Einziger deutscher Träger des Nobelpreises für Wirtschaft – viele Jahre Professor in Bielefeld Wirtschaftsnobelpreisträger Reinhard Selten gestorben

Bonn/Bielefeld (dpa/ WB). Reinhard Selten, der einzige deutsche Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, ist tot. Selten sei bereits am 23. August in Posen (Polen) gestorben, teilte die Universität Bonn am Donnerstag mit. Lange Jahre war er Professor in Bielefeld.

Professor Dr. Reinhard Selten besuchte 2009 die Uni Bielefeld.
Professor Dr. Reinhard Selten besuchte 2009 die Uni Bielefeld. Foto: Oliver Schwabe

Der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler war 1994 zusammen mit den Amerikanern John Nash und John Harsanyi für seine Beiträge zur sogenannten Spieltheorie ausgezeichnet worden.

Pioniere der experimentellen Wirtschaftsforschung

»Reinhard Selten war einer der bedeutendsten deutschen Wissenschaftler mit höchster internationaler Reputation«, sagte der Rektor der Uni Bonn, Prof. Michael Hoch. Der 1930 in Breslau geborene Selten zählt zu den Pionieren der experimentellen Wirtschaftsforschung.

»Die Wirtschaftswissenschaft hat Herrn Selten grandiose Antworten und wichtige Fragen in der Spieltheorie und Verhaltenswissenschaft zu verdanken, die die Forschung noch für Jahrzehnte beschäftigen werden«, sagte der Kölner Ökonom Axel Ockenfels, einer von Seltens Schülern, der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Freitagsausgabe). In der Spieltheorie werden mit Hilfe der Mathematik Erkenntnisse über das Verhalten bei Spielen wie Schach oder Poker auf die Wirtschaft übertragen.

Von 1972 bis 1984 Professor in Bielefeld

Nach einem Studium der Mathematik hatte sich Selten 1968 in Frankfurt in Wirtschaftswissenshaften habilitiert. Professuren an der Freien Universität Berlin und der Universität Bielefeld (1972-1984), wo er auch langjähriger wissenschaftlicher Berater des Zentrums für interdisziplinäre Forschung (ZiF) war, folgte der Ruf an die Universität Bonn. Noch bis 2014 hatte er das Forschungsprojekt »Rationalität im Lichte der experimentellen Wirtschaftsforschung« geleitet. Die Bielefelder Hochschule verlieh Selten 1989 die Ehrendoktorwürde in Ökonomie, zahlreiche weitere folgten.

Privat spielte der Forscher nicht: »Ich habe früher mal Skat gespielt, aber die Regeln sind mir zu kompliziert«, sagte er einmal. Dafür widmete er sich der Kunstsprache Esperanto. Mit Hilfe der Spieltheorie hatte er ein Modell zur weiteren Verbreitung der Sprache untersucht. Bei der Europawahl 2009 war er in Nordrhein-Westfalen Spitzenkandidat der Vereinigung »Europa - Demokratie - Esperanto«, die sich für die Verbreitung der Kunstsprache Esperanto einsetzt.

Universität Bielefeld trauert

In einer Mitteilung der Universität Bielefeld sagt Professor Dr. Gerhard Sagerer, Rektor der Hochschule: »Reinhard Selten war einer der renommiertesten Ökonomen Deutschlands und ein prägender Wissenschaftler der Universität Bielefeld. Seine herausragende Forschung, für die er 1994 den Nobelpreis erhielt, betrieb er auch maßgeblich während seiner Zeit an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, dem Institut für Mathematische Wirtschaftsforschung und dem Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Damit leistete er einen großen Beitrag für die internationale Sichtbarkeit und das Renommee unserer noch jungen Universität. Er war auch nach seiner Zeit in Bielefeld der Universität, der Fakultät und insbesondere dem ZiF als Mitglied im Beirat verbunden. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.«

Auf der Seite des Zentrums für interdisziplinäre Forschung (ZiF) ist ein Interview mit Selten zu lesen, in dem der Wissenschaftler seine Arbeit erklärt.

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