Bis Juni soll ein Konzept für Mehrweg-Kaffeebecher vorliegen Schluss mit »Abfall to go«

Bielefeld (WB/MiS). Bielefeld will es Städten wie Freiburg oder Hamburg gleichtun und ein Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher einführen. Der Umweltausschuss des Rates beschloss am Dienstag auf Antrag des Paprika-Bündnisses aus SPD, Grünen und Piraten/Bürgernähe einstimmig, dass bis Juni ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden soll. Kooperationspartner soll Bielefeld Marketing sein.

So könnte er aussehen: der neue Coffee-to-go-Mehrwegbecher.
So könnte er aussehen: der neue Coffee-to-go-Mehrwegbecher.

»Als wir Grünen im Dezember die Idee vorgestellt haben, haben sich spontan viele Bäcker und Cafés gemeldet, die bereit sind mitzumachen«, sagte Ausschussvorsitzender Jens Julkowski-Kepp­ler (Grüne). Er ist deshalb optimistisch, dass es viele Partner für die Idee geben wird.

Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden deutschlandweit 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher pro Jahr verbraucht. Das entspricht einem jährlichen Durchschnitt von 34 Einwegbechern pro Bundesbürger. Auf 330 000 Bielefelder umgerechnet wären dies 11,8 Millionen Becher im Jahr – ein riesiger Müllberg.

Der soll durch ein Mehrweg-System deutlich kleiner werden. Und so funktioniert das in Freiburg und Hamburg: Teilnehmende Betriebe geben gegen Pfand spülmaschinenfeste Becher aus. Diese Becher können dann bei jedem Betrieb, der mitmacht, wieder abgegeben und durch einen frisch gewaschenen und mit einer neuen Kaffeespezialität gefüllten Becher ersetzt werden.

Kein Betrieb kann gezwungen werden mitzumachen. Vor allem große Kaffeehaus-Ketten tun sich schwer mit dem Mehrweg-Gedanken. »Aber wir müssen einfach etwas unternehmen und anfangen«, meinte Doris Hellweg (Grüne). Sie hatte schon mal ein paar »Prototypen« des neuen Schlürschluck«-Bechers (nur ein Namensvorschlag) zur Ansicht mitgebracht.

Die Wegwerf-Trinkbecher bestehen meist aus beschichteter Pappe und einem Kunststoffdeckel. Für den Herstellung werden große Mengen Holz, Wasser und Energie benötigt. Das Material lässt sich nicht recyceln und muss als Restmüll entsorgt werden. Es landet also in der Müllverbrennungsanlage.

Ulrich Gödde (SPD) arbeitet auch mit im Betriebsausschuss des städtischen Umweltbetriebs und weiß um die anfallenden Müllmengen. Er begrüßte deshalb den Vorstoß für ein Mehrwegsystem. Von einem »guten Impuls« sprach auch Alexander Rüsing (CDU). Und Marcus Lufen (SPD) zogen eine Parallele zu den Strom-Tankstellen: »Wir brauchen so etwas wie ein Ladesäulennetz für Becher.«

Nur Benni Stiesch (Linke) äußerte Zweifel, ob das Pfandsystem am Ende tatsächlich funktionieren werde. Aus seiner Sicht sollte den Kommunen das Recht eingeräumt werden, Wegwerf-Becher innerhalb ihrer Grenzen einfach zu verbieten.

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