Mindestens acht Tote bundesweit – Bahnverkehr rollt wieder an – Feuerwehr im Aufräum-Einsatz - mit Video Wetterdienst: schwerster Sturm seit 2007

Bielefeld/Paderborn/Düsseldorf (WB/dpa). Nach dem Orkan »Friederike« gehen die Aufräumarbeiten weiter. Das Sturmtief, das am Donnerstag mit bis zu Windstärke zwölf über NRW hinwegfegte, hat auch in Ostwestfalen-Lippe viele Schäden angerichtet.

Orkan »Friederike« hat auch in Ostwestfalen-Lippe viele Schäden angerichtet.
Orkan »Friederike« hat auch in Ostwestfalen-Lippe viele Schäden angerichtet. Foto: Besim Mazhiqi, Moritz Winde, Wolfgang Wottke, Peter Bollig

Zugausfälle auch am Freitagmorgen

Bahnreisende müssen am Freitagmorgen weiter mit erheblichen Behinderungen rechnen. Es werde im Nahverkehr noch zu Zugausfällen kommen, teilte die Deutsche Bahn mit. »Wir erwarten im Tagesverlauf laufende Verbesserung der Betriebssituation.«

Das Unternehmen riet, sich vor Fahrtantritt auf der Internetseite der Bahn zu informieren, ob die Züge tatsächlich fahren. Die Bahn hatte den Fernverkehr am Donnerstagnachmittag bundesweit eingestellt. Das sollte bis zum Betriebsschluss um 3.00 Uhr früh gelten.

Laut Bahn kommt es auch im Busbetrieb der DB Ostwestfalen-Lippe-Bus etwa im Paderborner Bereich noch zu größeren Behinderungen.

Probleme am Flughafen Paderborn-Lippstadt

Der Sturm hatte am Donnerstag auch Auswirkungen auf den Flugverkehr. Am Flughafen Paderborn konnten zwei Maschinen nicht landen. Ein Flieger wurde nach Hannover umgeleitet. Ein Flugzeug aus München musste nach Bayern umkehren. Am Hallendach des Flughafen-Terminals löste sich nach einer Böe eine Platte.

Nach Angaben eines Sprechers wurden die Fluggäste aufgefordert, besonders vorsichtig zu sein und den Bereich vor dem Gebäude zu meiden. »Das Terminal aber wurde nicht geräumt«, widersprach der Flughafen einer Meldung der Polizei in Paderborn.

Mindestens sechs Todesopfer

Mindestens acht Menschen kamen bundesweit ums Leben, drei davon in NRW: In Sundern starb ein Feuerwehrmann im Sturmeinsatz. In Emmerich wurde ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz von einem Baum erschlagen, und in Lippstadt starb ein Lkw-Fahrer. Mindestens 62 Menschen wurden durch »Friederike« in NRW verletzt, viele von ihnen schwer.

»Friederike« ist laut DWD der schwerste Sturm seit 2007. »Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse«, sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich. Viele Schulen blieben geschlossen oder sagten den Unterricht nach den ersten Stunden ab.

Rund 14.500 Feuerwehrleute und Helfer des Katastrophenschutzes waren nach Angaben des Innenministeriums im Einsatz. Polizei- und Rettungskräfte fuhren weit mehr als 10.000 Einsätze, Feuerwehr- und Rettungsdienste leisteten ebenfalls Tausende Einsätze, darunter mehr als 630 in Köln und rund 700 in Dortmund sowie 550 in Düsseldorf, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg mitteilte.

So fegte »Friederike« über Ostwestfalen-Lippe hinweg

Bielefeld

Die Bilanz am Tag danach fällt ernüchternd aus: Orkantief Friederike hat in Bielefelds Wäldern massive Schäden hinterlassen. Wichtige Verkehrsverbindungen wie die Osningstraße von Sieker nach Senne sind weiter gesperrt. Mehr als 40 Bäume blockieren seit Donnerstagmittag die Fahrbahn zwischen Eisernem Anton und Haarnadelkurve.

Der Leitstelle der Bielefelder Polizei lagen insgesamt 228 Meldungen zu witterungsbedingten Einsätzen vor. Insgesamt schätzt Oehle, dass in Bielefelds Wäldern mehr als 1000 Bäume umgestürzt sind. Der völlig durchgeweichte Boden nach den massiven Regenfällen der vergangenen Wochen hat insbesonddere den flach wurzelnden Fichten sprichwörtlich den Boden weg gezogen.

Im Tierpark Olderdissen konnten laut einer Pressemitteilung die meisten Schäden bis zum frühen Freitagnachmittag beseitigt werden. Besucher können den Tierpark bis auf die begehbaren Tiergehege, die in der kommenden Woche wieder geöffnet werden, wieder nutzen.

Kreis Gütersloh

Aufgrund der erheblichen Gefahr durch Sturmschäden hat der Landesbetrieb Wald und Forst bekannt gegeben, dass das Betreten der Wälder bis zum 31. Januar 2018 untersagt sei.

Altkreis Halle

Mit fliegenden Fahnen ist das Sturmtief »Friederike« am Donnerstag über den Altkreis Halle hinweggefegt. Umgestürzte Bäume, beschädigte Pkw und zerdepperte Dachpfannen waren die Folge. Dem Krieger am Ehrenmal am Amtsgericht wehte es die eherne Fahne fort. 

In Halle (49 Sturmeinsätze), Steinhagen (72) und Borgholzhausen (35) sorgten vor allem umgestürzte Bäume für Arbeit. Die Kräfte in Versmold waren 63 Mal gefragt. Für Werther meldete der Kreis elf Einsätze. Über das Ausmaß der Schäden konnte noch keine Bilanz gezogen werden.

Kreis Paderborn

Nach und nach wird das ganze Ausmaß der Schäden des Orkans sichtbar. Das Unwetter hat zum Beispiel so stark auf dem Gelände der Gartenschau Bad Lippspringe gewütet, dass es die komplette nächste Woche geschlossen bleibt.  Erhebliche Schäden verursachte der Orkan auch an der Paderborner Kulturwerkstatt. Das Flachdach über dem zweistöckigen Gebäudeteil wurde von dem Orkan zur Hälfte angehoben und umgeschlagen. Die Dachdeckerbetriebe kamen am Freitag mit den Auftragseingängen nicht mehr hinterher.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.