Luftqualität wird kontinuierlich überwacht Neuer Messcontainer am Jahnplatz ist aufgestellt

Bielefeld (WB/MiS). Ein neuer Messcontainer ermittelt seit Donnerstagmorgen ergänzende Stickstoffdioxid-Werte für den Jahnplatz. Landesumweltamt (Lanuv) und Bezirksregierung folgen damit einer Forderung,  die vor allem von der Bielefelder CDU und den Wirtschaftsverbänden aufgestellt worden war .

Christoph Rühlemann bei Montagearbeiten am neuen Messcontainer auf dem Jahnplatz
Christoph Rühlemann bei Montagearbeiten am neuen Messcontainer auf dem Jahnplatz Foto: Bernhard Pierel

»Wir rechnen allerdings nicht mit deutlich abweichenden Resultaten«, sagte Angelika Notthoff, im Lanuv Abteilungsleiterin für den Bereich Luftqualität. Aktuelle Messergebnisse können ab Montag im Internet von jedermann abgerufen werden. Lutz Kunz, Leiter der Umweltabteilung bei der Detmolder Bezirksregierung, erklärte, der neue Luftreinhalteplan für Bielefeld werde auf der Grundlage der bisherigen Messergebnisse erstellt.

Nach den Vorschriften der Europäischen Union ist für das Aufstellen eines Luftreinhalteplans beim Stickstoffdioxid stets der Jahresmittelwert an einem offiziellen Messpunkt entscheidend. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Der vom Lanuv in einem Baum an einer viel angefahrenen Bushaltestelle am Jahnplatz angebrachte Passivsammler kam auf 49 Mikrogramm. Der daraus resultierende Luftreinhalteplan könnte ein Diesel-Fahrverbot beinhalten.

Hoffnung auf »verlässlichere Ergebnisse«

Genau dagegen und weitere verkehrsbeschränkende Maßnahmen laufen IHK, Handwerkskammer, Handelsverband und Teile der Politik Sturm. Der Bielefelder CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok hatte Anfang Dezember erneut erhebliche Zweifel am bisher verwendeten Messverfahren geäußert: »Hier wird eine Falschauslegung von EU-Recht als Legitimation für eine einseitige Stadtplanung genutzt.«

Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL, hofft, dass der neu aufgestellte Messcontainer, der sich in unmittelbarer Nähe zum bisher genutzten Passivsammler befindet, »verlässlichere Ergebnisse« liefern werde. »Wir messen selbst seit April 2017 an drei Stellen am und rund um den Jahnplatz. Bisher ist zu keinem Zeitpunkt der Grenzwert überschritten worden.« Kunz geht davon aus, dass dies bis April dieses Jahres auch nicht mehr geschehen werde. Dann will der Handelsverband einen eigenen Jahresmittelwert präsentieren.

Daniela Becker (IHK) bedauerte am Donnerstag , dass der neue Luftreinhalteplan nun doch noch auf den Werten des bisher ausschließlich genutzten Lanuv-Passivsammlers aufbauen werde. Wolfgang Borgert (Handwerkskammer) plädierte dafür, die neuen Messergebenisse in die weiteren Beratungen einzubeziehen.

Auswertung dauert an

Wann der neue Luftreinhalteplan vorliegen wird, konnte Lutz Kunz Donnerstag noch nicht sagen. Die Auswertung der Vorschläge zur Schadstoffreduzierung durch das Landesumweltamt dauere an. Zu diesen Vorschlägen zählt auch die geplante Reduzierung der Fahrspuren auf dem Jahnplatz von vier auf zwei. Liege die Auswertung vor, werde erneut die Projektgruppe zusammentreten, die darüber dann beraten müsse.

Die Projektgruppe setzt sich zusammen aus Vertretern von Bezirksregierung, Stadtverwaltung, Wirtschafts- und Umweltverbänden. Ihr wird dann anschließend auch der Entwurf des neuen Luftreinhalteplans vorgestellt, bevor die Öffentlichkeit beteiligt wird. Bis zu einem Inkrafttreten dürften noch Monate vergehen.

Standort-Auswahl nach EU-weit einheitlich festgelegten Kriterien

Die Vertreter des Landesumweltamtes betonten Donnerstag, dass Messungen mittels Container oder Passivsammler gleichwertig seien. Die Auswahl der Messpunkte erfolge nach EU-weit einheitlich festgelegten Kriterien. Sie schreiben vor, dass in Bereichen gemessen werden solle, in denen die Bevölkerung besonders hohen Belastungen ausgesetzt sei. Der Bereich zwischen Jahnplatz und Friedrich-Ebert-Straße sei dafür typisch, so Lanuv-Abteilungsleiterin Notthoff: »Eine enge bebaute Straße, hochgezogene Häuser.«

Ein Vorteil des weiterhin eingesetzten Passivsammlers sei, dass dieser einfach anzubringen und kostengünstiger sei. Allerdings liefere der Passivsammler nur Monatsmittelwerte. Mit einem Messcontainer könne die aktuelle Luftqualität kontinuierlich ermittelt werden. In Bielefeld sind Container bereits an der Detmolder Straße und an der Hermann-Delius-Straße im Einsatz. Die Stundenwerte können direkt im Internet auf den Seiten des Lanuv abgerufen werden.

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