Attacke auf Jesiden: Polizei schließt Ermittlungen ab Massenschlägerei nicht geklärt

Bielefeld (WB). Sechseinhalb Wochen nach der Massenschlägerei vor der Flüchtlingsunterkunft Oldentruper Hof in Bielefeld, bei der fünf Jesiden verletzt wurden, hat die Polizei die Ermittlungen praktisch abgeschlossen.

Von Stefan Biestmann
Bei der Massenschlägerei auf der Potsdamer Straße wurden am 21. Mai fünf irakische Jesiden verletzt. Archiv-
Bei der Massenschlägerei auf der Potsdamer Straße wurden am 21. Mai fünf irakische Jesiden verletzt. Archiv- Foto: Bernhard Pierel

Die Polizei habe nach der Veröffentlichung der Fahndungsfotos »nur sehr wenige, dürftige Hinweise« erhalten, berichtet Polizeisprecher Michael Kötter. »Ein Täter konnte nicht identifiziert werden.« Die Polizei sehe derzeit »keine neuen Ermittlungsansätze«, sagt Kötter. Deswegen werde die Akte in Kürze geschlossen und der Staatsanwaltschaft übergeben.

Die Schlägerei hatte sich am 21. Mai auf der Potsdamer Straße ereignet. Fünf aus dem Irak stammende Jesiden waren auf dem Weg zu einem Supermarkt, als aus einem Auto plötzlich zwei Männer ausstiegen. Einer von beiden schlug dann ohne Vorwarnung auf zwei Jesiden ein. Einer der Männer wurde im Gesicht verletzt, der zweite erlitt einen Nasenbeinbruch. Als später weitere fünf Jesiden dazustießen, bewaffneten sich die Tatverdächtigen mit Holzknüppeln, einer zerbrochenen Glasflasche und einem Springmesser.

Sie griffen die Jesiden erneut an. Eines der Opfer erlitt durch einen Schlag ein Schädel-Hirn-Trauma, ein weiterer wurde mit einem Messer am Arm verletzt. Die Täter flüchteten schließlich mit dem Auto. Zwei Tschetschenen wurden zwischenzeitlich festgenommen. Sie hatten aber ein Alibi und wurden wieder freigelassen.

Etwa 80 Jesiden hatten nach der Tat versucht, die Flüchtlingsunterkunft Oldentruper Hof zu stürmen, weil sie zwei der Täter im Gebäude vermuteten. Die Polizei nahm einen Jesiden in Gewahrsam, der Stöcke als Schlagwerkzeuge verteilen wollte. Die Jesiden und die tschetschenischen Familien im Oldentruper Hof wurden später auf andere Unterkünfte verteilt.

Wie berichtet, soll ein Streit bei einem Fußballspiel am Pfingstmontag Auslöser der Massenschlägerei gewesen sein. Sogar der Innenausschuss des NRW-Landtags befasste sich schließlich mit dem Vorfall.

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