Suchtexpertin aus Bielefeld hält die Maßnahme für längst überfällig Spielsüchtige durch Sperrsystem schützen

Bielefeld (WB/dpa/lnw). Mit der neuen Spielhallenverordnung soll das Netz von Spielhallen in NRW ausgedünnt werden - zur Bekämpfung der Spielsucht. Suchtexperten befürchten eine zögerliche Umsetzung der Kommunen und fordern Maßnahmen zum Selbstschutz Betroffener.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Suchtexperten in NRW fordern zum Schutz Spielsüchtiger die Einführung eines Sperrsystems. »Durch die Möglichkeit der Sperren für Spielhallen können die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie sich schützen möchten. Eine solche Maßnahme ist längst überfällig«, sagte Ilona Füchtenschnieder von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW. Experten schätzen, dass mehr als 40.000 suchtgefährdete oder süchtige Spieler in NRW sich für den Spielbetrieb sperren lassen würden.

Kommunen werden Gesetz wohl nur verhalten umsetzen

Die Einführung eines Sperrsystems sei notwendig, da die neue Spielhallenverordnung zur Bekämpfung der Spielsucht, die am 1. Dezember 2017 in NRW in Kraft getreten ist, nicht weit genug gehe. »Wir erwarten, dass die Kommunen das Gesetz nur sehr verhalten umsetzen werden«, sagte Füchtenschnieder. Viele Kommunen wollten Klagewellen von den Spielhallenbetreibern vermeiden. »Scheinbar werden in einigen Kommunen sowohl Schadenersatzforderungen als auch sinkende Einnahmen aus der Vergnügungssteuer befürchtet«, sagte Füchtenschnieder.

Die neue Spielhallenverordnung in NRW sieht unter anderem einen Mindestabstand von 350 Metern zwischen einzelnen Hallen und zu Schulen oder Jugendtreffs vor. Jede Spielhalle musste bis Ende November eine neue Erlaubnis beantragen. Welche Spielhalle letztendlich schließen muss, entscheiden die Kommunen.

Ausnahmen möglich

Ausnahmen von der Verordnung sind jedoch möglich: Existiert eine Spielhalle schon sehr lange oder wird der Mindestabstand nur minimal überschritten, können laut NRW-Innenministerium Härtefallregeln greifen.

Suchtverbände befürworten seit langem die Möglichkeit einer Selbstsperre für Spielhallen. In Hessen wurde ein solches System bereits 2014 eingeführt, mehr als 15.000 Glücksspieler reichten seitdem Anträge auf Selbstsperren ein. In Nordrhein-Westfalen fehlt die rechtliche Grundlage für ein Sperrsystem.

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