Zu wenig Polizisten: Auf vielen Bahnhöfen sind die Wachen nachts zu Jede vierte Stelle unbesetzt

Bielefeld/Paderborn/Düsseldorf (WB). Die Bundespolizisten, die für Sicherheit in Zügen, Bahnhöfen und auf Flughäfen zuständig sind, arbeiten in Nordrhein-Westfalen am Limit.

Von Christian Althoff
Zwei Bundespolizisten gehen im Bahnhof Streife: Ihre Zuständigkeit endet vor dem Gebäude.
Zwei Bundespolizisten gehen im Bahnhof Streife: Ihre Zuständigkeit endet vor dem Gebäude. Foto: dpa

Von Banden verübte Taschendiebstähle, Gewaltdelikte, illegal Eingereiste, Kabeldiebstähle – Bundespolizisten haben gut zu tun. 3042 Beamte hat das Bundesinnenministerium für das bevölkerungsreichste Bundesland vorgesehen. Weil Stellen nach Pensionierungen aber nicht besetzt und Beamte wegen der Flüchtlinge an die deutsch-österreichische Grenze abgeordnet wurden, stehen in NRW tatsächlich nur 2292 Bundespolizisten zur Verfügung – 25 Prozent weniger als vorgesehen. Jede zweite Bundespolizeiwache an den Bahnhöfen in NRW ist nachts nicht mehr besetzt.

Bielefeld und Paderborn rund um die Uhr besetzt

Diese Zahlen nannte gestern die Gewerkschaft der Polizei bei einer Expertenanhörung im Innenausschuss des Landtags, bei der es vor allem um die Sicherheit auf Bahnhöfen und in Zügen ging. GdP-Sprecher Jürgen Gerdes von der Bundespolizei in Münster: »In Ostwestfalen-Lippe sieht es besser aus als im Landesdurchschnitt. Wir haben hier 90 Prozent der Stellen besetzt und können unsere Reviere in den Bahnhöfen Paderborn und Bielefeld schon seit einiger Zeit wieder rund um die Uhr besetzen.« Das habe die Stimmung unter den Beamten deutlich verbessert. Von Bielefeld und Paderborn aus würden auch Kontrollen auf den übrigen Bahnhöfen Ostwestfalen-Lippes durchgeführt.

Schlechter sieht es im Rheinland aus. Die Direktion in Aachen sei beispielsweise mit halber Mannschaft für fast 50 Bahnhöfe zuständig und müsse noch die deutsche Westgrenze im Auge haben. Jeder Beamte habe im Schnitt 130 Überstunden angehäuft. »Weil kaum noch Beamte im Grenzgebiet unterwegs sind, können wir keine Angaben dazu machen, wer da alles zu uns kommt«, sagte Gerdes dem WESTFALEN-BLATT.

Der Bund hat das Defizit erkannt und plant mit bundesweit 7300 neuen Stellen bis 2022. Die Gewerkschaften meinen aber, das reiche nicht.

Mangelhafte Zusammenarbeit

Mehr Personal ist aber nicht alles. Kritisiert wurden auch fehlende Videoüberwachung auf Bahnhöfen, Probleme mit dem Digitalfunk in Unterführungen und eine mangelhafte Zusammenarbeit zwischen der Landespolizei und anderen Sicherheitsbehörden. Sebastian Fiedler, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter: »Wenn Streifenpolizisten nachts einen Blitzeinbrecher über die Autobahn verfolgen, erfährt der Zoll zum Beispiel nichts davon – obwohl er möglicherweise mit einem Streifenwagen an der Strecke steht.«

Gleiches gelte für die Bundespolizisten auf Bahnhöfen. »Wir müssen uns besser verzahnen. Das könnte mit gemeinsamen Leitstellen gelingen oder über Kontaktbeamte.«

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