Spätestens seit dem Deutschland-Start von »Pokémon Go« sind dem Spiel auch hier viele verfallen Kleine Monster lauern überall in OWL

Bielefeld (WB). Der Hype hat in Deutschland schleichend begonnen. Spätestens seit dieser Woche aber begegnet man fast überall in Ostwestfalen »Pokémon Go«-Spielern, die scheinbar orientierungslos durch die Städte laufen und dabei das nächste kleine Monster suchen.

Von Mike-Dennis Müller
Rund um die Sparrenburg in Bielefeld sind schon seit Tagen viele Spieler unterwegs, die dort auch immer wieder fündig werden.
Rund um die Sparrenburg in Bielefeld sind schon seit Tagen viele Spieler unterwegs, die dort auch immer wieder fündig werden. Foto: Mike-Dennis Müller

Waren bis zum Deutschlandstart des Spiel am Mittwoch noch Umwege nötig, das Spiel zu installieren, geht das jetzt einfach und legal mit wenigen Klicks . Nach der Installation meldet man sich mit einem Google-Konto an, passt seinen Spielfigur an und wird zum Pokémon-Trainer.

Vor der WESTFALEN-BLATT-Redaktion in BIelefeld treibt sich ein wildes Taubsi herum. Foto: MIke-Dennis Müller

Eine virtuelle Karte zeigt die Umgebung und die nächsten Stationen, zu denen man tatsächlich laufen muss. Schwebende Würfel stellen die so genannten Pokéstops dar. Das sind oft Stromkästen, aber auch Skulpturen, Zaunelemente oder Bäume. Ist man ihnen nah genug, kann man sich hier Pokébälle sichern, mit denen man später wieder neue Mini-Monster fängt. Etwas futuristischer sehen die Arenen aus. In ihnen kann man sich später, eine gewisse Level- und Pokémon-Zahl vorausgesetzt, duellieren und Punkte gewinnen.

Daten aus Vorgänger-Spiel

Das Spiel greift dabei nicht nur auf das Kartenmaterial von Google Maps zurück. Zugutekommt ihm auch das, was die Nutzer eines anderen Spiels schon vor Jahren hinterlassen haben. All die Fotos und Beschreibungen der Stationen waren einst für »Ingress« gedacht gewesen. Das Spiel stammt vom selben kalifornischen Unternehmen – und das begann einst als internes Start-Up bei Google.

»Pokémon Go«, das ist erweiterte Realität. Bei solchen Augmented-Reality-Spielen, wie auch »Ingress« es ansatzweise war, wird der Welt noch eine weitere Ebene geschenkt. Was bisher vor allem bei Programmen zur Orientierung zum Einsatz kam, birgt für Spiele noch viel Potenzial.

Das Smartphone ständig im Blick

Dass Fußgänger unterwegs permanent ihr Smartphone im Blick haben – das ist nichts Neues mehr. Doch nun widmen sie den kleinen Bildschirmen noch mehr Aufmerksamkeit als bisher. Und sie halten sie nicht nur in der Hand. Hin und her werden die Geräte gedreht, energisch drücken die Leute darauf herum. Das sind die Momente, in denen das Spiel mit der Umgebung verschmilzt: Durch die Kamera des Smartphones sieht man die kleinen Monster auf dem Gehweg sitzen und schnappt sie sich. An der Bielefelder Sparrenburg etwa waren am Mittwoch schon dutzende Spieler so unterwegs – und erkannten sich leicht gegenseitig.

Einfache Pokémons tauchen fast ständig auf, wer sein Lieblings-Monster finden möchte, braucht Ausdauer – auch an unpassenden Orten. Gedenkstätten müssen Besucher schon bitten, bei ihnen nicht nach den kleinen zu suchen. Auch Polizeistationen und Krankenhäuser hatten schon Besuch von Spielern.

Ungefährliche Monster – reale Gefahren

Sie können Feuer spucken, beherrschen Telekinese oder sind giftig: Dem Spieler am Smartphone werden die »Pokémon« aber nicht gefährlich. Die Gefahren lauern an anderen Stellen. Schon bei der Installation sollte man nicht leichtsinnig sein: Mit Viren versehene Programmpakete haben schon so manches Android-Mobiltelefon lahmgelegt. Nur der Download direkt über den Google Play-Store ist sicher. Für iPhone-Nutzer gibt es ohnehin nur den sicheren Weg über den App-Store.Sie laufen beim Spielen aus Versehen auf die Straße und verursachen einen Unfall? Den Schaden würde wohl die Haftpflichtversicherung bezahlen. Trotzdem sollte man bei der Monstersuche lieber aufmerksam den Verkehr im Blick behalten. Die App ist kostenlos, doch wie so oft könnte man am Ende mit seinen Nutzerdaten bezahlen. Außerdem kann man mit echtem Geld zusätzliches Spielmaterial kaufen. Um spielen zu können, muss man sich derzeit mit einem Google-Konto anmelden – und somit seine persönlichen Informationen bereitstellen.

Beliebter als »Tinder«

Dem vielversprechenden, digitalen Pfad folgend, fand eine amerikanische Nutzerin jüngst durch Zufall kein virtuelles Monster, sondern eine ganz reale Leiche. Ein anderer Nutzer wurde ausgeraubt, als er sein Glück nachts auf einem einsamen Parkplatz versuchte.

Die Nutzungsdauer des Spiels soll mittlerweile schon die von »WhatsApp« oder »Instagram« übersteigen. Sie wird sogar öfter genutzt als die Dating-App »Tinder«.

Infografik: Zeitfresser Pokémon Go | Statista
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