Tausende beim »Lang lebe der Tod«-Tourauftakt des Bielefelders in Münster Casper hebt die Münsterland-Halle aus den Angeln

Münster (WB). Die ersten Geister zog es an wie Magie: Halloween-Masken und Gothic-Gestalten tummelten sich schwarz gewandet Richtung Halle Münsterland: »Hoffentlich gibt’s noch Karten!« In der Halle Münsterland hundert Meter weiter setzte sich hörbar etwas unheimlich Großes in Bewegung.

Von Günter Moseler
Die Fans feiern ihren Casper.
Die Fans feiern ihren Casper. Foto: Markus Lehmann / photo-by-ml.com

Da trat Casper in Action, pechschwarze Montur, weiße Turnschuhe und obligatorisches Käppi – fertig ist das Rapper-Outfit. Supporter Fatoni hatte bereits launig-ironische Rap-Geschosse abgegeben, dann startete Caspers neue Tour »Lang lebe der Tod« . Das gleichnamige Album erschien Ende August.

Fans feiern die Bühnenshow

Der sarkastische Unterton passt zu dem Rap-Rocker, dessen oft melodische Musik mit einem Mix aus basslastigen Beats und biographisch-gesellschaftskritischer Aufrichtigkeit wohl den Nerv der Zeit getroffen hat – tausende Fans feierten die strapaziöse Bühnenshow des Deutsch-Amerikaners ausgiebig. Ironische Scheißegal-Haltung und Traditionsbewusstsein inklusive Freestyleparts setzen sich ab vom protzigen Egokaliber mancher Rapkollegen.

Kurzum: Casper hob die Halle aus den Angeln. Volle Seitenränge, im Parkett gab’s nur Stehplätze im Sardinenformat. Eine Stimmung, als solle eine neue Rap-Republik ausgerufen werden. Auf der Bühne hüpfte, hopste und joggte Casper in Mick-Jagger-Manier direkt an der Rampe auf und nieder: »Dies ist kein Abschied«, rappte er zu Anfang, der vorzugsweise Damen zu euphorischen Kriegstänzen animierte. Und doch traute man seinen Augen kaum: Zwei zartbesaitete Mannsbilder hielten sich die Ohren zu (!), von ihren Herzensdamen beschützt und getröstet!

Kritik an Konsum und Massengesellschaft

Die Ekstase war eine Sache von Stunden. Auf der Bühne blitzte das Ballett der Scheinwerfer aufreizend ins Publikum, ein Megaplasma-Bildschirm im Bühnenhintergrund erschloss Wunder der Natur: Drohnenflüge über karges Gebirge, während Caspers Bandmitglieder im aufsteigenden Bühnennebel in eine germanische Götterwelt abzutauchen schienen.

»Können nichts, außer nichts tun, das aber richtig gut/Mehr Fast Food, Nachschub, frisches Blut«, rappte Casper, und im mittleren Teil der Halle formierte sich eine Gruppe, die inmitten der elastischen Knetmasse des Publikums einen Pogo-Dance aufführte. Mega-Ovationen überspülten jede Anfangszeile, man verstand kaum eine Textzeile und sein eigenes Wort sowieso nicht mehr. Als Casper den »Sirenen«-Song anstimmte (»Hast du schwache Nerven? (…) Fürchtest du den Tod?«), kreisten die Scheinwerfer über und ins Publikum wie zur Flakabwehr.

Casper platziert Kritik an Konsum und Massengesellschaft irgendwo zwischen Oktoberfest und Olympiade – da liegt auch die Aura dieses Rappers, der sich die Luxusfantasie vom Jammertal Erde gönnt. Denn die schönste Rettung ist noch immer die in aussichtsloser Lage: Lang lebe das Leben!

Tickets für die Tour

Für den gebürtigen Lipper Benjamin Griffey, geht es am Donnerstag in Luxemburg weiter. Das nächste Konzert in der Region ist am 10. Novemer in der Dortmunder Westfalenhalle. Tickets gibt es in allen WESTFALEN-BLATT-Geschäftsstellen und hier im Internet in unserem Ticketshop .

Seine Heimatstadt Bielefeld steht nicht auf Caspers Tourplan. Dort trat er zuletzt im Juni beim Campus-Festival an der Universität auf.

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