Denkmaltag 2016: In der Radrennbahn gibt es knatternde Kisten, Kuchen und sogar eine Buchpremiere Von Zementbahnrennen und Steherlatein

Bielefeld (WB). Das Oval auf dem Titelblatt: Zum Denkmaltag am Sonntag, 11. September, würdigt die Stadt die Radrennbahn auf besondere Weise. Im Oval gibt es ein Programm der Superlative, in dem dank Kleinrennwagen, Rekordmotorrädern und Fahrrädern die Epoche der Fahrradhauptstadt gewürdigt werden soll.

Von Michael Diekmann
Sind stolz auf die Radrennbahn und erwarten am Sonntag zahlreiche Besucher zu einem spannenden Programm (v.l.): Hartmut Dopheide, Anette Fischer, Michael Mertins, Gregor Kleinepähler, Christian Ludewig und Ascan von Neumann-Cosel.
Sind stolz auf die Radrennbahn und erwarten am Sonntag zahlreiche Besucher zu einem spannenden Programm (v.l.): Hartmut Dopheide, Anette Fischer, Michael Mertins, Gregor Kleinepähler, Christian Ludewig und Ascan von Neumann-Cosel. Foto: Hans-Werner Büscher

»Wir sind stolz darauf, so ein Denkmal in der Stadt zu haben«, sagt Ascan von Neumann-Cosel für die Untere Denkmalbehörde. Die gibt zu, bedingt durch finanzielle Engpässe wenig Spielraum für eigenes Engagement in der einzigartigen Anlage zu besitzen. Dafür spart von Neumann-Cosel nicht mit Anerkennung für den Förderverein, der sich vor zwei Jahren gegründet hatte: »Dieser Förderverein ist ein herausragendes Beispiel für Engagement und zeigt, wie man wirkungsvoll und effizient arbeiten kann.«

Gemeinsam Denkmale erhalten, wie es das Faltblatt zum Denkmaltag sagt, kann man nur mit ehrenamtlichem Einsatz. Die Bahn im Osten der Stadt ist zwar zum fünften Mal dabei. Ein Feuerwerk an Programm wie 2016, versichert Beisitzer Michael Mertins, hat es noch nie gegeben. Von 11 bis 17 Uhr ist die Bahn geöffnet. Es gibt Klassiker wie die Ausfahrt mit Oldtimer-Rennrädern für jedermann, Führungen zur Geschichte oder Auskunft zum Stehersport.

Bielefeld das Herz der deutschen Fahrradindustrie

Dank des immer weiter wachsenden Netzwerks rund um die 333 Meter Spannbeton und den Förderverein soll ein buntes Bild an Aktionen die Besucher mitnehmen in die Zeit, als Bielefeld das Herz der deutschen Fahrradindustrie war, die Radrennbahn so etwas wie ein in seiner Konstruktion einzigartiges Bauwerk und Bielefelder Rennfahrer für Furore sorgten auf Straße und Bahn. Deshalb gibt es Auftritte einer Swing-Tanzformation, in der sogar der Reviergärtner der Bahn mittut, soll es eine historische Kuchenparade von »Kalter Schnauze« bis zum Marmorkuchen geben.

Besonders interessieren dürfte aber die Ausstellung historischer Kleinrennwagen aus den 1950er Jahren. Viele Fans der Bahn, weiß Gregor Kleinepähler, warten auch auf den Film »Derby der Pedale«. Der erhaltene erste Teil wird mehrfach gezeigt. Immerhin fuhren bei der Deutschlandfahrt damals gleich drei Bielefelder Teams. An die scharfen Zementbahnrennen sollen alte Motorräder erinnern. Der Bahnrekord auf einer AWD (August Wurring) steht bis heute bei 122,5 Km/h, aufgestellt 1953 von Erwin Alldinger. Mertins: »Das muss ein Mann ohne Nerven gewesen sein. Der drehte eine Runde in neun Sekunden mit einer 250-er.«

Buch über »Steherrennen« in der Bahn

Als echten Knüller präsentiert der Bielefelder Verlag Delius-Klasing sein Buch über »Steherrennen« in der Bahn. Christian Ludewig: »Zehn Bahnen in Deutschland werden vorgestellt, Fahrer charakterisiert. Dazu gehören dieses Oval und die Dippels.«

Im Förderverein denkt man am Denkmaltag schon weiter. Im Jahr 2017 wird das Fahrrad 200 Jahre. Es gibt, so Mertins, zahlreiche Ideen zu einem riesigen überregionalen Aktionsprogramm. Auch der traditionelle NRW-Radtag 2017 könnte im Oval stattfinden. Es wäre, so Mertins, ein Rahmen, der den Stellenwert der Bahn untermauern und die Zukunft sichern helfen könnte. Wichtigstes Nahziel: Der Denkmaltag am Sonntag.

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