Osningstraße bis Sonntag gesperrt – 228 Polizeieinsätze - ständige Updates Orkantief: Die Bielefelder Bilanz am Tag danach

Bielefeld (WB/md). Die Bilanz am Tag danach fällt ernüchternd aus: Orkantief Friederike hat in Bielefelds Wäldern massive Schäden hinterlassen . Wichtige Verkehrsverbindungen wie die Osningstraße von Sieker nach Senne sind weiter gesperrt. Mehr als 40 Bäume blockieren seit Donnerstagmittag die Fahrbahn zwischen Eisernem Anton und Haarnadelkurve.

Aufgrund des Orkans blockieren auf der Osningstraße viele umgestürzte Bäume die Fahrbahn nördlich der Haarnadelkurve. Die Aufräumarbeiten laufen.
Aufgrund des Orkans blockieren auf der Osningstraße viele umgestürzte Bäume die Fahrbahn nördlich der Haarnadelkurve. Die Aufräumarbeiten laufen. Foto: Michael Diekmann

Revierförster Erhard Oehle hat eigens einen Lohnunternehmer aus Melle mit schwerem Gerät mit der Bergung der Stämme beauftragt. Die Arbeiten begannen Freitag früh und gestalten sich aufwändig. Gleichzeitig müssen die Fachleute kontrollieren, ob an die Hauptverbindungsstraße angrenzend stehende Bäume bereits gelockert sind und später umzustürzen drohen.

Insgesamt schätzt Oehle, dass in Bielefelds Wäldern mehr als 1000 Bäume umgestürzt sind. Der völlig durchgeweichte Boden nach den massiven Regenfällen der vergangenen Wochen hat insbesonddere den flach wurzelnden Fichten sprichwörtlich den Boden weg gezogen. Oehle: »Das tatsächliche Schadensausmaß wird man erst in einigen Tagen ermessen können. Wir sind bisher noch nicht in die einzelnen Reviere gekommen, bekommen ständig neue Schreckensmeldungen von den Waldbesitzern.« Beispiel Babenhausen. Da hat es in einem einzelnen Waldstück nahe der Feuerwache drei Viertel des gesamten Bestandes umgeworfe. Ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden für die Eigentümerin.

Weicher Waldboden als Problem

Besonders betroffen, als das Hauptwindfeld gegen 13.30 Uhr über den Kamm des Teutoburger Waldes rauschte mit Böen vonmehr als 120 Stundenkilometern, waren die Südseite des Berges sowie die von Nordwest aufsteigenden Hänge. Hier sorgte der weiche Boden für leichtes Spiel für Friederike. Über Stunden gesperrt war die Lämershagener Straße, der Senner Hellweg in Höhe des Sennestädter Friedhofs. Von Lämershagen bis ins Schopketal bilanziert der Revierförster zahlreiche Einzelwürfe. Sie alle zu bergen, werde Monate dauern, rechnet Oehle. Um so mehr warnt er die Bielefelder, auch in den kommenden Tagen einen weiten Bogen um Wälder und Waldränder zu machen. Oehle: »Viele Bäume sind an den Wurzeln schon gelöst und fallen bei einem kleinen Impuls unvermittelt um.«

Ähnlich negativ fällt auch die Bilanz von Stadtförster Herbert Linnemann aus. Allein rund um den Tierpark und auch auf dem Gelände selbst sind mehrere Dutzend Bäume umgestürzt. Einzelne Umzäunungen von Gehegen sind dabei beschädigt worden. Im weiteren Umkreis des Stadtwaldes rechnet Linnemann damit, dass einige hundert Bäume komplett umgestürzt sind oder es massive Kronenschäden gegeben hat.

Polizei zieht Bilanz

Update 11.10 Uhr: Polizei zieht Bilanz: Der Leitstelle der Bielefelder Polizei lagen insgesamt 228 Meldungen zu witterungsbedingten Einsätzen vor. Durch die Vielzahl von eingehenden Notrufen waren zeitweise die Telefonleitung der Einsatzleitstelle der Bielefelder Polizei überlastet. Das führte zu Wartezeiten am Telefon - aber auch an den Einsatzorten. Hilfesuchende mussten Durchhaltevermögen beweisen, weil die Streifenwagen nicht so schnell erscheinen konnten wie gewohnt.

Neben den schweren Unfällen gab es weitere Vorfälle: Im Übergang vom Ostwestfalendamm zur A33 waren zahlreiche Absperrbarken, die in dem Bereich den Verkehr leiten sollen umgestürzt. In der Innenstadt stürzte am Kesselbrink ein Baugerüst um. An der Kreuzung Viktoriastraße und Teutoburger Straße war ein Bauzaun umgeweht. An der Eckendorfer Straße hatten sich in Höhe der Einmündung An der Pottenau Teile einer Plakatwand gelöst. An zahlreichen Straßen, wie an der Herforder Straße und an der Spindelstraße hatten sich Dachziegel gelöst und waren herabgestürzt.

In Brake landete ein Lkw vor der Einmündung Husumer Straße im Vorgarten eines Wohnhauses an der Engerschen Straße. In Brackwede wurde ein umherwehender Pavillon an der Hauptstraße gemeldet.

In Theesen hatte sich ein Trampolin durch den Sturm selbstständig gemacht. In Jöllenbeck war in der Schwagerstraße ein Verkehrszeichen umgekippt: Dadurch wurden Gehwegplatten aus ihrem Bett gedrückt und standen hoch.

In Sennestadt stürzten am Senner Hellweg während einer Trauerfeier mehrere Bäume um. Sie behinderten auf einem angrenzenden Parkplatz die abgestellten Fahrzeuge einer Trauergemeinde.

Empfehlungen der Polizei

Die Polizei empfiehlt: Informieren Sie sich während eines Unwetters fortlaufend und beachten Sie die Aufrufe von Feuerwehr und Polizei. Die Polizei rät bei ähnlichen Wetterlagen während eines andauernden Sturms den eigenen Aufenthalt im Freien zu überdenken und einzuschränken - oder bestenfalls nicht vor die Tür zu gehen.

Gleiches gilt für den Fahrzeugverkehr - insbesondere für alle Zweiradfahrer. Wer unbedingt mit dem Auto fahren muss, sollte vorsichtig und bremsbereit unterwegs sein. Tückisch können plötzliche Seitenwinde nicht nur auf freier Strecke sein, sondern auch beim Überholen eines Lkw auftreten.

Osningstraße bis Sonntag gesperrt

Update 11.20 Uhr: Die Osningstraße bleibt aufgrund der Sturmschäden das gesamte Wochenende gesperrt. Das teilte der Landesbetrieb Straßen NRW mit.

Stromausfälle dauern an

Update 11.25 Uhr: Es sind immer noch mehrere hundert Haushalte ohne Strom. Betroffen sind die Gebiete Peter auf’m Berge, Lämershagen, Steinhagen, Werther, Senne und Quelle. Die Stadtwerke arbeiten die Fälle ab und bitten darum, nur bei neuen Stromausfällen anzurufen. Die Buslinie 30 ist aktuell noch unterbrochen.

Update 12.45 Uhr: Die Feuerwehr berichtet von insgesamt mehr als 450 Sturm-Einsätzen.

Update 12.50 Uhr: Der 25-jährige Autofahrer aus Rüthen, auf dessen Honda Civic ein Baum gestürzt war, schwebt weiter in Lebensgefahr. Der Unfall hatte sich am Donnerstag auf der Buschkampstraße ereignet. Die Buslinie 30 verkehrt wieder planmäßig.

Update 13.30 Uhr: Wie der Umweltbetrieb mitteilt, wird am frühen Freitagnachmittag der Tierpark Olderdissen wieder geöffnet. Die Sturmschäden seien weitgehend beseitigt. Geschlossen bleiben allerdings noch die begehbaren Tiergehege. Sie werden voraussichtlich in der kommenden Woche wieder geöffnet.

Umweltbetrieb zieht Bilanz: »Betreten der Wälder ist lebensgefährlich«

Update 13.45 Uhr: Jetzt zieht auch der Umweltbetrieb eine Schadensbilanz: Große Schäden seien vor allem in allen Waldgebieten entstanden. Bäume sind umgeknickt, gebrochen oder haben ihre Standfestigkeit verloren. Mehrere tausend Festmeter Holz liegen am Boden, annähernd so viel wie sonst in einem ganzen Jahr geschlagen wird.

Herbert Linnemann, Leiter der Abteilung Forsten und Tierpark, rät dringend davon ab, Waldgebiete zu betreten. »Das ist momentan lebensgefährlich. Die Aufräumarbeiten werden sicherlich noch einige Wochen bis Monate dauern. Vorrangig werden die Waldwege geräumt, so dass man voraussichtlich in einigen Wochen die Waldflächen wieder betreten kann. Bis dahin sollte man es auf jeden Fall vermeiden, sich im Wald aufzuhalten«, so der Forst-Experte.

Friedhöfe stark betroffen

Stark betroffen sind auch die Friedhöfe und Grünanlagen der Stadt. Bereits wieder geöffnet sind oder öffnen noch im Laufe des Tages: Alter Friedhof Sennestadt, Brake West, Brake Ost, Kirchdornberg, Altenhagen, Sudbrack, Pella, Nicolai und Vilsendorf. Zum Teil sind aber auch auf diesen Friedhöfen Bereiche abgesperrt, die noch nicht wieder betreten werden dürfen. Die Friedhöfe Sieker, Schildesche, Quelle, Johannisfriedhof und Lämershagen werden voraussichtlich erst im Laufe der nächsten Woche wieder geöffnet. Bis auf weiteres geschlossen bleiben der Sennefriedhof und der Waldfriedhof in Sennestadt.

Der Umweltbetrieb unternimmt alles, damit Bestattungen durchgeführt werden können. Trauergemeinden werden von Friedhofsmitarbeitern abgeholt und auf gesicherten Wegen zur Grabstätte und zurück geleitet. Dies gilt auch für die Friedhöfe Sennefriedhof und Waldfriedhof Sennestadt.

Von der Grünunterhaltung des Umweltbetriebes wurden zwei Spielplätze gesperrt: Der Spielplatz an der Nordseite des Obersees und der Spielplatz an der Sprungbachstraße. Betroffen von der Sperrung ist ebenso die untere Wegebeziehung am Trümmerberg zwischen Schlangenstraße und dem Westfalenkolleg. Dort stehen im Forstbereich einige Pappeln, die auf den Weg zu stürzen drohen.

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