Vier mutmaßliche Täter vor Gericht – 22-Jähriger soll sich als Opfer ausgegeben haben Serie von Überfällen aufgeklärt

Bielefeld  (WB/hz). Eine Serie von brutalen Überfällen auf Geschäfte in Bielefeld ist aufgeklärt. Als Haupttäter gelten vier junge Männer im Alter von 20 bis 24 Jahren aus Brackwede und dem Osten der Innenstadt.

Der Fall wird vor dem Landgericht Bielefeld verhandelt.
Der Fall wird vor dem Landgericht Bielefeld verhandelt. Foto: Thomas F. Starke

Bei den Raubzügen zwischen der Adventszeit 2012 und dem Sommer vergangenen Jahres sollen die maskierten und bewaffneten Kriminellen fast 80.000 Euro Bargeld, Mobiltelefone und Zigaretten erbeutet haben.

Die drei Brackweder (21/22/24) sitzen in Untersuchungshaft. Ihr Bielefelder Komplize (20) ist auf freiem Fuß. Er gilt eher als Mitläufer, wie sein Anwalt Andreas Chlosta auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Dem Quartett soll von Freitag an der Prozess vor dem Landgericht gemacht werden.

Die Ermittlungsergebnisse von Kripo und Staatsanwaltschaft lesen sich wie das Drehbuch zu einem schlechten Krimi. Weil die Räuber wegen weiterer Komplizen über Insiderwissen der internen Abläufe an den Tatorten verfügten, wurden drei Mal Tageseinnahmen im fünfstelligen Bereich erbeutet. Der 22-jährige Brackweder, der als treibende Kraft des Ganzen gilt, soll den Ermittlern zufolge die unrühmlichen Höhepunkte der Serie gesetzt haben.

Kassierer lässt sich von Komplizen überfallen

Am frühen Morgen des 10. März 2013 soll er sich in einer Tankstelle an der Brackweder Straße in Senne von zwei Mittätern überfallen lassen haben. Dort arbeitete der junge Mann als Aushilfskassierer. Nach dem Raubzug gegen 3 Uhr soll er die Polizei alarmiert und sich als Opfer ausgegeben haben. Die Beute von 855 Euro hätten die drei Kriminellen unter sich aufgeteilt.

Noch schwerer wiegt ein weiterer Vorwurf der Ermittler gegen den 22-Jährigen. Er soll am 20. März 2016 den Überfall auf seinen Ausbildungsbetrieb am Niederwall, ein Schnellrestaurant mit italienischer Küche, inszeniert haben. Während der Azubi zum System-Gastronomen nachts gegen 1.30 Uhr im Fluchtwagen wartete, drangen zwei maskierte Komplizen (20/21) mit Schreckschusspistole und Pfefferspray bewaffnet in das Chefbüro des Restaurants ein. Der überfallene Schichtleiter wurde zusammengeschlagen, mit der durchgeladenen Pistole bedroht und musste die Tageseinnahmen im fünfstelligen Bereich aus dem Tresor heraus geben. Bevor die Kriminellen aus dem Büro flüchteten, sollen sie ihr Opfer mit einer Ladung Pfefferspray in das Gesicht außer Gefecht gesetzt haben.

Letzte Tat wird Räubern zum Verhängnis

Ähnlich brutal ging es bei den nächtlichen Raubzügen gegen einen Getränkemarkt an der Holländischen Straße in der Innenstadt (22. Dezember 2012) und gegen einen Supermarkt an der Jöllenbecker Straße/Ecke Koblenzer Straße zu. Letzterer wurde am 19. Mai und am 4. August vergangenen Jahres gleich zweimal ausgeraubt. In allen Fällen passten die Täter die Angestellten ab, wenn diese nach Geschäftsschluss mit den Tageseinnahmen auf dem Weg zum Banktresor waren.

Die letzte Tat wurde den Räubern zum Verhängnis. In den Papieren des Fluchtwagens, einem Mietwagen, hatte sich der 22-Jährige als Fahrer eintragen lassen. Eine Streifenwagenbesatzung der Polizei verfolgte die Kriminellen kurzzeitig und las das Autokennzeichen ab. Die folgenden Ermittlungen führten zu den Tätern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.