald reiten möchte, hat dazu seit Jahresbeginn mehr Möglichkeiten. Das Land NRW hat die Beschränkung auf ausgewiesene Reitwege grundsätzlich aufgehoben. Die Kommunen können allerdings per Verordnung Details festlegen. Das ist in Bielefeld bis Ostern geplant.
Wer in den Wald reiten möchte, hat dazu seit Jahresbeginn mehr Möglichkeiten. Das Land NRW hat die Beschränkung auf ausgewiesene Reitwege grundsätzlich aufgehoben. Die Kommunen können allerdings per Verordnung Details festlegen. Das ist in Bielefeld bis Ostern geplant. Foto: dpa

»Wir suchen den Kompromiss«, sagt Bielefelds Umweltamtsleiter Martin Wörmann. Man wolle dem Wunsch des Gesetzgebers nach mehr Reitmöglichkeiten entsprechen, andererseits die Interessen anderer Waldnutzer und der Waldbesitzer berücksichtigen. Gespräche hätten gezeigt, dass das in einem Ballungsraum wie Bielefeld nicht einfach sei.

Bis Ende 2017 galt: Im Wald durfte nur auf eigens gekennzeichneten Wegen geritten werden; das Reiten auf Wanderwegen war generell verboten. Die Stadt Bielefeld erklärte den kompletten Wald entlang des Teuto-Höhenzuges zur Reitverbotszone, ebenso die kleineren Wälder im Bereich Bockschatzhof, zwischen Westkampweg und A2, in Jöllenbeck am Pfarrholz und in Theesen den Köckerwald. In diesen Gebieten, vor allem im Osten des Teutoburger Waldes, hatte die Stadt allerdings Reitwege gesondert ausgewiesen, um ein kontrolliertes Reitvergnügen zu gewährleisten. Etwa 55 Kilometer Reitwege führen Martin Wörmann zufolge in Bielefeld durch die Landschaft.

Die am 1. Januar in Kraft getretene Änderung des Landesnaturschutzgesetzes NRW soll Reitern grundsätzlich mehr Möglichkeiten im Wald einräumen, erlaubt den Ausritt auf öffentlichen Verkehrsflächen ebenso wie auf privaten Straßen und Wegen, selbst auf »naturfesten Waldwirtschaftswegen«. Das Führen von Pferden ist auf allen Waldwegen erlaubt. Die Stadt darf dazu Regeln festlegen – und überarbeitet derzeit ihre bestehende Verordnung.

Westlicher Teuto

Die wesentliche Neuregelung betrifft den Bereich des Teutoburger Waldes westlich der Bodelschwinghstraße von Gadderbaum bis Kirchdornberg. Dort dürfen öffentliche und private Straßen und Wege von nun an beritten werden, allerdings spricht die Stadt für einzelne Wege ein Reitverbot aus: für den Hermannsweg, den Bergmannsweg, den Weg »Von Burg zu Burg« und den Ems-Lutter-Weg.

Östlicher Teuto

Auch nach der Gesetzesänderung will die Stadt an der Reitverbotszone im Teutoburger Wald östlich der Bodelschwinghstraße zumindest für die südlichen Bergseite festhalten. Der Grund: Vor allem in Senne und Sennestadt wird viel geritten – allein in Senne gibt es drei Reiterhöfe –, Konflikte mit Wanderern und Mountainbikern sind programmiert. Zugleich sind, wie Martin Wörmann sagt, die Wege dort sehr sandig und wären bei intensiver Nutzung schnell zerritten. Andererseits gibt es Wörmann zufolge gerade dort viele ausgewiesene Reitwege, die den Reitern weiterhin zur Verfügung stehen. Grenzen der Reitverbotszone sind die Bodelschwinghstraße im Westen, der Hermannsweg im Norden, die Stadtgrenze im Osten und die Paderborner Straße im Süden.

Pfarrholzwald

Das bisherige Reitverbot im Pfarrholzwald in Jöllenbeck wird aufgehoben, die Stadt rechnet dort ohnehin mit einem nur geringen Reitaufkommen.

Westkampweg

Auch am Westkampweg sind die Sandwege durch Reiter gefährdet; die Verbotszone soll bleiben. Aber auch dort ist ein Reitweg ausgewiesen, der an Reitwege im Teutoburger Wald angebunden ist.

Bockschatzhof

Der Bockschatzhof in Brackwede gilt als intensiv genutzter Freizeitbereich. Das Reitverbot im Wald soll bestehen bleiben, ein Reitweg ist aber vorhanden.

Die geplante städtische Verordnung wird am 30. Januar im Naturschutzbeirat beraten. Martin Wörmann hofft, dass sie bis Ostern in Kraft treten kann. Sie betrifft mehrere hundert Reiter, die in Bielefeld regelmäßig oder gelegentlich unterwegs sind. Für aktuell 400 Pferde seien von der Stadt Bielefeld die erforderlichen Reiterplaketten ausgegeben worden. Sie kosten jeweils 30 Euro – Geld, mit dem zerrittene Wege ausgebessert würden. Hinzu kommen Wörmann zufolge auswärtige Reiter und eine Dunkelziffer an Pferdefreunden, die ohne Plakette unterwegs sind.

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