Nach Haftentlassung sofort rückfällig geworden: Schöffengericht verurteilt Mitglied der Szene von »Tüte« Mehr als drei Jahre Haft für Autoknacker

Bielefeld WB/(hz). Weil er befürchtet, in seiner litauischen Heimat einem Racheakt dortiger Krimineller zum Opfer zu fallen, hat sich ein 43-Jähriger im Sommer 2009 nach Deutschland abgesetzt. Seitdem wird der drogensüchtige Mann – wenn er nicht gerade hinter Gittern sitzt – pausenlos straffällig.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Am Montag wurde der Litauer von einem Schöffengericht des Amtsgerichtes erneut verurteilt. Wegen einer Reihe von Autoaufbrüchen in der Innenstadt schickte Vorsitzende Richterin Kirsten Reichmann den geständigen 43-Jährigen für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis.

Für die Juristin ist der derzeit in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte kein Unbekannter. Bereits im April 2016 verurteilte Richterin Reichmann den Litauer zu 20 Monaten Strafhaft. Das Urteil erging damals wie jetzt wegen fortgesetzten Diebstählen.

Die Sucht finanzieren

Diese Taten begeht der 43-Jährige, um seine Rauschgiftsucht zu finanzieren. Eigenen Angaben zufolge kam der Mann im Jahr 1991 erstmals mit Opium in Berührung. Seit seiner Ankunft in Deutschland konsumiert der Angeklagte regelmäßig Heroin und Kokain. Die Drogen beschaffe er sich unter anderem am Hauptbahnhof Bielefeld von der Szene an der sogenannten»Tüte«, sagte seine Verteidigerin Susanne Renner.

Der Druck, sich immer wieder neues Rauschgift zu besorgen, muss für den Litauer immens sein. Am 17. Juni vergangenen Jahres gerade aus dem Gefängnis entlassen, fiel der Mann sofort wieder mit neuen Straftaten der Drogenbeschaffungs-Kriminalität auf. So drang der Süchtige unter anderem am 7. August 2017 in eine Tiefgarage an der Stadtheider Straße ein und brach dort drei Autos auf. Seine im Rucksacke verstaute Beute musste der 43-Jährige allerdings am Tatort zurück lassen. Nachdem der Litauer von der Eigentümerin eines der aufgebrochenen Autos überrascht wurde, kam es zu einer nicht alltäglichen Auseinandersetzung. Die Frau rief ihren Lebensgefährten zu Hilfe. Dieser Mann rannte – nur mit einer Unterhose bekleidet – zum Tatort, griff zu einer Schaufel und wollte den Kriminellen stellen. Das Geschehen wurde von Zeugen mit Fotos dokumentiert.

Wunsch nach Therapie

Der Angeklagte hatte sich aber bereits ein Mountainbike geschnappt, um zu flüchten. Als der Litauer den Halbnackten mit einem Schraubendreher bedrohte, wich dieser zurück. Der Täter nutzte seine Chance und entkam.

Gut zweieinhalb Wochen später klickten dann die Handschellen. In der Nacht zum 25. August 2017 brach der 43-Jährige wieder Autos an der Ernst-Rein-Straße und an der Bremer Straße auf. Polizisten nahmen den Dieb mit seiner Beute fest, noch am selben Tag ging er in Untersuchungshaft.

Beim Prozess am Montag äußerte der Angeklagte den Wunsch, sich einer Drogenentzugstherapie zu unterziehen. Vorsitzende Richterin Reichmann blieb skeptisch. Denn der Litauer spricht kein Deutsch, bei der Gerichtsverhandlung stand ihm eine Dolmetscherin zur Seite. »Wie soll das mit fehlenden Sprachkenntnissen funktionieren«, fragte die Juristin. Eine Antwort auf diesen Einwand wusste der 43-Jährige nicht.

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