Astreine Idee von Frank Sidortschuk Esstisch wird zum Kickertisch

Bielefeld (WB). »Schon mal am Kickertisch Raclette gemacht?«, sagt Frank Sidortschuk (51) und lacht. Das ist ebenso knifflig wie ein Kickerspiel nach dem Essen, ohne seine Stammkneipe aufsuchen zu müssen, weiß der Tischlermeister aus eigener Erfahrung. Die Lösung steht in seiner Werkstatt. Sie heißt »Heimspiel« und ist Esstisch, Arbeitstisch und Kickertisch in einem Möbelstück. Die Feuertaufe hat das Möbel schon bestanden: Zum ersten Turnier kamen 20 Freunde in die Tischlerwerkstatt von Astrein.

Von Michael Diekmann
Anstoß (von links): Herbert Neuberger, Konstrukteur Frank Sidortschuk und Frank Seideneck am Kicker-Tisch.
Anstoß (von links): Herbert Neuberger, Konstrukteur Frank Sidortschuk und Frank Seideneck am Kicker-Tisch. Foto: Hans-Werner Büscher

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Möbel, von dem zwischenzeitlich in der Werkstatt am Niedermühlenkamp fünf Exemplare entstanden sind, stammt von Lisa Stelzner (26). Die junge Bielefelderin ist gelernte Tischlerin, studierte an der FH Ostwestfalen-Lippe Innenarchitektur und arbeitet heute in Köln. Ihr Problem: Ein eigener Kickertisch scheitert meist an der räumlichen Enge zuhause. Sidortschuk: »Eigentlich braucht man ein eigenes Zimmer für so einen Tisch.«

Bei dem Projekt von Sidortschuk und Lisa Stelzner hatte deshalb die Funktionalität nicht mehr zu sagen als die Ästhetik. In erster Linie ist das Möbel ein höchst schmucker Esstisch für locker sechs bis acht Personen. Die in der Hälfte geteilte Platte aus massiver Buche fällt auf. Allerdings: Darunter verbirgt sich kein Ausziehmechanismus. Dafür aber das Kicker-Spielfeld.

In fünf Minuten entsteht aus dem Esstisch – nach dem Abräumen versteht sich – der Spieltisch. Die Tischbeine lassen sich um 20 Zentimeter ausschieben. Damit ist die für Mahlzeiten angebrachte Höhe von 78 Zentimetern angepasst an eine für Kicker übliche Spielhöhe. Die beiden Hälften der Platte werden rechts und links vor Kopf angehängt. Darunter schlummert aus Massivholz das Spielfeld.

Die Liebe steckt wie so oft im Detail, erzählt Sidortschuk nicht ohne Stolz. Der Anspruch war hoch. Schließlich sollten am Esstisch die Teleskopstangen mit den Spielern trotz massiver Holzgriffe nicht stören, aber auch der Ballrücklauf vom Tor nicht die Kniescheibe eines Gastes beim Abendessen ruinieren. Sidortschuk: »Wird die Platte aufgelegt, zieht sich der Rücklauf automatisch unter die Platte zurück und stört nicht mehr.«

Auf dem Modell in Buche, 204 mal 102 Zentimeter groß, spielen gerade HSV und St. Pauli in von Sidortschuk selbst gefertigten Trikots. Nebenan steht ein Modell aus Nussbaum. Da treten Dortmund und DSC Arminia gegeneinander an. Dank Akkutechnik haben beide Spieltische sogar Flutlicht. Und der edlere Nussbaum-Kicker hat sogar eine Höhenverstellung per Antrieb, während man am ursprünglichen Modell die vier Beine einzeln ausziehen muss.

Was Sidortschuk besonders freut: Der Tisch passt nicht nur in das Esszimmer eines Kicker-Fans. Durch die ausziehbaren Beine lässt er sich auch wunderbar im Büro als Arbeitstisch verwenden. Für Unterhaltung in der Mittagspause ist dann bestimmt gesorgt. Durch entsprechende Abstufungen kann aber auch der Familiennachwuchs kickern kommen.

Handwerkskollegen wie Frank Seideneck (50) oder Herbert Neuberger (58) finden den Kicker absolut kommunikativ, den die Tischlerei Astrein mit viel Handarbeit und Kreativität auf Bestellung baut. Bis zu Nachbar Martin Deppe in seinem Metallbaubetrieb hat sich der Spieltisch schon herum gesprochen. Die Jungs, hört man, haben auch schon mal auf ein Spiel vorbeigeschaut.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.