Angriff in Fußgängerzone: Weil Schwurgericht Fall nicht annimmt, urteilt Amtsrichterin Messermann soll ins Gefängnis

Bielefeld (WB). Nach langem juristischem Hin und Her zwischen Amts- und Landgericht Bielefeld um einen blutigen Messerangriff mit einem Schwerverletzten in der Fußgängerzone Niedernstraße ist der Fall vorerst abgeschlossen. Mehr als zwei Jahre und zwei Monate nach der Tat verurteilte Amtsrichterin Barbara Fischer-Muermans einen Bielefelder (40) zu drei Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung mit einem Einhandmesser.

Von Jens Heinze
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Zudem wurde der Mann wegen der Beleidigung des Opfers (22) schuldig gesprochen. »Ich sehe nichts, was zu ihren Gunsten spricht«, warf die Richterin dem Angeklagten jegliches Fehlen von Reue vor. Der 40-Jährige hatte sich während des gesamten Prozesses – erster Verhandlungstag war der 14. Juli 2016 – nicht zum Tatvorwurf geäußert. Dem drogenabhängigen, vierfach vorbestraften Bielefelder hatte vor der gestrigen Urteilsverkündung der psychiatrische Sachverständige Dr. Marc Schröder die uneingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert.

Berufung wird geprüft

Verteidiger Henning Jansen, der wie Oberamtsanwalt Markus Ehresmann von der Staatsanwaltschaft auf eine Bewährungsstrafe plädiert hatte, kündigte unmittelbar nach Prozessende Rechtsmittel gegen das Urteil an. Es werde die Berufung zum Landgericht geprüft, teilte der Verteidiger mit.

Zufrieden zeigte sich dagegen Opferanwalt Dr. Carsten Ernst. Die Amtsrichterin habe ein »deutliches und richtiges Signal« gesendet, sagte der Bielefelder Jurist. »Wer grundlos in der Stadt einen Menschen niedersticht, der geht ins Gefängnis.« Nach Meinung des Opferanwaltes handele es sich bei dem Messerangriff des 40-Jährigen um ein versuchtes Tötungsdelikt, für das das Schwurgericht zuständig sei. Rechtsanwalt Ernst: »Weil das Schwurgericht bei der Tat aber keine Tötungsabsicht gesehen hat, wurde der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt.«

22-Jähriger war Zufallsopfer

Einig waren sich die Prozessparteien nur in einem Punkt: Der 22-Jährige, dem der Angeklagte drei teils tiefe Schnittwunden an Unterarm und Rücken zugefügt hatte, war ein Zufallsopfer. »Es hätte jeden treffen können«, sagte Amtsrichterin Fischer-Muermans über die Tat vom frühen Abend des 31. Oktober 2015. An jenem Samstag »suchte der Angeklagte die Konfrontation«, fasste Oberamtsanwalt Ehresmann beim Plädoyer das Geschehen zusammen.

Wie Zeugen übereinstimmend berichteten, rempelte der Bielefelder mitten in der belebten Fußgängerzone Niedernstraße zuerst gezielt die ihm völlig unbekannte Freundin des späteren Opfers an und beleidigte die Frau. Als der 22-Jährige sich schützend vor seine Lebensgefährtin stellte, beleidigte der Angeklagte den jungen Mann ebenfalls und griff dann zu seinem Einhandmesser mit 8,5 Zentimeter langer Klinge.

Nach der Tat flüchtete der Bielefelder, wurde aber drei Tage später von Kripofahndern festgenommen. Ein Zeugenhinweis führte die Polizei auf die Spur des gesuchten 40-Jährigen.

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