In diesem Winter sind Gartenvögel rar – Grund: »schlechte Brutsaison« Futterhäuschen selten besucht

Bielefeld (WB/bex). In diesem Winter sind in den Gärten auffallend wenige Singvögel zu sehen. Beim Naturschutzbund (Nabu) NRW sind deshalb zum Jahresende viele besorgte Anrufe eingegangen, auch aus Ostwestfalen-Lippe.

Die Kohlmeise ist der am häufigsten vorkommende Vogel in den Gärten und Parks in NRW. Das ergab die letztjährige Wintervogelzählung mit fast 13.000 Teilnehmern in 9000 Gärten.
Die Kohlmeise ist der am häufigsten vorkommende Vogel in den Gärten und Parks in NRW. Das ergab die letztjährige Wintervogelzählung mit fast 13.000 Teilnehmern in 9000 Gärten. Foto: dpa

»Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren dabei eine Rolle«, sagt Heinz Kowalski, Vogelkundler beim Nabu NRW. Falsches Futter könne man aber eher ausschließen, denn die Vielzahl der Anrufe aus allen Regionen NRWs zeigten deutlich, dass es sich nicht um ein lokales Problem handele. Ebenso käme die derzeit auftretende Vogelgrippe nicht als Ursache in Frage. Von ihr seien nur wenige Wildvögel wie Enten, Greifvögel oder Eulen betroffen.

Kowalski benennt zwei Hauptursachen für den auffälligen Rückgang der heimischen Singvögel: Zum einen sei die schlechte Brutsaison 2017 dafür verantwortlich. Nässe und Kälte im vergangenen Frühjahr und Frühsommer hätten zahlreiche geschlüpfte Jungvögel an Unterkühlung sterben lassen.

Mangel an Insektennahrung

Der Spatz (Haussperling) folgte 2016 auf Platz 2. Foto: dpa

Zudem habe die nasskalte Witterung einen Mangel an Insektennahrung zur Folge gehabt. »Jungvögel, die nicht an Kälte gestorben sind, sind schlicht verhungert.« Viele Vogelschützer, die Nistkästen säuberten, hätten darin Nester mit toten Jungvögeln oder gar nicht erst ausgebrüteten Eiern gefunden. »Da zum Beispiel Meisen in der Regel nur einmal jährlich brüten, dafür aber immer relativ viele Eier legen, fehlt jetzt der Nachwuchs aus dieser Brutsaison«, erklärt der Vogelexperte des Naturschutzbundes.

Eine weitere mögliche Ursache nennt Franz Thiesbrummel vom Naturschutzteam Gütersloh: Aufgrund der Klimaerwärmung blieben ansonsten in unseren Breiten überwinternde Vögel aus Osteuropa aus. Und: »Die wenigen Wintergäste verteilen sich auf das große Angebot an Futterstellen und werden auch eine Auswahl nach dem fettreichsten Futter dabei treffen.«

Während es wetterbedingt immer mal wieder schlechte Jahre für die Vögel gebe und so ein Ereignis meist in den Folgejahren wieder ausgeglichen werde, sorgen sich Vogelschützer seit Jahren wegen einer anderen Entwicklung um den Vogelbestand.

»450 Millionen Vögel weniger als noch vor drei Jahrzehnten«

Eine ernste Gefahr stelle die Landschaftsveränderung durch die industrielle Landwirtschaft mit dem »dramatischen Anstieg von Mais- und Rapsmonokulturen sowie der zunehmende Einsatz von Pestiziden« dar. Kowalski: »Darin wird auch eine der Ursachen für den Besorgnis erregenden Rückgang von Fluginsekten gesehen.«

Aber ebenso Klimaveränderungen, der Aufprall auf Fenster, Jungvogel-Verluste durch Katzen, Vogelkrankheiten wie Usutu bei Amseln oder Trichomonadenbefall bei Finken hätten zu einem spürbaren Rückgang der Vögel geführt. »In Europa leben heute rund 450 Millionen Vögel weniger als noch vor drei Jahrzehnten und die Roten Listen werden immer länger«, beklagt Kowalski.

Um Informationen über das flächendeckende Vorkommen heimischer Vögel zu bekommen, sei deshalb die »Stunde der Wintervögel«, die alljährliche Vogelzählung, von Bedeutung.

Kommentare

Singvogelsterben

Gehen sie als Zeitung doch mal das Thema bei den Behörden an und fragen warum Elstern
unter Naturschutz stehen? ES ist zum Verücktwerden,ELSTERN dürfen sich ungehindert vermehren
um die kleinen Singvögel platt zu machen ! Inzwischen gibt es hier schon ganze Schwärme davon !
Die Ignoranz tut einfach nur weh !!!!!!!

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