Beim Neujahrsempfang wirbt Clausen für mehr Gelassenheit Den Jahnplatz »neu denken«

Bielefeld (WB). Schön, dass das Wort Heimat wieder salonfähig geworden sei, fand Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) beim Neujahrsempfang der Stadt im Rathaus. Er lobte »seine« Stadt, gestand aber ein, dass sie ein paar Macken hat.

Von Burgit Hörttrich und Michael Schläger

Zu viele Baustellen zum Beispiel. »Sie können mir glauben, ich fluche genauso wie Sie, wenn es mal wieder nicht läuft«, sagte Clausen. Eine neue Baustellen-»Task Force« solle jetzt dazu beitragen, dass es zumindest mit der Kommunikation besser klappt. Aber: »2018 wird in Sachen Verkehr nicht wirklich entspannter.« Dafür werde schon die Sanierung der drei Eisenbahnbrücken im Innenstadtbereich sorgen.

Deutlich mehr Gelassenheit empfahl der OB beim Thema Jahnplatz, »einem weiteren Aufreger des vergangenen Jahres«. Die Schadstoffbelastung müsse gesenkt werden. »Das kann kurzfristig nur durch Verkehrslenkungen bewirkt werden. Dabei wäre ein generelles Diesel-Fahrverbot eine denkbar blöde Regelung.« Clausen empfahl, den Jahnplatz »neu zu denken«, ÖPNV und Fahrradnutzung müssten weiter ausgebaut, die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Auch Überlegungen, am Containerbahnhof ein City-Logistik-Verteilzentrum einzurichten und so den Lieferverkehr in der Innenstadt zu entlasten, findet der Rathaus-Chef richtig.

Clausen: »Ich bin kein Fan der Groko«

Ausdrücklich begrüßte der Oberbürgermeister, dass die neue schwarz-gelbe Landesregierung eine Medizinische Fakultät an der Uni Bielefeld einrichten möchte. »Ich habe keine Scheu zuzugeben, dass ich das aus Bielefelder, insbesondere aber auch aus regionaler Sicht richtig gut finde.« Dass er jemals gegen die Fakultät gewesen sei, sei »Blödsinn«.

Auch auf die am frühen Freitagmorgen erzielte Einigung von CDU und SPD bei den Sondierungsgesprächen in Berlin ging Clausen ein: »Ich bin kein Fan der Groko. Aber wenn die Kleinen kneifen, müssen die Großen eben wieder ran.« Er hoffe jetzt auf erfolgreiche Koalitionsgespräche.

An Stelle von Musik, bislang bei Neujahrsempfängen »gesetzt«, überraschte Gastgeber Pit Clausen die gut 150 Gäste im Rochdale-Raum des Alten Rathauses mit dem Auftritt des Poetry-Slammers Kolja Fach (19). Zum 150-Sekunden-Film der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Wege mit dem Titel »Heimat, Wirtschaft, Zukunft« stellte Fach seine Heimatstadt Bielefeld als Performance vor. Damit hat er Erfahrung: Der von ihm betextete und vertonte Imagefilm der Stadt wurde im Spätsommer 2017 veröffentlicht und erreichte innerhalb der ersten Woche über 100.000 Aufrufe.

Poetry-Slammer liest Texte

Am Freitagabend präsentierte er seine Texte live, erntete Gelächter bei den Arminia-Einblendungen und sagte, in Bielefeld gebe es »Carnival das Kulturen eigentlich das ganze Jahr«. Dafür bekam er Applaus unter anderem von Unternehmer Ortwin Goldbeck, Alt-Oberbürgermeister Eberhard David, Sparkassen-Chef Michael Fröhlich, Dechant Klaus Fussy und Superintendentin Regine Burg.

Nach dem offiziellen Teil sorgte das Gastro-Unternehmen »Sternzeit« fürs leibliche Wohl– auf (erweiterte) westfälische Art. Es gab Landbrote mit Schnippelschinken, Möhren-Ingwer-Suppe, Bratapfel-Creme – und Currywurst.

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