Wunsch von Mountainbikern scheitert an Eigentums- und Rechtsfragen Querfeldein-Strecke im Teuto ohne Chance

Bielefeld (WB). Für die Anlage einer Downhill-Strecke für Mountain-Biker im Teutoburger Wald tendieren die Chancen gegen Null. Das ist das Ergebnis einer Bestandsaufnahme der Verwaltung. Vorgestellt wird der Sachstand in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz morgen um 17 Uhr.

Von Burgit Hörttrich
Downhillfahrer – hier ein Symbolfoto – wünschen sich einen Parcours mit Kurven und Schanzen im Teutoburger Wald.
Downhillfahrer – hier ein Symbolfoto – wünschen sich einen Parcours mit Kurven und Schanzen im Teutoburger Wald. Foto: dpa

Seit Jahren gibt es private Bestrebungen, legale Mountainbike-Strecken im Teutoburger Wald anzulegen. Angesichts der Rechts- und der Eigentumsfragen sieht die Stadt aktuell keine Möglichkeit, den Wünschen der Downhill-Fahrer nachzukommen, und verweist auf Bikeparks im Sauerland.

Anders sehe es beim Sonderprojekt »Monte Scherbelino« an der Friedrich-Hagemann-Straße aus: Die Planung für einen Parcours läuft seit 2009, seit Mitte 2017 arbeiten Mitglieder des RC Zugvogel, der Naturfreunde und nicht-organisierte Mountainbiker daran. Es sei bereits Boden für den Bau von Kurven und Sprüngen angefahren worden. Mitte 2018 soll der Parcours fertig sein. Zielgruppe seien jugendliche Radfahrer, die dort trainieren könnten.

Bereits 2013 gescheiterter Vorstoß

Damit seien die Bedürfnisse der sportlich orientierten Downhiller allerdings nicht befriedigt. Sie zu begeistern, sei bereits 2013 gescheitert, als die Abteilung Forsten des Umweltbetriebes einen Standort nahe Brands Busch vorschlug. Weil die Strecke zu geringe Anforderungen gestellt hätte, hätten die Downhiller kein Interesse gezeigt.

Die Verwaltung verweist darauf, dass »alle vorhandenen Wege grundsätzlich auch für Mountainbiker offen« ständen – wobei das Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme gelte. Ebenso erinnert die Verwaltung an illegale Strecken und Beschwerden von Waldbesitzern. So sei 2003 ab der Hünenburg ein Parcours mit Steilkurven, zehn Sprungschanzen und Pfaden abseits der Wege illegal angelegt und im Internet beworben worden. Auch aktuell gebe es nach Schätzungen des Landesbetriebes Wald und Holz NRW zehn bis zwölf illegale Downhillstrecken im Teutoburger Wald in Bielefeld und Umgebung. Diese Strecken würden regelmäßig beseitigt.

CDU stellt Antrag

Der Versuch, einen Waldbesitzer zu gewinnen, auf seinem Grund und Boden eine Downhill-Strecke anzulegen, sei gescheitert. Auch, so die Verwaltung, wegen rechtlicher Bedenken. Bauliche Anlagen wie etwa Schanzen müssten vom TÜV abgenommen und durch regelmäßige Kontrollen überprüft werden. Die Einrichtung einer solchen Strecke sei rechtlich vergleichbar mit dem Bau einer Ski-Abfahrtsstrecke oder dem einer Sommerrodelbahn.

Auf die Tagesordnung des Umweltausschusses gelangt ist das Thema Downhill-Strecke durch einen Antrag der CDU vom Oktober 2017. Gefordert wurde darin, einen »Runden Tisch« zum Thema »Mountainbiken in Bielefeld« einzurichten. Diesen Antrag bekräftigen jetzt die beiden CDU-Ratsmitglieder Carla Steinkröger und Alexander Rüsing. Ziel sei es, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen und der Illegalität einen Riegel vorzuschieben. Mit einem Parcours für Mountainbiker könnten Konflikte vermieden werden. Ein Nebeneinander von Freizeitsportlern und Erholungssuchenden in den Wäldern sei »machbar«.

Kommentare

Sprachhygiene

Liebe Redaktion,
den ursprünglichen Bericht vom 15.1. "Querfeldein-Strecke im Teuto ohne Chance"
habe ich als vorurteilsfrei und ausgewogen gelobt.
Ich bleibe dabei, obwohl ich inzwischen das sich-selbst-neutralisierende Wort-Umgetüm ;-) in der Schlagzeile sehe. Ein anderer Kommentator hat mit die Augen geöffnet. Ihm ist es sofort deutlich aufgestoßen.

Also im Sinne der Sprachhygiene ein kleiner Nachtrag :
Kann es eine Querfeldein-Strecke geben? NEIN,
denn nicht mal eine Autobahn führt ihre Benutzer querfeldein, wenn vor ihrem Bau tatsächlich dort Felder waren, die jetzt auf der Autobahn fahrend duchquert werden. Wie kommt es, das solch eine unterschwellig stimmungsmachende Bezeichnung nie für Autofahrer, auffallend oft aber für Mountainbiker benutzt werden?

Ein Mountainbiker fährt nicht querfeldein, auch nicht querbeet, auch nicht quer-durch-den-Wald. Er fährt auf Wegen. Er braucht die Wege zum Fahren, denn querbeet fährt es sich nicht gut. Wege aller Art, Breite oder Schmale, Wanderwege, Schotterpisten, Schmugglerpfade, unbefestigt oder befestigt, und dort darf er (Ausnahme BaWü) auch fahren.
Und wenn der Waldweg quer durch den Wald führt, was er seinem Wesen nach grundsätzlich immer und ausschließlich tut, auch dann bleibt der Mountainbiker ihm treu und fährt nicht quer durch den Wald, sondern weiter auf seinem Weg, welcher ihn quer durch den Wald führt.
Bitte auswendig lernen und weitersagen :-)

Politiker, vergrault euch unsere Jugend nicht !!

Ein vorurteilsfreier, ausgewogener Pressebericht der wieder mal eins zeigt :

"Sondierungen" und Genehmigungsverfahren werden leider nicht selten von einigen Beteiligten erst nach allen Regeln der Kunst verschleppt und dann als Verhinderungsverfahren durchgeführt. Die meinst jungen, hochmotivierten Mountainbiker vor Ort, im Umgang mit Politik und Behörden meist wenig erfahren, brauchen dringend Unterstützung, wie die drei guten Leserbriefe zu der Presse zeigen.
Verwaltung, Forst und Politik ist !dringendst! angeraten,
die berechtigten Interessen der jungen Leute ernst zu nehmen!!!

Wer egoistischerweise nur seinen Vorteil sieht, seine politische oder behördliche Macht, oder seine gesellschaftliche Stellung nur für seine persönlichen Interessen nutzt, schadet der Demokratie und sollte sich über dann entstehende Illegalität nicht wundern.

MockJay

Tja - ist leider wie an vielen Orten, die Holz-/Jagdlobby regiert und verweigert ungewünschten Störenfrieden den dauerhaften Zutritt. Denn wenn ich Holz machen will oder frei Jagen möchte würden ja legale Trails ständig stören, da müsste man ja laufend Rücksicht nehmen. So geht es viel besser, man kann sich verhalten wie man will und keinen interessiert's. Und dann kann man auch noch - wie zB. im Taunus - selbst verursachte Zerstörungen wie abgesägte Bäume im TV als "durch Mountainbiker verursachte" Schäden verkaufen. 1a Strategie!
Da hilft nur weiter illegale Trails bauen, die lernen es halt sonst nicht.... so schade das ist.

"Weil die Strecke zu geringe Anforderungen gestellt hätte, hätten die Downhiller kein Interesse gezeigt."
Diese Aussage ist nicht Korrekt, denn das genannte Areal nahe Brands Busch wurde aufgrund der Zielvorstellung (eine langfristige Lösung zu gestalten) von BEIDEN Seiten abgelehnt.
Dieser unterschied ist deshalb wichtig, weil aus der oben gemachten Aussage für mich der Eindruck entsteht, die „Downhiller“ seien nicht zufrieden zu stellen und überhaupt könne man mit “denen“ keine Lösung finden.

Zu dem, wer genau sind eigentlich die Downhiller?
Dieser Begriff wird oft als Sammelbecken für Rücksichtlose Radfahrer im Naturraum verwendet, und vermischt sämtliche Disziplinen des Radsports mit einander. Eine genauere Beschreibung, sowie der Verweis auf die Initiative als Gesprächspartner wäre hier wünschenswert gewesen.
Oder wurde hier diese als: "nicht-organisierte Mountainbiker" bezeichnet?

Beispiele wie die Downhill Strecke in Detmold sein an dieser Stelle erwähnt, um zu verdeutlichen wie wichtig das Gespräch zwischen den Akteuren, das passende Gelände und die Streckenführung ist, um somit zu einer langfristigen Lösung zu finden.
In Detmold ist dieser Versuch gescheiter, in direkter Nachbarschaft zu der legalen Strecke werden illegale Strecken angelegt und genutzt.

Bielefeld - ein hoffnungsloser Fall

Ach ja... Bielefeld und Mountainbiken - die unendliche Geschichte...
Auch ich habe mich Jahre für eine legale Strecke eingesetzt und Freizeit, Geld und Nerven ver(sch)wendet.
Man stößt bei allen (!!) Behörden auf Widerstand: Die Untere Wasserbehörde hat dies zu mäkeln, der Förster das, die Landschaftbehörde wieder jenes - wenigstens sind sich alle einig:
Man WILL einfach keine biker im Wald.
So einfach ist das.
Einfachster Grund:
Die machen den nämlich kaputt!
Gesagt, verboten und direkt danach in den Wald, um beim Geocaching, Gassigehen und Pilze suchen mitten durch die Botanik zu pflügen... (... was biker übrigens nicht tun - die bleiben auf dem - präparierten - Weg.)
Uns bikern wird vorgeworfen, Feinwurzeln zu zerstören... Haach, herrlich...
Dass so ein Harvester Grobwurzeln zerstört, 15 kleine Bäume zersemmelt, um den großen da ganz hinten rausziehen zu können interessiert keine Pfeife!
Auch nicht, dass für diese Motormonster extra die (Wander)wege brutalst verbreitert werden und stumpft alles planiert wird, weil die ja erst mal überhaupt an ihren Arbeitsplatz kommen müssen...
Aber wir bösen biker machen alles kaputt – ja nee, is klar...
Erst letztens bin ich noch bis zur Nabe mit dem bike in einer ausgefahrenen Schlammspur versunken, die so ein erlaubtes (!) Forstfahrzeug in den Boden gefräst hat - die geht die nächsten 3 Jahre nicht weg, so tief ist die Spur und im Übrigen mal knapp 100 Meter lang!! Da bräuchte es 1000 biker, die tgl. ein Jahr auf der selben Stelle fahren, um so etwas hinzubekommen...
Komisch auch, dass sich im Quellental beim Rückbau eines Sprunghügels ein seltenes Salamander-Pärchen just IN diesem angesiedelt hatte - offensichtlich hatten denen das zusammengetragene Tot(!!)holz super gefallen. So schlimm kann das also nicht sein, wenn die beiden da ihre Honeymoonsuite aufgebaut hatten. Ab und zu rumpelte mal oben jemand drüber, aber das ist so wie mit der Straßenbahn an der Jöllenbecker: Da wackeln zwar die Gläser im Regal, aber man gewöhnt sich dran...

Zweites Argument:
Der Versicherungsschutz...
Blablabla... auch wieder eine dieser Totschlagausreden...
Dann erklärt diesen Trail bitte zur Sportstätte, dann passt das. Irgendwelche tollen Wiesen werden doch auch urplötzlich zum Baugebiet erklärt und... ZACK - steht der Bagger da und möllert die Blumen und Bienen weg. DA geht so was komischerweise immer... Dann ändert einfach mal die Vorschriften und strengt euch gefälligst an: Haftungsverzicht, Schilder "Benutzung auf eigene Gefahr" etc etc

Der Verweis auf die Parks im Sauerland ist auch klasse...
Hallo? Das sind über 100 km? Die kosten Eintrittsgeld, und zwar nicht zu knapp? Arbeitslos? Schüler? Autolos? Pech gehabt! Oder wollen die uns da jetzt die Fahrt- und Eintrittskosten zahlen? Super! Nehm ich.
Hiermit verweise ich übrigens beim Wunsch auf Fußballspielen auf das Wembley Stadion...
Komischerweise ist aber an jeder Ecke ein Bolzplatz.
1. Dafür scheint Geld da zu sein...
2. , weil die Kiddies aber sonst auch unterm Wohnzimmerfenster der Leute bolzen. Und das will auch wieder keiner.
Wir wollen auch "unseren Bolzplatz", damit wir uns da austoben können.
Komischerweise waren ja auch 500.000 (!!) Euro für die Skateanlage am Kesselbrink da.
Für uns ist kein einziger Cent da!
UNS würden schon 5000,- reichen, um was Sinnvolles zu basteln...

Anyway - nicht nur dass Bielefeld völlig RadUNfreundlich ist (auf alle bezogen), nein Mountainbiker scheint es regelrecht zu hassen. Dabei wären die Bedingungen mit dem Teuto hier echt gut...
Noch schlimmer ist fast, dass Bielefeld hier einfach mal touristisch auch was verschläft, denn noch nie hat es so viele Gemeinden gegeben, die das Potenzial des bikens erkennen und Parks und auch Trails legal anlegen und kostenlos oder aber gegen Gebühr zur Nutzung anbieten: Emser Bikepark, Trailpark Mehring, Trailcenter Rabenberg, Trailcenter Winterberg, Trailpark Brilon um nur ein paar wenige zu nennen. Hier hat man erkannt, dass man mit Mountainbikern eine (im Übrigen sehr zahlungskräftige!) Zielgruppe anspricht, die von unter 15 bis über 65 Jahren reicht und bereit ist, richtig Geld für ihr Hobby auszugeben: Übernachtung, Essen, Reparaturkosten, Ersatzteile, geführte Touren, Techniktraining usw usw

In sofern ist Bielefeld immer noch das, was es schon immer war und auch immer bleiben wird:
Die freundliche Baustelle am Teutoburger Wald.

Nicht mehr und nicht weniger.

Manche behaupten sogar, es gäbe Bielefeld gar nicht.
Mountainbike-technisch kann man nur sagen: Ja, da habt ihr völlig Recht.

Gute Nacht.

Unfähig und Verlogen

Ich habe mich selber einige Jahre dafür eingesetzt legal angelegte Mountainbike strecken im Raum Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Politik, Forstamt, etc. zu realisieren. Dabei musste ich aber feststellen, dass es von Anfang an kein ehrliches Interesse vonseiten der Verantwortungsträger gab, eine Lösung für das Problem herbeizuführen und stattdessen, lieber den Status quo aufrecht zu erhalten. Der bedeutet, es gibt keine einzige legale Mountainbike Strecke in und um Bielefeld und deswegen wird lieber die Illegalität dieser Strecken toleriert. Das heißt aber auch, dass dabei das Risiko der Haftung und des Unfallschutzes auf die Mountainbiker und vor allem auf die jugendlichen Mountainbiker die diesem Hobby/Sport nachgehen abgewälzt wird. Dabei finde ich die Verlogenheit der Verantwortlichen am erschreckendsten, denn natürlich gibt seit vielen Jahren bestehende Mountainbike Strecken in und um Bielefeld, die stillschweigend geduldet und keines Wegs abgerissen werden.
Statt Verantwortung für alle Waldnutzer wie Fußgänger und Mountainbiker zu übernehmen, wird lieber weggesehen und den schwarzen Peter den ach so bösen, bösen sogenannten Downhillern zugesteckt. Doch ist dieser Begriff ist total irreführend und falsch, denn „Downhill“ fährt nahezu jeder Mountainbiker. Es gibt zwar auch einige die lieber berghoch „Uphill“ fahren, doch die meisten fahren lieber Downhill, d.h. bergab und wenn es dabei dann kleine Hindernisse wie Sprünge und Kurven gibt, umso besser.
Eine denkbar einfache Lösung wäre, wie sie auch in vielen anderen Mountainbike Regionen praktiziert wird, ein paralleles Streckennetzt zu bestehenden Wander- und Forstwegen. Dabei könnten beispielsweise ca. 1 -2 Meter neben bestehenden Wegen schmale Mountainbike Trails/Strecken angelegt werden, die auch dementsprechend präpariert und gekennzeichnet sind und sofort wären fast alle Probleme vom Tisch. Das ganze neu entstehende Streckennetz nennt man dazu noch Mountainbike Trailpark und sofort hätte man dazu weiter touristische und ökonomischen Vorteile generiert.

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