Auszubildender Mike Cacic (27) will eine Brauerei gründen – Sein erstes Bier gibt es schon – 40.000 Euro fehlen Mit süffigem »Flutlicht« ins Berufsleben

Senne (WB). »Die Stadt Bielefeld hat so viel zu bieten – jetzt braucht sie endlich ein eigenes, hochwertiges Bier«, sagt Mike Cacic. An Selbstbewusstsein mangelt es dem 27-Jährigen aus Senne nicht gerade. Der angehende Einzelhandelskaufmann will die erste Brauerei der Stadt gründen, die nicht an einen gastronomischen Betrieb gekoppelt ist. Die fehlenden 40.000 Euro Startkapital sollen über das so genannte Crowd­funding zusammenkommen.

Von Markus Poch
Mit dem Vertrieb flüssiger Erfrischungen kennt er sich aus: Im Getränke-Center Senne, dem Laden seiner Eltern André (51) und Martina (46), macht Mike Cacic (27) seine Ausbildung. Möglichst bald soll auch dort sein eigenes Bier zum Verkauf stehen.
Mit dem Vertrieb flüssiger Erfrischungen kennt er sich aus: Im Getränke-Center Senne, dem Laden seiner Eltern André (51) und Martina (46), macht Mike Cacic (27) seine Ausbildung. Möglichst bald soll auch dort sein eigenes Bier zum Verkauf stehen. Foto: Markus Poch

»Wir trinken hier Biere aus Herford, aus Detmold, aus Lübbecke oder Münster, aber keines aus Bielefeld«, betont Mike Cacic. Das will der junge Bielefelder mit dem schwierigen kroatischen Nachnamen (sprich: Tscha-zitsch) mittelfristig ändern: Ravensberger Brauerei soll sein Unternehmen heißen und diverse Biere für alle Geschmäcker herstellen.

»Keine flachen Industriebiere, sondern aus guten Zutaten handgebraute, niveauvolle Biere mit Ecken und Kanten – aus schönen Flaschen mit schönen Etiketten.«

»Wenn jeder nur zwei Euro gibt, wird alles gut«

Wie das funktionieren soll? Cacic, der sich branchennah von seinen Eltern im Getränke-Center Senne ausbilden lässt, ist zuversichtlich, das benötigte Geld über die neuartige Sponsoringmethode bis zum 22. Mai beschaffen zu können.

Auf Facebook hat er schon mehr als 20.000 Menschen über seine Idee informiert. »Wenn jeder von denen nur zwei Euro gibt, dann wird alles gut«, sagt er.

Im Internet auf seiner Seite bei Startnext stellt er sich und seinen Plan vor – ebenso die »Dankeschöns«, mit denen er selbst kleinste Spenden später belohnen will.

Der aktuelle Blick auf das dort öffentlich einsehbare Spendenkonto macht allerdings noch wenig Mut: Gerade einmal 635 Euro sind seit Beginn des Crowd­fundings am 5. April eingegangen.

Cacic trainiert das Brauen

Brau-Unterricht an den Kesseln des Senner Hotels »Zur Spitze«: Dem Hotelchef Adolf Kampeter (links) hat Mike Cacic viel zu verdanken. Foto: Poch

Deshalb hofft der Senner, viele weitere, auch wildfremde Menschen von seinem ambitionierten Projekt überzeugen und zum Spenden animieren zu können.

Zuversicht schöpft er aus einer guten Vorbereitung: Seit eineinhalb Jahren schon verinnerlicht er jede Information, die er zum Thema Bierherstellung vor die Augen oder in die Ohren bekommt. Und er trainiert das Brauen: In den Braupausen des Senner Hotels »Zur Spitze« darf er dessen Anlage zu Übungszwecken verwenden.

Mehr als 500 Liter unterschiedlicher Testbiere hat er dort schon produziert und verkostet. Nach vielen Experimenten mit Malzsorten, Hopfenpellets und Hefe hält Mike Cacic eine erste Biersorte nun für ausgereift: »Es ist ein helles, naturtrübes, obergäriges Bier, feinherb, mit fruchtiger Note. Man könnte es schon nach drei Wochen trinken, aber ich lasse die Hefe zehn Wochen lang daran arbeiten«, erklärt er. »Und das lohnt sich.«

Lobende Worte vom »Brauvater«

Lobende Worte findet auch sein »Brauvater« Adolf Kampeter, Chef des Hotels »Zur Spitze«: »Mikes Bier schmeckt. Es ist fruchtig, süffig und angenehm bitter. Wenn er eine gleichbleibende Qualität erreichen kann, dann halte ich sein Projekt für erfolgsversprechend.«

Der Nachwuchsbrauer selbst ist fest entschlossen, mit diesem Bier an den Markt zu gehen – als erstem Produkt seiner eigenen Ravensberger Brauerei. Es soll »Flutlicht« heißen.

»Sport- und Fußballbier«

Zapft sein eigenes Bier: Mike Cacic vor einem ersten Werbeposter der Designerin Katrin Lange, die auch die Flaschen-Etiketten entwerfen soll. Foto: Poch

»Ich sehe es als Sport- und Fußballbier«, erklärt Arminiafan Mike Cacic. »Der Sport verbindet bekanntlich die unterschiedlichsten Menschen. Wer mit Energie und Leidenschaft Sport treibt, der könnte sich für ein Bier interessieren, das mit ebenso viel Energie und Leidenschaft hergestellt wurde – ›Flutlicht‹ eben, das Bier für besondere Momente.«

Möglichst schon Ende 2016 will der ehrgeizige Bielefelder die ersten Flaschen seines Labels im Handel sehen – natürlich zuerst im Laden seiner Eltern.

Noch allerdings trennen ihn davon stolze 39.365 Euro – für Brauanlage, Gärtanks, Fässer, Bierkisten, Flaschen, Rohstoffe und mehr. Es gibt zur Not einen Plan B, aber Cacic zählt auf die Weitsicht seiner Sponsoren.

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