Vivian Golz macht 15 Minuten Herzdruckmassage Studentin rettet Mann das Leben

Bielefeld (WB). »Ich habe eigentlich nur noch funktioniert ohne nachzudenken«, sagt Vivian Golz. Ihr Funktionieren hat einem Menschen das Leben gerettet: Fast eine Viertelstunde lang hat sie eine Herzdruckmassage durchgeführt, bis die Rettungssanitäter kamen.

Von Sabine Schulze
Vivian Golz (22) hat durch beherztes Zupacken einen Menschen gerettet.
Vivian Golz (22) hat durch beherztes Zupacken einen Menschen gerettet. Foto: Klinikum Bielefeld

Es war der 30. November. Vivian Golz hatte mit ihrer Mutter einen Einkaufsbummel im Loom gemacht. Als die 22-Jährige aus dem Parkhaus herausfuhr, sah sie einen älteren Mann, der schwankte, stolperte und stürzte. Vivian Golz, die Gesundheits- und Pflegewissenschaften studiert und den praktischen Teil am Klinikum Bielefeld absolviert, zögerte nicht: Sie stellte ihr Auto ab, um nach dem Verunglückten zu sehen. Der war blau angelaufen und biss sich auf die Zunge. »Zuerst dachte ich, er hätte einen epileptischen Anfall«, erzählt Vivian Golz. Dann bemerkte sie, dass der Mann keinen Puls mehr hatte und begann mit dem, was lebensrettend ist: mit der Herzdruckmassage. »Ich war auch einige Zeit auf der Intensivstation, da lernt man alles«, resümiert sie.

»Mit der Herzmassage erreicht man schon viel«

Da der Mann auf das Gesicht gefallen war, blutete er stark, deshalb verzichtete die 22-Jährige auf eine Beatmung, zumal sie ausgerechnet an diesem Tag ihren Schlüsselanhänger mit integrierter Beatmungsmaske nicht dabei hatte. »Aber mit der Herzmassage erreicht man schon viel.«

In der konkreten Situation, aber auch im Nachhinein noch war und ist Vivian Golz konsterniert über die Menschen, die um sie herumstanden und gafften. »Ich weiß nicht, ob auch noch jemand gefilmt hat. Aber was wirklich traurig ist, dass nicht einer gefragt hat, ob er helfen kann.« 15 Minuten hat sie im schnellen Takt die Pump-Funktion des Herzens aufrecht erhalten, dann kam der Rettungswagen. »Ich habe später gehört, dass quasi zeitgleich fast 15 Notrufe eingegangen waren«, erzählt sie.

»Ein unbeschreibliches Gefühl«

Unglaublich erleichtert war Vivian Golz, als die Profis ihr sagten: »Er ist wieder da.« – »Das war ein unbeschreibliches Gefühl.« Da spielte auch der heftige Muskelkater, den sie am nächsten Tag hatte, keine Rolle mehr. »Ich konnte kaum die Arme heben.« Zum Dienst auf der chirurgischen Station der »Rosenhöhe« war sie nach ihrer Rettungsaktion zudem auch noch angetreten.

Mittlerweile, weiß sie, ist der ältere Herr in einer Reha-Einrichtung. Natürlich hatte es sich Vivian Golz nicht nehmen lassen, in am Krankenbett zu besuchen, hatte über Notarzt, Rettungssanitäter und Feuerwehr seinen Namen besorgt – schließlich musste sie ihm auch noch seine Brille bringen, die sie reflexartig eingesteckt hatte. »Er hat sich sehr bei mir bedankt und gesagt, seine Enkelkinder bräuchten ihn noch.« Umgekehrt hatte sich auch die Familie des Geretteten bereits bei der Feuerwehr nach dem Namen der couragierten Ersthelferin erkundigt, um sich zu bedanken.

Vivian Golz lobt ausdrücklich auch die Sanitäter, die an die Gefühlslage der 22-Jährigen dachten und sie fragten, ob sie seelische Unterstützung benötige. Die wollte die Studentin nicht. Ihr war einfach nur wichtig, dass sie helfen konnte.

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