Kunsthändler schenkt dem Freundeskreis des Expressionisten aus Werther ein Unikat Böckstiegels vergessener Titel-Entwurf

Bielefeld (WB/-md-). Als Titelbild für das Sonderheft der Zeitschrift »Niedersachsen« damals 1921 hatte Peter August Böckstiegel die Juroren des Schünemann-Verlags nicht überzeugen können mit seinem Blatt. Um so größer ist jetzt die Freude bei Volker Strothmann, dass der Böckstiegel-Freundeskreis e.V. genau dieses damals von den Herausgebern verschmähte Unikat in Händen halten und der Öffentlichkeit zeigen kann. Dabei handelt es sich um den Druck »Viktor Reiking« – ein Nachbar der Familie Böckstiegel.

Freuen sich über das Unikat (von links): David Riedel, Volker Strothmann und Händler Nikolaus Nadrag.
Freuen sich über das Unikat (von links): David Riedel, Volker Strothmann und Händler Nikolaus Nadrag. Foto: Hans-Werner Büscher

Ermöglicht hat die Schenkung Kunsthändler Nikolaus Nadrag. Er übergab die Arbeit dem Freundeskreis, der sie wiederum David Riedel für das Böckstiegel-Haus in Werther zur Verfügung stellt. Ab März, nach Ende der Winterpause, möchte der künstlerische Leiter die Arbeit in Werther zeigen. Riedel: »Und später dann im neuen Museum.«

Nikolaus Nadrag, der an der Welle seit vielen Jahren seinen Kunsthandel betreibt, hegt eine besondere Liebe für Böckstiegel. Erst im Herbst 2016 hatte er mit der Ausstellung einer in Berlin erworbenen Privatsammlung mit Bildern des Künstlers aus Werther im Neustädter Gemeindehaus die Böckstiegel-Fans begeistert. Sein zweiter »Streich« hatte Nadrag nach Siegen geführt.

Hier konnte der Bielefelder zehn Radierungen, ein Aquarell und eben jenes Unikat für das Titelblatt erwerben. Die Bilder hatten sich seit der Zeit um 1920 im Besitz der Familie Meise befunden, engen Nachbarn und Freunden Böckstiegels aus Wertheraner Zeit. Wohl zwischen 1915 und 1921 hatten die Meises die Arbeiten erworben, 1924 zogen sie nach Siegen. Böckstiegel selbst war damals schon in Dresden.

Auch das Bild der »Mutter Meise« von 1921 ist ein typischer Böckstiegel. So wie das Bild von »Viktor Reiking«, ebenfalls einem Nachbarn. Offen ist, warum Böckstiegel ausgerechnet diese Vorlage wählte für den Titel-Wettbewerb mit dem Zusatz »700 Jahre Bielefeld«. David Riedel hat recherchiert. Tatsächlich erschienen ist das Niedersachsen-Heft 1921 mit einem Sparrenburg-Motiv des Gebrauchsgrafikers Fritz Schreiber. Böckstiegels Entwurf gelangte nach Siegen. Diese vollständige Reiking-Arbeit, freut sich Volker Strothmann, sei eine wichtige Ergänzung und vervollständige das Wissen um das Werk Böckstiegels.

Die 700-Jahr-Feier Bielefelds im Jahr 1921 basiert auf einer anderen zu Grunde gelegten Urkunde. Die Sparkasse ließ eigens Stoffgeld drucken.

Ab Januar sind Arbeiten des Expressionisten Böckstiegel in Konstanz zu sehen.

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