Weihnachts-Matinee des Bunker sorgt für beswingten Ausklang der Festtage Alles andere als besinnlich

Bielefeld (WB). »A one, an two, a three...« Hans-Herrmann Rösch, Leiter der Uni-Bigband, gibt den Ton an und schon swingt der große Saal der Rudolf-Oetker-Halle mit. Es ist die 13. Weihnachts-Matinee des Bunkers Ulmenwall, auf der allerdings alles erklingt, nur keine Weihnachtslieder.

Von Burgit Hörttrich
Shanty meets Metallica und das Ergebnis heißt »Shantallica«. Die Herren in bestem Alter eröffneten die Matinee.
Shanty meets Metallica und das Ergebnis heißt »Shantallica«. Die Herren in bestem Alter eröffneten die Matinee. Foto: Thomas F. Starke

Für die meisten der gut 1200 Besucher ist die Matinee längst Tradition: Ziel eines Spaziergangs, Ort, Freunde zu treffen, oder dafür, so mitzuwippen und mitzuschnippen, dass wenigstens ein paar Kalorien von Gans, Lebkuchen und Stollen »abgearbeitet« werden.

Schon als der etwas andere Shanty-Chor »Shantallica« im Foyer zur Begrüßung lautstark aufspielte, war das Publikum längst da. Entweder, um die stimmgewaltigen Herren im besten Alter zu erleben, oder um sich einen Platz in einem der kleineren der insgesamt fünf Räumlichkeiten zu sichern.

Nichts mehr gemein mit Besinnlichkeit?

Wer etwa in den Probenraum wollte, um NÉ-K oder »Schatulle« zu erleben, musste tunlichst früh kommen oder »Ellbogen« zeigen. Oder einfach vom Foyer aus lauschen.

Für die Bunker-Vorständler Wilfried Klei und Manuel Bürgel und Geschäftsführerin Lena Jeckel soll die Matinee gar nichts mehr gemein haben mit der Besinnlichkeit der Festtage. Sie setzen auf Spaß und musikalische Experimentierfreude – bei den Musikern und beim Publikum.

Im Kleinen Saal war schon vor dem Auftritt von »Molaski« kein Durchkommen mehr. Das steigerte sich noch zum Auftritt von »Electric Ulmenwall«, wenn der Saal quasi aus allen Nähten platzt.

Lyrik und Prosa zur Erholung

Wer ein wenig Erholung suchte, konnte sich Lyrik und Prosa anhören. Der Chiliverlag präsentierte zehn Autoren von Gedicht bis Krimi. Verschnaufpause für die, die vorher vielleicht versucht hatten, im kleinen Raum links vom Foyer Cellist Willem Schulz und Pianist Markus Schwartze zuzuhören. Da wurde es nicht nur den Musikern, sondern auch dem Publikum heiß ob der drangvollen Enge.

Den Veranstaltern ist wichtig, dass alljährlich ein komplett neues Programm geboten wird. Das Repertoire reichte jedenfalls von Jimi Hendrix bis Latin, von Improvisation bis Count Basie, von Country bis Groove.

Auf der großen Bühne löste das Final Bar Orchestra stimmig die Uni-Bigband ab. Deren Leiter Hans-Herrmann Rösch kümmerte sich auch um die korrekte Mikrofon-Einstellung: »Sechs, sieben, eine alte Frau kocht Rüben...«

Nach drei Stunden, als der letzte Ton verklungen war, ging das Publikum total beswingt nach Hause – zu den Resten von Weihnachtsgans, Rotkraut, Knödeln, Stollen, Keksen und den letzten Keksen vom Bunten Teller.

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