»Big Brother Awards« verliehen Denkzettel für die Datenkraken

Bielefeld (WB). In Bielefeld sind am Freitagabend die »Big Brother Awards« an Firmen und Organisationen verliehen worden, die den Datenschutz ignorieren.

Von Dietmar Kemper
Rena Tangens (rechts) und Padeluun vom Verein Digitalcourage begrüßen Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Rena Tangens (rechts) und Padeluun vom Verein Digitalcourage begrüßen Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Foto: Hans-Werner Büscher

Verfassungschutz

Der Bielefelder Verein Digitalcourage verlieh einen der »Big Brother Awards« an den Verfassungsschutz »für 65 Jahre Datenschutz- und Bürgerrechtsverletzungen«. Die Jury wirft ihm unter anderem »ein undurchsichtiges System von V-Leuten« vor. Die Behörde habe über ihre »bezahlten und auch kriminellen Spitzel Neonaziszenen mitfinanziert, rassistisch geprägt, nicht selten gegen polizeiliche Ermittlungen geschützt und gestärkt, anstatt sie zu schwächen«.

Berliner Verkehrsbetriebe

In der Kategorie Technik wurden am Freitag die Berliner Verkehrsbetriebe an den Pranger gestellt. Deren elektronische VBB-Fahrcard, auf der bei jedem Einsteigen Datum, Uhrzeit, Buslinie und Haltestelle abgespeichert würden, geht der Jury zu weit. Bewegungsfreiheit und unbeobachtetes Reisen würden bei so viel Kontrolle »nahezu unmöglich«.

Generali-Versicherung

Auch die Generali-Versicherung fiel in Ungnade. Sie verspreche ihren Versicherten Boni, wenn sie sich bei Fitnessdaten und Einkaufsverhalten überwachen ließen, kritisierte Juror Padeluun.

IBM

IBM wiederum geriet wegen der Software »Social Dashboard« an den Pranger. Damit könnten Firmen das Sozialverhalten der Mitarbeiter analysieren, kontrollieren und den Arbeitsdruck erhöhen.

Change.org

Die US-Firma Change.org. bekam den Negativpreis für ihre Kampagnenplattform, auf der jeder eine Petition starten kann. Dass das Unternehmen die persönlichen Angaben und politischen Meinungen der Unterzeichner vermarktet, finden die Datenschützer inakzeptabel.

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