Streit um Schadenersatz: Entscheidung fällt erst im Februar Betrogene Bräute müssen warten

Bielefeld (WB). Bekommen die um ihre Hochzeitskleider betrogenen Bräute Daniela Tiemann (35) und Manuela Wolke (46) Schadenersatz vom polnischen Modehersteller Agora? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet.

Von Jens Heinze
Großer Andrang im kleinen Gerichtssaal: Opferanwältin Nicola Meise (3. von rechts), Agorachefin Grayna Gałczyska (rechts) und ihr Dolmetscher Michael Bagnucki (2. von rechts) treten als erste ein. Dahinter folgen die Klägerinnen und Zuschauer.
Großer Andrang im kleinen Gerichtssaal: Opferanwältin Nicola Meise (3. von rechts), Agorachefin Grayna Gałczyska (rechts) und ihr Dolmetscher Michael Bagnucki (2. von rechts) treten als erste ein. Dahinter folgen die Klägerinnen und Zuschauer. Foto: Bernhard Pierel

Wie berichtet, fordern die Bräute insgesamt knapp 4100 Euro von Agora zurück. Aktuell sind die Fronten zwischen allen Beteiligten verhärtet. Die Streitparteien lehnten es bei den beiden Schadenersatzprozessen gestern ausdrücklich ab, sich gütlich zu einigen. Die zuständige Amtsrichterin Sinja Lichtenberg will ihre Entscheidungen über den Rechtsstreit zwischen den Bräuten und dem Modehersteller Agora nun erst am 21. Februar verkünden. Dieser lange Zeitraum von fast fünf Wochen hat gute Gründe. Aktuell gilt es, in beiden Schadenersatzprozessen eine zentrale Frage zu klären: Ist die deutsche Justiz überhaupt zuständig?

Opferanwältin gibt erste Stellungnahme ab

Nein, meinen Agora-Chefin Grayna Gałczyska und ihr Anwalt Piotr Jankowski. Begründung: Die auf Schadenersatz verklagte Firmenchefin ist polnische Staatsbürgerin mit Wohnsitz im EU-Nachbarland. Die Agora-Zentrale befindet sich in Wrocław (Breslau).

Brautanwältin Nicola Meise ist der gegenteiligen Meinung. Die Bielefelder Juristin hat jetzt zwei Wochen Zeit um der Amtsrichterin zu begründen, warum ihrer Ansicht nach der Rechtsstreit gegen die polnische Firmenchefin in Deutschland zu führen ist.

Eine erste Stellungnahme gab die Opferanwältin bereits ab. Demnach handele es sich bei der im März 2017 von einem Gerichtsvollzieher zwangsweise geschlossenen Bielefelder Agora-Boutique um »eine bundesweit einmalige Konstellation«. Firmenchefin Gałczyska habe »bewusst den Namen Agora hergegeben, um ihn in Bielefeld zu verwenden«. Anwältin Meise: »Und wenn ich meinen Namen für den Rechtsverkehr hergebe, muss ich auch für die Folgen gerade stehen.«

Agora-Chefin weist Behauptungen zurück

Zum Beweis für ihre Ausführungen übergab die Juristin der Amtsrichterin den Ausdruck einer E-Mail. Diese soll eine Agora-Mitarbeiterin am 31. März vergangenen Jahres an die betrogene Braut Manuela Wolke geschrieben haben. Demnach habe die Bielefelder Agora-Boutique den Firmennamen führen dürfen, weil im Geschäft ausschließlich Kleider und Zubehör des polnischen Herstellers verkauft worden seien.

Agora-Chefin Gałczyska wies Behauptungen zurück, die Bielefelder Boutique sei eine Art Filiale des polnischen Herstellers gewesen. Das ehemalige Brautmodengeschäft sei rechtlich eigenständig von einer hiesigen Inhaberin geführt worden und nie Teil der polnischen Firma gewesen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.