E-Autofahrer Thomas Skotnicki schreibt an den Oberbürgermeister Überall in Bielefelds City fehlen Ladesäulen

Bielefeld(WB). Dicke Luft in der City, dicke Luft bei Fahrern von Elektroautos. »Die Infrastruktur für E-Mobilität in Bielefeld ist unterirdisch«, sagt Thomas Skotnicki (51): »Es fehlen Ladesäulen.« Beispiel Niederwall: Da gibt es vier Steckdosen, aber nur zwei Parkplätze. 13 Monate nach der ersten Kritik hat sich noch nichts getan.

Von Michael Diekmann
Ärgerlich: Für zwei Ladedosen gibt es nur einen Parkplatz. Thomas Skotnicki steht verbotenerweise am Gehweg.
Ärgerlich: Für zwei Ladedosen gibt es nur einen Parkplatz. Thomas Skotnicki steht verbotenerweise am Gehweg. Foto: Mike-Dennis Müller

Volker Gervers kennt das Pro­blem gegenüber dem Stadttheater sehr gut. Gervers, bei den Stadtwerken für Elektromobilität zuständig, beobachtet das ständige Ärgernis für die Fahrer der E-Autos genau. Und er signalisiert Besserung. »Wir warten aktuell auf einen Förderbescheid«, sagt Gervers. Damit sollen dann die zwei modernen Ladesäulen vom Niederwall etwa 50 Meter weiter am Alex aufgestellt werden. Da bietet die vorhandene Parkbucht auch Platz für dann vier Autos, unterstreicht der Fachmann. Er vermutet: »Dann funktioniert das Laden auch ohne Probleme mit dem Ordnungsamt.«

Tatsächlich hatte ein Knöllchen für Falschparken beim Laden seines E-Golf Thomas Skotnicki dazu bewogen, einen Brief an den Oberbürgermeister zu schreiben. Skotnicki hatte, weil die zwei Parkplätze in den Buchten von Autos belegt waren, seinen Wagen zum Laden auf die wassergebundene Splittdecke neben dem Gehweg gefahren. Und prompt kassierte er ein Knöllchen. Das Knöllchen, räumt der Bielefelder ein, gehe in Ordnung. Seine Kritik richtet sich vielmehr an die Stadt: »Wie viele andere Städte auch schläft Bielefeld tief und fest. Außer leeren Versprechungen, denen keine Taten folgen, hört man nicht viel.«

Warten auf Förder-Zsuagen

Bereits vor einem Jahr hatte Ralf Knigge (57) von der Stadt Bielefeld ein Signal gefordert. Der Queller fährt ein Auto vollelektrisch, hatte Ende 2016 im WESTFALEN-BLATT auf die Situation am Niederwall aufmerksam gemacht. Die Stadtwerke hatten damals bestätigt, »vier Säulen mit zwei Parkplätzen seien nicht logisch«. Tatsächlich hatte es seit 2015 keine zusätzlichen neuen Ladesäulen gegeben. Exakt 13 Monate später bei Volker Gervers nachgefragt, bestätigt der Stadtwerke-Mitarbeiter, man warte händeringend auf Zusagen auf gestellte Förderanträge. Allein in diesem Jahr möchte der Versorger in Bielefeld 30 neue Lademöglichkeiten einrichten. Installiert ist noch keine. Dafür ist der Ladefox am Rathaus schon abgebaut.

Thomas Skotnicki, der seit eineinhalb Jahren elektrisch fährt, sieht hinter dem Thema ein eher grundsätzliches Bielefelder Pro­blem: »Auf vollmundige Bekenntnisse und Ankündigungen folgt lange nichts.« Wobei den Angestellten, der im hochmodernen Schlachthofviertel (natürlich ohne Lademöglichkeiten) wohnt, die Frage bewegt, ob Verwaltung politischen Willen nicht umsetzt oder die Mobilitätswende in der Großstadt gar nicht politisch gewollt ist: »Stadtplaner haben das zu verantworten. Die Säulen stehen wie am Theater auch noch mitten im Dreck. Bei nassem Wetter ist das Kabel dreckig, das Auto dreckig, die Kleidung dreckig, die Hände sowieso.«

Den Anschluss verpasst?

Thomas Skotnicki fürchtet nicht nur beim Thema Ladesäulen, dass Bielefeld den Anschluss verpassen könnte. Ähnliches lasse, glaubt er, das Thema schnelles Internet befürchten: »Obwohl ich in der Innenstadt lebe, ist die Schnelligkeit der Datenverbindung mehr als bescheiden.«

Vom Rathaus erhofft sich Thomas Skotnicki ein schnelles Umdenken. Angesichts der verschärften Diskussion um Feinstaub am Jahnplatz wächst die Nachfrage nach E-Autos. Es müsse sich dringend etwas an den Rahmenbedingungen in Bielefeld ändern – damit die Bürger ihre Entscheidung für ein Elektroauto nicht in Windeseile bereuen. Die Reaktion der Stadtspitze auf Skotnickis Brief hat den Autor nicht verwundert: Es hat bislang keine gegeben.

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