Experte gibt Tipps – kaum Fälle gemeldet Norovirus: »Zwei Tage länger pausieren«

Bielefeld (WB/sas). In der Kardiologie des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) ist die Lage nach dem Auftreten mehrerer Norovirus-Fälle weiter entspannt. Auch beim Gesundheitsamt sind kaum weitere Fälle gemeldet.

Evangelisches Klinikum Bielefeld
Evangelisches Klinikum Bielefeld Foto: Thomas F. Starke

»In der allgemeinen Bevölkerung gibt es nichts Besonderes, wir haben nur ganz vereinzelte Meldungen«, sagt Dr. Peter Schmid, stellvertretender Amtsleiter und für den Gesundheitsschutz zuständig. Er geht allerdings von einer »Riesen-Dunkelziffer« aus – einfach, weil eine Norovirus-Erkrankung, die mit heftigem Durchfall und schwallartigem Erbrechen einhergeht, in der Regel so schnell wieder geht, wie sie kommt. Und zudem gehe es den Betroffenen nach zwei Tagen wieder besser. Gefährlich kann eine Infektion für kleine Kinder und ältere Menschen werden, weil sie von hohem Flüssigkeitsverlust begleitet wird. Den gilt es auszugleichen.

»Der Vorbote einer Welle«

»Wichtig ist, dass Betroffene, auch wenn es ihnen schlagartig besser geht und der Durchfall abgeklungen ist, noch zwei Tage zuhause bleiben. Denn so lange sind sie noch infektiös«, betont Prof. Dr. Dr. Niels Rahe-Meyer, Chefarzt im Franziskus Hospital und dort Leiter für Hygiene und Infektiologie. Also solle man nicht den Helden spielen und wieder zur Arbeit gehen – und selbstredend auch keine Konzerte oder Kneipen besuchen. Denn der Noro-Erreger ist hochansteckend.

Was im EvKB passiere sei der Vorbote einer Welle, wie sie jedes Jahr in der kalten Jahreszeit auftrete, meint Rahe-Meyer. »Das spiegelt die Norovirus-Belastung in der Bevölkerung wider.« Da die Inkubationszeit sechs bis 50 Stunden beträgt, bedeutet das auch, dass ein Mensch ohne Symptome bereits Überträger sein kann.

»Mit strikter Hygiene ist eine Übertragung zu verhindern«

Rahe-Meyer hat einen Tipp für betroffene Familien: »Die Übertragung erfolgt in der Regel über Schmierinfektionen. Mit strikter Hygiene ist eine Übertragung zu verhindern.« Aber es gibt eine Besonderheit: Da die Viruspartikel sehr klein seien, können sie auch über die Luft übertragen werden. »Wer nach dem Erbrechen oder Durchfall die Toilettenspülung betätigt, sollte deshalb den Toilettendeckel rasch schließen. Durch die Verwirbelung können sonst Tröpfchen und damit Keime aufsteigen, die Luft ist dann eine Weile mit Viren geschwängert.«

Im Klösterchen, ergänzt Geschäftsführer Dr. Georg Rüter, ist man aus Hygiene-Gründen bei Patientenkontakten auch zu Kurzarmkitteln übergegangen. »Die Hände sind die größte Gefahrenquelle, wenn es um die Übertragung von Krankheitserregern geht. Und ein Langarmkittel hat dann unten auch eine gewisse Besiedlung.« Wissenschaftlich stark belegt sei das zwar nicht, aber der Zusammenhang sei gegeben. In den Niederlanden seien Kurzarmkittel daher auch Standard.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.