Jahreswechsel mit Kontrasten: Bielefelder feiern auch an ungewöhnlichen Orten Eine eigentlich ganz normale Nacht

Bielefeld (WB). Die Menschen in Bielefeld haben in Kirchen, im Theater, ja sogar im Zirkus den Jahreswechsel erlebt. Ruhig und bestimmt haben sie 2017 ausklingen lassen und in Besinnung das Jahr 2018 begrüßt; mit weniger Alkohol als sonst, und an ungewöhnlichen Orten, mit nur auf den ersten Blick unüblichen Betätigungen.

Von Uwe Koch
Die bunte Welt der Weltklasse-Artisten: Tony Garcia (vorn rechts) feiert mit Kollegen den Ausklang eines fantastischen Jahres, Flic-Flac-Chefin Gabi Kastein serviert den Neujahrsschluck für 2018.
Die bunte Welt der Weltklasse-Artisten: Tony Garcia (vorn rechts) feiert mit Kollegen den Ausklang eines fantastischen Jahres, Flic-Flac-Chefin Gabi Kastein serviert den Neujahrsschluck für 2018. Foto: Bernhard Pierel

Es gibt in Bielefeld nur wenige Fitnessstudios, die tatsächlich an 365 Tagen im Jahr und jeweils 24 Stunden an jedem Tag geöffnet sind. Also tummeln sich auch am Silvesterabend im FitX an der Detmolder Straße Menschen, die hier die »Muskeln spielen lassen«. Elias kommt aus Ubbedissen, will »später noch mit Freunden feiern«. Aber vorher spult der 15-jährige Schüler sein Trainingsprogramm ab. Genauso wie Jurastudentin Melanie (28) an der Hantelbank. Sie stemmt 80 Kilo und nimmt auf den Silvestertag keine Rücksicht. »Ich zieh´ mein Trainingsprogramm durch, ich will in 2018 mit Bodybuilding anfangen.« Auf Diät ist sie schon, Alkohol ist da sowieso »nicht ihr Ding«.

Saubere Wäsche hat Vorrang

Corinna van den Bruch wäscht bis Mitternacht im Waschsalon ihre Wäsche. Foto: Bernhard Pierel

Silvester ist auch in den Waschsalons der Stadt eher ein Thema am Rand. Hier wird bis Mitternacht gewaschen und getrocknet. Saubere Wäsche ist für Corinna van den Bruck (26) vorrangig. »Feiern werde ich später mit einer guten Freundin – bei mir.« Da gibt´s dann »Raclette und Käsefondue«, die Mädels brauchen »das volle Programm«. Und warum nicht zur Sparrenburg, warum nicht auf den Boulevard? »Zu laut, zu dreckig, zu kalt«, sagt die Soziologiestudentin, angehende Theatertherapeutin und Tanzlehrerin lachend.

Nebenan das eher dramatische Kontrastprogramm: Angelika (40) ist trockene Alkoholikerin. Sie will ihr Leben »nach der X-ten Engiftung« in Bethel in den Griff kriegen. Ausgerechnet an Silvester hat sie ihren Freund nach einem Kollaps in die Klinik gebracht. Für Alkohol ist da an diesem Tag kein Platz. »Ich reagiere Gott sei Dank auch allergisch auf das Zeug.«

Sekt für die Artisten

Gar nicht empfindlich reagiert der Spanier Tony Garcia, wenn er seine Jonglierbälle in den Händen hält. Zu einem Glas Sekt müssen ihn die Kollegen im Zirkus Flic Flac schon überreden, als die 40 Artisten an der Radrennbahn ihre letzte Vorstellung in 2017 in brillanter Manier beendet haben. Der 25-Jährige ist Artist »in der fünften Generation« und zum ersten Mal in der Weltelite der Zirkus-Künstler dabei. Den letzten Jahreswechsel hat er zu Hause in Madrid »mit meiner Familie gefeiert«; das Jahr 2018 begrüßt Tony in Bielefeld.

Elias aus Ubbedissen spult sein Trainingsprogramm auch am Silvesterabend ab. Foto: Bernhard Pierel

Das ist die Stadt, die Markus Heidbrink (35) und Thorsten Hüske (47) dagegen wie ihre Westentasche kennen: Sie sind Stadtbahnfahrer, verbringen ihre Silvester-Neujahrs-Schicht auf Vamos-Bahnen der Linie 2. Punkt zwölf geben sich die »Quereinsteiger« – Heidbrink ist gelernter Kfz-Mechatroniker, Hüske war Drucker – an der Endhaltestelle Altenhagen die Hand. »Ein frohes, gesundes neues Jahr« wünschen sich die Mobiel-Männer und bekräftigen das mit einem Schluck aus dem Kaffeebecher. An den Bielefelder Endhaltestellen stehen seit 23.40 insgesamt 17 Stadtbahnen. 39 Minuten nach Mitternacht setzen sich die tonnenschweren Züge wieder in Bewegung. »Mit Bedacht«, sagt Markus Heidbrink, fährt er stets. Und: »Jeder hat eben seinen eigenen Fahrstil«, doch das ist in dieser Nacht des Jahreswechsels völlig egal. »Es ist doch eigentlich nur ein ganz normaler Spätdienst.«

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